Vergewaltigungsvorwürfe in Kaltbrunn SG bleiben ohne Folgen
Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen hat nach Vergewaltigungsvorwürfen die Verfahren gegen zwei ehemalige Lehrpersonen an der damaligen evangelikalen Privatschule «Domino Servite» in Kaltbrunn SG eingestellt respektive nicht weiter verfolgt. Begründet wird dies mit Verjährung.

Die beiden Entscheide sind rechtskräftig, wie es in einer Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom Donnerstag heisst. In beiden Fällen sei die Verjährung bereits eingetreten.
Rückblick: In einem im September 2023 ausgestrahlten Beitrag des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) erhoben gleich mehrere ehemalige Schülerinnen und Schüler der Privatschule «Domino Servite» schwere Vorwürfe. Eine Frau gab an, sie sei in den 1990er Jahren als 12-Jährige von einem Lehrer vergewaltigt worden. Folglich nahm die St. Galler Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung gegen die unbekannte Täterschaft wegen Verdachts auf Vergewaltigung und der sexuellen Handlungen mit Kindern wieder auf, nachdem diese zwischenzeitlich bereits einmal sistiert worden war.
Bei der Prüfung einer Anzeige gegen eine Lehrperson wurde gemäss der Staatsanwaltschaft festgestellt, dass die Verjährung bereits eingetreten sei. Das Verfahren wegen Vergewaltigung und sexuellen Handlungen mit Kindern sei deshalb nicht «anhand genommen» worden, heisst es in der Mitteilung der St. Galler Staatsanwaltschaft vom Mittwoch weiter.
In einem Verfahren gegen eine zweite Lehrperson seien umfangreiche Untersuchungen unternommen worden. «Wir haben unter anderem mehrere Personen befragt und diverse Akten gesichtet, um einordnen zu können, wann die Vorfälle geschehen sein sollen oder welche Lehrpersonen zum mutmasslichen Tatzeitpunkt an der Schule waren», sagte Leo-Philippe Menzel, Mediensprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Als wir den Zeitpunkt eruieren konnten und feststellten, dass die mutmassliche Tat bereits verjährt ist, haben wir die Einstellungsverfügung verfasst», so Menzel weiter.
Die Staatsanwaltschaft darf gemäss Menzel nicht mehr weiter ermitteln, wenn eine mutmassliche Tat bereits verjährt ist. Die Verjährung sei somit der Hauptgrund für die Einstellung der Untersuchung. Was der Sprecher zusätzlich festhielt: «In dem Teil der Untersuchung, den wir gemacht haben, hat sich der Tatverdacht gegen die Lehrperson nicht erhärtet.»
Missbrauchsfälle ereigneten sich in der Privatschule «Domino Servite», welche vom früheren Chocolatier Jürg Läderach mitbegründet worden ist, hauptsächlich zwischen 1995 und 2002. Das legte ein Untersuchungsbericht 2022 offen, welcher die Privatschule – heute «Christliche Schule Linth (CSL)» – in Auftrag gab.
Mit dem Entscheid der Staatsanwaltschaft seien die letzten offenen Fragen aus der von der CSL angestossenen unabhängigen Untersuchung zu «Fehlverhalten in der Vergangenheit» beantwortet, schrieb die Schule am Donnerstag in einer Reaktion. «Wir sind erleichtert, dass nun die ganzen Verfahren nach so langer Zeit zum Abschluss gekommen sind.»
2022 und 2023 seien Massnahmen umgesetzt worden, damit sich Missbrauchsfälle nicht mehr wiederholen könnten, schrieb die CSL in der Stellungnahme weiter. Das Unrecht, das einer Reihe von Schülerinnen und Schülern angetan wurde, bedauere die Schule zutiefst.






