Waadtländer Stiftung nach Missbrauch von Behinderten verwarnt

Keystone-SDA
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Lausanne,

Im Kanton Waadt haben Betreuer eines Heims Behinderte jahrelang missbraucht. Die Beschwerdekommission verwarnt die zuständige Stiftung.

Ein Pfleger betreut eine Patientin, gestellte Aufnahme vom 6. Dezember 2001, im Spital Uznach.
Ein Pfleger betreut eine Patientin, gestellte Aufnahme vom 6. Dezember 2001, im Spital Uznach. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Pfleger der Cité du Genévier misshandelten junge Autisten jahrelang.
  • Die Beschwerdekommission verwarnt die zuständige Eben-Herzer-Stiftung.

Die Pflege der jungen Erwachsenen mit Autismus in der Cité du Genévrier in Saint-Légier VD sei ausser Kontrolle geraten, schreibt die Kommission in ihrem heute Freitag veröffentlichten Abschlussbericht. Demnach wurden mehrere autistische Bewohner der Institution direkt Opfer von körperlichen oder verbalen Misshandlungen durch bestimmte Mitarbeiter, darunter insbesondere zwei Erzieher.

Die Pflege der Heimbewohner sei vereinzelt vernachlässigt worden. Weiter kommt die Kommission zum Schluss, dass das Betreuerteam «nicht aus Mitarbeitern mit den erforderlichen Fachkenntnissen und Fähigkeiten bestand».

Als Reaktion auf diese Verstösse, einschliesslich einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte, sprach die Kommission einen Verweis an die Eben-Hezer-Stiftung aus, welche die Cité du Genévrier betreibt.

In einer Stellungnahme stellt die Cité du Genévrier «mit Befriedigung» fest, dass die Beschwerdekommisson die Vorwürfe der «Institutionalisierung des Missbrauchs» zurückgewiesen hat. Dass der Bericht zum Schluss kommt, dass es vereinzelt Misshandlungen von Bewohnern gegeben hat, nehme die Eben-Hézer-Stiftung zur Kenntnis, teile diese Einschätzung aber nicht.

Körper- und Zahnpflege vernachlässigt

Die Beschwerdestelle reagierte, nachdem die Eltern von fünf autistischen jungen Erwachsenen, die bis Ende Februar 2017 im Heim oberhalb von Vevey VD gelebt hatten, eine Beschwerde eingereicht hatten.

Die Vorwürfe wogen schwer. Bei den Opfern soll die Körper- und die Zahnpflege vernachlässigt und sie sollen mit überhöhten Medikamentendosen ruhig gestellt worden sein.

Die Eltern wurden durch einen anonymen Brief auf die Fälle aufmerksam. Die betroffene Wohngruppe wurde danach aufgelöst, weil das Vertrauen zwischen den Eltern und dem Heim zerstört war.

Kanton kündigt Massnahmen an

Der Kanton Waadt, der die Institution zu 95 Prozent finanziert, leitete seinerseits eine Administrativuntersuchung ein. Der Staat nehme die Verwarnung der Eben-Hézer-Stiftung zur Kenntnis, heisst es im Communiqué.

Der Kanton räumt weiter ein, dass es «organisatorische Mängel» gegeben habe. Er stellt aber zugleich fest, dass die Institution nach den Missbrauchsvorwürfen die notwendigen Massnahmen ergriffen habe, einschliesslich der Entlassung von betroffenen Betreuern.

Als Reaktion auf die Missstände hat das Gesundheits- und Sozialdepartement verschiedene Massnahmen beschlossen. So muss die Cité du Genévrier ihr internes Berichtssystem «schnell» überarbeiten. Weiter soll der kantonale Rechtsrahmen überarbeitet werden, um Mitarbeiter zu überwachen, die missbräuchliches Verhalten an den Tag legen.

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