Wohin fliehen Obdachlose im Schweizer Winter?

    Fällt das Thermometer unter Null, wird es auf der Strasse gefährlich. Notschlafstellen und Gassenküchen retten in solchen Zeiten mehr als ein Leben.

    Obdachlose Penner Schweiz Winter
    Solange die Sonne scheint, geht es irgendwie. Doch was tun Obdachlose in einer kalten Winternacht? - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Wenn die Temperaturen fallen, suchen Obdachlose Zuflucht in Notschlafstellen.
    • Gebrauchte Kleider, Notschlafsäcke und Isomatten werden zudem kostenlos verteilt.
    • Auch Institutionen wie die Gassenküche helfen den Menschen, sich aufzuwärmen.

    Wenn im Winter die Temperaturen sinken, jubiliert der Durchschnittsschweizer. Vielleicht gibt es ja endlich Schnee? Andere maulen, es friert einem dann viel mehr an Händen und Füssen.

    Für einige aber bedeuten Minusgrade mehr als das. Eine Winternacht kann für sie zur tödlichen Gefahr werden. Gemeint sind Menschen, die keine warme Stube haben. Menschen also, die in der Schweiz auf der Strasse leben.

    Ein Platz zu finden, ist immer schwer

    Ein Plätzchen für die Nacht zu finden, sei auch im Sommer schwierig, sagt Thomas Feurer von Endlesslife. Der Verein betreibt in St. Gallen unter anderem eine Notschlafstelle. «Im Sommer ist es aber bedeutend weniger gefährlich. Es ist länger hell, warm und hat weniger negative Stimmungen.»

    Notschlafstelle
    Die Notschlafstelle von Endlesslife in St. Gallen. - zVg

    Wenn die Temperaturen es zulassen, bleiben die meisten Obdachlosen lieber draussen. «Wir verteilen Kleider und sind regelmässig auf der Strasse unterwegs. Wir ersetzten kaputte Schuhe und rüsten die Leute auch aus mit Notfallschlafsäcken», so Feurer.

    Rettung Notschlafstelle

    Sinkt das Thermometer aber in empfindliche Tiefen, retten Obdachlose sich in Notschlafstellen. Welche Notschlafstelle dabei wen aufnimmt, ist unterschiedlich. «Wir bieten eine Notschlafstelle durch den Winter für Jedermann und Jederfrau an. Diese ist kostenlos und die ganze Nacht betreut. Duschen, Kleidung und Hygieneartikel sind inbegriffen.»

    Notschlafsäcke Penner Obdachlos Winter
    Wenn es kalt wird, verteilen die Mitarbeiter von Endlesslife oft auch Notschlafsäcke, die isolieren helfen und den Körper damit einigermassen warmhalten. - zVg

    Die Stadt St. Gallen dagegen betreibt eine Notschlafstelle nur für Menschen aus der Stadt St. Gallen. Zudem ist es nicht nur nachts, sondern oft auch tagsüber bitterkalt. In einem Restaurant sitzen und sich aufwärmen, ist für kaum einen Obdachlosen eine Option. Denn es herrscht Konsumationszwang.

    Wohin an einem kalten Wintertag?

    «Tagsüber gibt es von der Stiftung Suchthilfe Angebote wie der Blaue Engel, Kathitreff und die Gassenküche. In keinem Ort ist Konsumation Pflicht und somit ist ein Aufwärmen nur eines der wertvollen Angebote dort», so Feurer.

    Penner Obdachlose Gassenküche
    Essen wärmt, die Gassenküche hilft dabei. - Keystone

    Selbst ein bitterkalter Winter ist für Schweizer Obdachlose also durchzustehen. «Dank der super Arbeit der vielen Fachstellen, Vereine und Kirchen sind es bei Obdachlosen, wenn, nur ganz seltene Tragödien», sagt Feurer.

    Wer dazu beitragen möchte, dass das so bleibt, kann zum Beispiel Schlafsäcke, Schuhe oder Kleider spenden. Auch Zelte und Isomatten sind gerne gesehen. Institutionen wie der Schwarze Peter in Basel verteilen diese kostenlos an Obdachlose.

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