Wanderer treffen auf Steinbock-Gruppe: wie verhalten?

    Stephan Felder
    Stephan Felder

    Planet Erde,

    Auf dem Rotsteinpass im Alpstein spazieren Wanderer plötzlich durch eine Gruppe Steinböcke. Eine Wildtier-Expertin erklärt, was dann wichtig ist.

    Wanderer
    Wanderer treffen auf dem Rotsteinpass auf Steinböcke. - Screenshot Facebook/@Marcel Schiegg PhotographY / keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Steinböcke leben im Alpenraum meist oberhalb der Waldgrenze.
    • Bei Begegnungen gilt: ruhig bleiben und Abstand halten.
    • Es handelt sich um Wildtiere, die bis zu 100 Kilogramm wiegen können.

    Wer auf einer Wanderung im Alpstein unterwegs ist, kann einiges erleben. Zwei Wanderer hatten kürzlich eine besonders spektakuläre Begegnung.

    Auf dem Rotsteinpass im Kanton Appenzell Innerrhoden trafen sie auf eine ganze Gruppe Steinböcke. Die Steinböcke blieben seelenruhig stehen, während die Wanderer vorsichtig an ihnen vorbeizogen.

    Das entsprechende Video sorgt auf Facebook für Aufmerksamkeit.

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    Wanderer gehen am Rotsteinpass an Steinböcken vorbei. - Facebook/@Marcel Schiegg PhotographY

    Aussergewöhnlich sind solche Begegnungen auf dem Rotsteinpass allerdings nicht.

    «Bei schönem Wetter sehen wir praktisch täglich Steinböcke», sagt Albert Wyss vom Berggasthaus Rotsteinpass zu Nau.ch. Zwei oder drei Tage ohne Sichtung könne es zwar geben, das sei aber eher selten.

    Teilweise kommen die Tiere bis auf 30 oder 40 Meter an das Berggasthaus heran. Manchmal seien sogar Jungtiere dabei.

    Die Kolonie auf dem Rotsteinpasse zählt 150 Tiere

    Die Region ist für ihre Steinböcke bekannt. Auf appenzell.ch wird der Rotsteinpass sogar mit «Steinböcken auf Augenhöhe» beworben.

    Die «Steinbock-Kolonie Säntis» zählt demnach seit einigen Jahren zwischen 140 und 160 Tiere.

    Hättest du Angst, wenn du beim Wandern einen Steinbock treffen würdest?

    Doch wie sollte man sich verhalten, wenn man beim Wandern plötzlich einem Steinbock gegenübersteht?

    Die Wanderer im Video verhalten sich dabei grundsätzlich richtig, sagt Melitta Maradi, Geschäftsleiterin von Wildtier Schweiz.

    «Sie sind ruhig weitergelaufen und haben nicht versucht, sich den Steinböcken zu nähern.»

    Steinböcke sind im ganzen Alpenraum zu Hause

    Steinböcke trifft man aber längst nicht nur rund um den Säntis. «Steinböcke sind im ganzen Alpenraum verbreitet – also nicht nur in der Schweiz», erklärt Maradi.

    Die Tiere leben oberhalb der Waldgrenze. «Auf Alpweiden und bevorzugt im steilen, felsigen Gelände», sagt die Wildtier-Expertin.

    Im Sommer halten sie sich weiter oben auf, im Winter ziehen sie je nach Schneeverhältnissen auch in tiefere Lagen.

    Steinbock
    Steinböcke halten sich auf Alpweiden und bevorzugt im steilen, felsigen Gelände auf. - keystone

    Dass die Tiere im Video so gelassen bleiben, heisst allerdings nicht, dass Steinböcke grundsätzlich die Nähe von Menschen suchen.

    «Dieses Video ist nicht repräsentativ für alle Steinböcke», betont Maradi. Auf Social Media würden vor allem jene Tiere häufig gezeigt, die an Menschen gewöhnt seien.

    «Es kann durchaus sein, dass sich Steinböcke mit den Jahren an die Menschen gewöhnen und nicht zurückweichen.»

    «Man ist ja in ihrem Wohnzimmer»

    Wie sollten sich Wanderer verhalten, wenn sie plötzlich vor einem Steinbock stehen?

    Die Antwort der Expertin ist deutlich: «Leise sein, keine hektischen Bewegungen machen und sie in aller Ruhe beobachten.»

    Bei der Beobachtung gibt es allerdings klare Grenzen.

    Möchtest du bei einer Wanderung gerne auf Steinböcke treffen?

    «Steinböcke niemals verfolgen oder gar versuchen, sie zu streicheln oder zu füttern», warnt sie.

    Trotzdem müsse man eine solche Begegnung nicht als Problem sehen. «Es ist durchaus erlaubt, den Anblick zu geniessen», sagt Maradi.

    Ihr Tipp: «Es muss auch nicht immer ein Video- oder Beweisfoto sein.»

    Bis zu 100 Kilogramm schwer

    Denn so friedlich Steinböcke wirken können: Ganz ungefährlich sind Begegnungen nicht.

    Die Erfahrungen am Rotsteinpass sind positiv. «Die Leute haben eine Riesenfreude an den Tieren», erzählt Wyss.

    Manche Wanderer hätten allerdings Angst, an den Tieren vorbeizulaufen.

    Steinböcke
    Auf Steinböcke kann man nicht nur auf dem Rotsteinpass treffen, sondern wie hier auch im Berner Oberland. - Nau.ch

    Aus seiner Erfahrung am Rotsteinpass sei das nicht nötig: «Wenn man zwei Meter Abstand hält, ist das aber kein Problem», sagt Wyss. Einen Unfall habe es deswegen noch nie gegeben.

    Doch die Tiere sollte man trotzdem nicht unterschätzen.

    «Männliche Tiere können 100 Kilogramm schwer werden, und ihre Hörner sind ausladend», sagt Maradi. Zudem seien die Tiere trotz ihres Gewichts «flink und schnell».

    Gelassenheit nicht mit Zutraulichkeit verwechseln

    Wer einem solchen Tier zu nahe kommt, geht deshalb ein unnötiges Risiko ein. «Mit einer unbeabsichtigten Bewegung landet man schnell im Tal oder verletzt sich schwer», warnt Maradi.

    Gerade deshalb sollte man die scheinbare Gelassenheit der Tiere nicht mit Zutraulichkeit verwechseln.

    Auch wenn sie an manchen touristisch beliebten Orten einiges an Störungen gewohnt sind, bleibt eines wichtig: «Einen Mindestabstand einhalten und sie in Ruhe lassen, ist das einzig richtige.»

    Das gilt nicht nur zum Schutz der Wanderer. Auch für die Steinböcke selbst können Begegnungen mit Menschen Folgen haben.

    Werden die Tiere wiederholt gestört, können sie in Gebiete zurückgedrängt werden, die für sie ungeeignet sind.

    «Sie werden an Orte vertrieben, die eigentlich nicht geeignet sind: Im Sommer an zu heisse Stellen oder im Winter an Orte ohne Äsung oder zu viel Schnee.»

    «Kein Like rechtfertigt es, Wildtiere zu stressen!»

    Für die Wildtiere ist das vor allem mit Stress verbunden. «In jedem Fall ist es Stress. Und Stress kann in der Tierwelt noch massivere Auswirkungen haben als bei uns und lebensbedrohlich werden.»

    Umso wichtiger sei es, den Tieren ihren Lebensraum zu überlassen. «Kein Video, kein Bild sowie kein Like und neuer Follower rechtfertigt es, Wildtiere zu stressen!», sagt Maradi.

    Die Wanderer auf dem Rotsteinpass haben genau das gemacht: Sie blieben ruhig und liessen die Steinböcke in Ruhe.

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    Kommentare

    User #3449 (nicht angemeldet)

    Gute Besserung und viel Kraft!

    User #3073 (nicht angemeldet)

    Alle regulieren! Zu gefährlich für Wanderer.

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