Wald statt Weihwasser: Immer mehr Eltern feiern ihre Kinder ohne Kirche

    Cheri Reinhardt
    Cheri Reinhardt

    Nidwalden,

    Immer mehr Eltern feiern ihre Kinder ohne Kirche. Statt Taufe gibt’s Rituale im Wald oder Wohnzimmer. Schwierigkeiten hat damit vor allem die ältere Generation.

    Taufe im Wald
    Taufe in der Kirche war gestern - heute wird im Wald gefeiert. - jpix.ch / pexels

    Das Wichtigste in Kürze

    • Immer mehr Eltern verzichten bewusst auf eine kirchliche Taufe.
    • Sie wählen persönliche Rituale mit Symbolen wie Sonne oder Regenbogen.
    • Die Feiern finden zu Hause, im Garten oder in der Natur statt.
    • Grosseltern reagieren oft mit Unverständnis oder Ablehnung.

    Man kennt sie, die Sprüche der Grossmutter «Wenn das Kind nicht getauft ist, kommt es in die Hölle.» Diese Angst scheint heute nicht mehr gegeben zu sein.

    Immer mehr Eltern entscheiden sich gegen die Taufe und wählen stattdessen nicht-religiöse Willkommensfeiern für ihre Neugeborenen. Das berichtet der «Tages-Anzeiger».

    Der Glaube soll nicht aufgezwungen werden

    Der Grund: Sie wollen ihnen «keinen Glauben mehr aufzwingen». Stattdessen feiern sie die Geburt mit Zeremonien im Wohnzimmer, Garten oder Wald.

    Nicole Hermann
    Nicole Hermann plant Rituale im Wald, im Garten oder im Wohnzimmer. - Zeremonien mit Herz

    Nicole Hermann aus Buochs NW organisiert solche Feiern seit zehn Jahren, professionell, ohne Kirche und ohne Weihwasser.

    Bist du selbst getauft?

    Sie ist ausgebildete Zeremoniengestalterin. Ihre Feiern dauern rund 35 Minuten. Dabei hält sie eine persönliche Rede für das Kind, die Eltern und die Gotti/Götti. Dazu läuft Musik, manchmal live.

    Überschaubare Kosten

    Das Ganze kostet 900 Franken plus Spesen. «Reich wird man damit nicht, aber ich habe meine Leidenschaft gefunden», sagt sie im «Tages-Anzeiger».

    Trotz des wachsenden Interesses an diesen Feiern kommt es gelegentlich zu Missverständnissen. Vor allem bei älteren Generationen.

    In solchen Fällen muss Nicole Hermann vermitteln und erklären. Etwa bei einem Grossvater, der während einer Zeremonie demonstrativ in der hintersten Reihe sass.

    Übrigens: Auch andere Traditionen rund um Geburt und Babys wandeln sich.

    Planst du für dein Kind eine Taufe?

    US-Trends wie Gender-Reveal-Partys, bei denen feierlich das Geschlecht des Babys enthüllt wird, schwappen zu uns über. Auch die sogenannte «Babyshower», also eine Party, bei der werdende Mamis beschenkt werden, feiern immer mehr Schweizerinnen.

    Auch immer öfter geben Eltern ihrem Kind bewusst einen genderneutralen Namen oder verkünden bei der Geburt kein Geschlecht.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #4048 (nicht angemeldet)

    Leben und nicht Wissen lassen !

    User #1195 (nicht angemeldet)

    Bei der Beerdigung unseres Vaters wollte die Kirche für ein wenig Gelaber und Glocken bimbam drei Tausend Franken. Für einen Freiredner bezahlten wir gerade mal zwei Hundert Franken. Ob nun Glocken läuten oder nicht hat unser Vater eh nicht mehr mitgekriegt. Amen.

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