Zuerst Anstossen mit der Chefin, dann tiefgründige Gespräche mit dem Vertriebsleiter und am Ende mit den Bürokollegen im Club abfeiern? Was vor Corona ein gelungenes Weihnachtsessen war, ist seit letztem Jahr keine Selbstverständlichkeit mehr. Doch einfach Absagen ist für viele Unternehmen keine Option. Darum boomen Alternativen für Firmenfeiern.
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Weihnachten via Zoom? Mit dem erlassenen Veranstaltungsverbot im Privatbereich von über 10 Personen werden die Festtage dieses Jahr etwas anders als sonst. - Getty

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Weihnachtsessen mit Sitz- und Maskenpflicht ist uncool.

Das wissen auch die Firmen und sagen im grossen Stil ihre geplanten physischen Events ab. Die meisten haben schon reagiert, bevor der Bund die Massnahmen erneut verschärft hat, wie eine Umfrage von AWP unter diversen grossen Unternehmen zeigt.

Während manche die Feiern auf nächstes Jahr verschieben, ermutigen andere ihre Teams, trotzdem zusammen zu feiern - aber online.

Was für die Restaurants und Event-Locations, die mit zahlreichen Absagen konfrontiert werden, natürlich ein Desaster ist, kann für andere Anbieter jedoch eine Chance sein. Indem sie ihr Geschäftsmodell innert kürzester Zeit auf virtuell umgestellt haben, können sie viele neue Kunden gewinnen.

So etwa der Magier und Mentalist Arthur Roscha. Er setzt seit vergangenem Jahr auch auf virtuelle Zauber-Shows - und die Nachfrage ist aktuell sehr gross. «Was natürlich fehlt, ist das direkte Feedback des Publikums - sprich: der Applaus. Aber Gedankenlesen geht auch über das Internet», erklärt er.

Roscha führt inzwischen etwa die Hälfte seiner Shows im virtuellen Raum durch. Für ihn als Künstler bietet das zwar einige Schwierigkeiten, weil er manche Tricks am PC nicht durchführen kann. Es biete aber auch die Chance, als Künstler noch kreativer zu werden: «Für die virtuellen Shows habe ich viel Neues entwickelt», sagt er.

Dazu kommt, dass es, anders als in einem Restaurant oder Saal, keine Beschränkung der Personenanzahl bei seinen Aufführungen gibt. «Ich habe online zwischen 30 und 300 Zuschauer.»

Auch Nathalie Sameli profitiert mit ihrer Firma The Same von der grossen Nachfrage nach virtuellen Unterhaltungsprogrammen. Sie führt normalerweise analoge Events wie zum Beispiel Stadt-Krimis oder Krimi-Dinners mit professionellen Schauspielern durch. Zu Beginn des ersten Lockdowns sei ihr sofort klar gewesen, dass sie mit den Live-Events während längerer Zeit keine Einnahmen mehr haben würde.

«Gleichzeitig war das die grosse Chance für den Onlinemarkt auch in der Schweiz», sagt sie. Sie entwickelte ein bereits 2017 gestartetes Augmented-Reality-Game weiter und bewarb es aktiv am Markt. Anfänglich hätten sich Schweizer Firmen noch nicht gross dafür interessiert. Dank der digitalen Ausrichtung konnte sie dafür im Ausland viele Aufträge ergattern - was bei analogen Events natürlich schwieriger ist.

«Ende November [2020] kamen die Schweizer Firmen dann doch auf den Geschmack und buchten plötzlich auch wie wild den Weihnachtskrimi», sagt sie. Während die Anfragen sonst Monate im Voraus erfolgten, seien nun teils Anfragen am Abend vor dem gewünschten Event gekommen.

Heute erhalte sie etwa 20 bis 30 Anfragen pro Tag, davon die Hälfte aus der Schweiz. Für den ganzen Dezember rechnet sie mit 200 bis 250 Durchführungen ihrer virtuellen Krimis.

So ähnlich klingt es auch bei Gourmetbox. Das Unternehmen liefert Apéro- und Kochboxen oder auch Business-Lunches für das Treffen vor dem Bildschirm nachhause. «Die Nachfrage ist vor allem in den letzten 2 Wochen praktisch explodiert, als klar geworden ist, dass sich die Situation stark zuspitzt», sagt Geschäftsführerin Susanne Schanz.

Das Geschäftsmodell, dass sich die Mitarbeitenden von Firmen ihr Essen selber zuhause kochen, habe es vorher nicht gegeben. Auf Basis der Gourmetboxen, die ihre Firma schon seit 2007 anbietet, konnte Schanz jedoch sehr schnell auf die virtuellen Firmenevents reagieren und kann auch sehr kurzfristige Bestellungen erfüllen.

Dabei seien Firmenfeiern eine logistische Herausforderung: «Schon nur ein Mitarbeiter ohne Essen wäre eine Katastrophe. Deshalb bauen wir Sicherheiten ein und fahren im Notfall durch die halbe Schweiz, um die Lieferung noch rechtzeitig ins Ziel zu bringen», so Schanz.

Unternehmern, die sich überlegen, auch mit ihrem Geschäft in den digitalen Raum zu expandieren, müssen natürlich einige Dinge beachten, erklärt Valerio Stallone, der an der ZHAW zu digitalem Marketing forscht. Sein Tipp: Es muss eine Person bestimmt werden, die den Lead übernimmt und die Entwicklung vorantreibt.

«Unternehmen, die von Anfang an digital sind, haben natürlich einen Vorteil», sagt Stallone, «sogar gegenüber Firmen, die bereits lange im Geschäft sind und einen grossen Kundenstamm haben, aber digital-unaffin sind». Aber auch Unternehmer, die bisher nichts mit digitalen Geschäftsmodellen am Hut haben, können die Veränderung schaffen.

«Man kann zum Beispiel neue Leute ins Boot holen, die dieses Wissen mitnehmen.» Dazu müssen die Chefs allerdings bereits sein, alte Strukturen aufzubrechen und eine allfällige «Bisher-hat-es-so-immer-geklappt»-Mentalität ablegen. Und besonders wichtig sei auch die persönliche Weiterbildung, damit man bei neuen Entwicklungen nicht im alten Muster gefangen bleibt.

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