Stadt Basel

Wie die Basler Medien 1924 über das erste Jodlerfest schrieben

Keystone-SDA Regional
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Basel,

Das Eidgenössische Jodlerfest findet Ende Juni nach 102 Jahren wieder in Basel statt. Auch seine erste Ausgabe, das Schweizerische Jodler-Verbandsfest, feierte es am Rheinknie. So schrieben die Medien 1924 über den Grossanlass.

Das Eidgenössische Jodlerfest geht Ende Juni nach 102 Jahren wieder in Basel über die Bühne. (Archivbild)
Das Eidgenössische Jodlerfest geht Ende Juni nach 102 Jahren wieder in Basel über die Bühne. (Archivbild) - KEYSTONE/URS FLUEELER

Die Zeitung «Basler Nachrichten» verortete die Urschweizer Bräuche im Vorfeld in der Nähe zur Natur. «Besonders in unsern Schweizer Hochtälern, wo jeder in so innigem Kontakt mit der Natur steht, diese sich zu nutzen machen weiss und tagtäglich in ständigem Kampfe mit Naturgewalten sieht», finde man bei den Älplern ein «ein tiefes Abhängigkeitsverhältnis von der Alpenwelt».

Im Artikel zeigt sich eine Mythologisierung der Urschweiz, die bewahrt worden und bis in die Gegenwart getragen worden sei. «Seit unsere Schweizerberge stehen, erklingt ungekünstelter naturfrischer Jodel», hiess es weiter. Und in den Liedern spiegle sich «die reiche vielgestaltete Seele des gesunden Bergbewohners».

Das Jodlerfest wird nicht «um bloss des Festes willen» gefeiert, schrieben die «Basler Nachrichten». Es sei ernster Arbeit gewidmet und solle «besonders dazu beitragen, das für uns so nötige Heimatbewusstsein zu stärken und altererbtes Gut in neugestärkter Kraft wieder auferstehen zu lassen».

Damit wurde der Bogen vom aus städtischem Blick andersartig anmutenden Urtümlichen zum gemeinsam Schweizerischen geschlagen und weiter seine Bedeutung ausgeführt: Das Fest solle «diese herrlichen Schweizerbräuche [...] in ungetrübter Kraft auch uns Talbewohnern vorzeigen» und «diese Güter unverfälscht der Nachwelt übermitteln».

Am 25. August 1924, dem Montag nach dem Fest, schrieben die «Basler Nachrichten» dann von einem «gewaltigen Erfolg». Die Messehallen hätten an den drei Wettkonzerten und während der Abendunterhaltung 15'000 Personen beherbergt. Und wer diesen oder dem Festumzug beigewohnt habe, «dem müsste unwillkürlich das Herz im Leibe lachen».

Beim Festumzug am Vortag habe es eine «gewaltige Zuschauermenge» in den Strassen aufgestellt, «leider nur zu zahlreich, um ein ungehindertes Vorwärtskommen zu ermöglichen». Daran schuld sei auch die Polizei gewesen, die sich «unbegreiflicherweise ganz in der Defensive verhielt, so dass einige Fahnenschwinger deren Amt übernehmen mussten».

Und die «National Zeitung» verkündete am Montag im Morgenblatt: «So sehr man auch von jeher in unserer Stadt die Kunst der Sennen zu schätzen wusste, hätte doch wohl kaum jemand solch eine gewaltige Anteilnahme unserer Bevölkerung bei dem ersten schweizerischen Jodler-Verbandsfest vorausgesehen».

Zu den Wettkonzerten schrieb die Zeitung von einem «gewaltigen Beifallssturm», «wenn eine in malerische Älplerkostüme gekleidete Jodlergruppe die kunstvollen Weisen ihres Solojodlers mit wohltönenden Harmonien begleitet hatte und dann zum Schluss des Liedes den letzten Akkord in einem feinen Pianissimo ersterben liess, dass man den Eindruck behielt, als würden sich die zarten Klänge in den ewigen Höhen der Alpenwelt verlieren».

Manch modernes Instrument klinge edler als das Alphorn und es liessen auch «mit Leichtigkeit viel mehr Töne spielen», hiess es weiter. Doch freue man sich in hohem Masse, dass es sich nicht verdrängen liesse, weil es mit seinen «harmonischen Naturtönen» grössten Einfluss auf eine Menge «herrlicher Schweizermelodien» gehabt habe. Das Lied «Der Ustig wott cho» habe in seiner ersten Fassung noch die erhöhte Quarte des Alphorns besessen.

Und auch die Fahnenschwinger seien mit grossem Beifall gelobt worden, «wenn sie mit kunstvollen Bewegungen mit kräftigen Schwüngen die rote Seide der Schweizerfahne durch die Luft sausen liessen, dass sie wie eine eingepresste Flamme zu lodern und zu züngeln schien».

Die Zeitungen waren aber nicht nur voll des Lobes. Die «Basler Nachrichten» gingen mit den Auftritten teilweise hart ins Gericht. Zwar war eine erfreuliche Entwicklung nach oben zu konstatieren, wie der damalige Obmann des Kampfgerichts Reiner Gebbard zitiert wurde. Man dürfe sich nun aber nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen und müsse stets um Verbesserung bemüht sein, um «durch das strengere und abwechslungsreichere Auswählen Wertbesseres zu bieten».

Der Jodlerklub Ebnet-Kappel sei im Gesamtklassement etwa weit zurückgefallen, weil es ihm «gerade etwas an Reinheit mangelte». Dies obwohl er «punkto Originalität und Vortragsweise unzweifelhaft an einer der ersten Stellen stehen müsste». Und auch die meisten Alphornbläser hätten ihr Ziel noch nicht erreicht. Der grösste Fehler sei der «unsichere Ansatz, also zu wenig Lippenkraft». Und durch «unnötiges Verzieren» seien «viele unreine Töne» hineingekommen.

Am Ende solle man aber nicht zweifeln, «dass gerade das erste schweizerische Jodlerfest das seine dazu beitragen wird, dass einer vom andern das gute lernt und in Balde zahlreiche dieser Missstände verschwinden werden».

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