Mundgeruch und Karies: Schweizerinnen leiden unter Ozempic-Zähnen
Schlankmacher-Medikamente wie Ozempic boomen. Nutzerinnen landen aber zunehmend auf dem Zahnarztstuhl.

Das Wichtigste in Kürze
- Vor allem Ozempic-Nutzerinnen zwischen 35 und 40 Jahren kämpfen mit «Ozempic-Teeth».
- Zu den häufigen Beschwerden zählen laut einer Zürcher Zahnärztin Mundgeruch und Karies.
- Der Zahnarztverband SSO warnt vor Zahnschäden durch häufiges Erbrechen.
Abnehmspritzen wie Ozempic oder Wegovy lassen die Kilos purzeln. Die Kosten für Wegovy, im Gegensatz zu Ozempic kein Offlabel-Medikament, übernehmen die Krankenkassen teilweise.
Im Sommer 2025 liessen sich bereits rund 40'000 Schweizerinnen und Schweizer das Medikament von der Krankenkasse erstatten. Dies zeigen Zahlen des Gesundheitsobservatoriums «Obsan».
Zunehmend landen die Nutzerinnen und Nutzer der Schlankmacher aber auf dem Zahnarztstuhl. Helen Mang Buckman stellt in ihrer Praxis in Herrliberg ZH an der Zürcher Goldküste einen neuen Trend fest.
«Erhöhte Übelkeit mit teils Erbrechen»
Immer mehr Kundinnen und Kunden liessen sich mit Ozempic behandeln, sagt die Zahnärztin zu Nau.ch. «Sie machen uns auf zum Beispiel erhöhte Übelkeit mit teils Erbrechen aufmerksam.»
Zwar seien Zahnschäden keine offiziell etablierte Hauptnebenwirkung von Ozempic, sagt Mang Buckman.
«Doch beobachten wir immer häufiger Beschwerden.» Als Beispiel nennt sie Mundtrockenheit, vermehrte Karies an schwierig zugänglichen Stellen, Zahnfleischprobleme und Zahnschmelzerosionen.
Problem mit Speichel
Meist leiden Frauen zwischen 35 und 40 Jahren unter den sogenannten «Ozempic-Teeth» respektive Ozempic-Zähnen. Häufig berichteten die Patientinnen von Übelkeit, sagt Helen Mang Buckman. Mit Folgen: «Häufiges Erbrechen kann zu Säureschäden an den Zähnen führen.»
Die Abnehmspritzen sind effektiv, weil sie den Appetit stark zügeln. Doch auf die Mundgesundheit kann sich dies negativ auswirken.
Durch das reduzierte Hungergefühl konsumierten die Nutzerinnen und Nutzer weniger, sagt die Zahnärztin. Dadurch werde auch weniger Speichel produziert, was zu einer schlechteren Befeuchtung der Mundschleimhaut führen könne.
Engmaschige Kontrollen empfohlen
Die Ozempic-Nutzenden drohen trotz Traumfigur an Attraktivität einzubüssen. «Die schlechtere Befeuchtung der Mundschleimhaut steht meist in direktem Zusammenhang mit Mundgeruch», sagt Mang Buckman.
«Oder verstärkter Kariesanfälligkeit an untypischen Stellen.» Generell werde teilweise auch über stärkeres Zahnfleischbluten berichtet.

Auslöser von Mundtrockenheit ist der Wirkstoff Semaglutid. Dieser ist auch im Medikament Wegovy enthalten.
Helen Mang Buckman empfiehlt Ozempic-Nutzenden engmaschige Kontrollen. «Statt nur einmal jährlich sind häufig Kontrollen alle sechs Monate sinnvoll.» Bei ausgeprägter Mundtrockenheit oder häufigem Erbrechen seien noch häufigere Kontrollen zu empfehlen.
«Kann den Zähnen schaden»
Die Ozempic-Zähne sind ein neues Phänomen, wie die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO bestätigt. Zurzeit seien ihnen keine Studien über den Effekt von Ozempic beziehungsweise vergleichbaren GLP-1-Medikamenten auf die orale Gesundheit bekannt.
Dies sagt Mediensprecher Miguel Pereiro. «Eine Rückfrage bei ausgewählten Zahnarztpraxen ergab zudem, dass sie bisher nicht vermehrt mit entsprechenden Beschwerden konfrontiert sind.»
Aus zahnmedizinischer Sicht sind laut der SSO aber gewisse Begleiterscheinungen relevant. Übelkeit und Erbrechen gehörten zu den bekannten Nebenwirkungen von Ozempic, sagt Pereiro. «Häufiges Erbrechen kann den Zähnen schaden, weil Magensäure den Zahnschmelz angreift und Zahnerosionen begünstigen kann.»
Die SSO empfiehlt, nach dem Erbrechen nicht sofort die Zähne zu putzen. «Besser ist es, den Mund gründlich mit Wasser auszuspülen und mit dem Zähneputzen rund 30 Minuten zu warten», sagt Pereiro.
Patienten sollten Beschwerden ansprechen
Auch Mundtrockenheit sollte laut der SSO ernst genommen werden.
Betroffenen empfiehlt sie, ausreichend Wasser zu trinken – unbedingt ohne Zucker. Spezielle Spüllösungen könnten unterstützend wirken. «Bei anhaltender Mundtrockenheit und erhöhtem Kariesrisiko kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt zusätzliche Fluoridierung empfehlen.»
Pereiro macht darauf aufmerksam, dass die Ärztin oder der Arzt über die Behandlung mit Ozempic oder vergleichbaren Medikamenten entscheidet. «Wer Beschwerden wie Erbrechen, Reflux, Mundtrockenheit, Mundgeruch oder Zahnfleischprobleme bemerkt, sollte diese ernst nehmen.» Er empfiehlt, diese bei der nächsten zahnärztlichen Kontrolle anzusprechen.













