Unter den Extremtemperaturen leidet auch das Spitalpersonal, gerade in älteren Gebäuden. Wegen der Hygiene sind Ventilatoren oft verboten – dafür gibt's Glacé.
Bettenhochhaus
Das Bettenhochhaus des Berner Inselspitals ist schlecht isoliert – und wird in der Hitzewelle zum Backofen. - keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Gerade in älteren Spitalgebäuden leidet das Pflegepersonal derzeit unter der Hitze.
  • Die Arbeitgeber sind sich dessen oft bewusst, so die Gewerkschaft.
  • Sie verteilen kaltes Wasser und sogar Glacé an ihre Angestellten und lockern Vorschriften.

«Das Pflegepersonal leidet derzeit extrem unter der Hitze», erklären gleich mehrere Spital-Mitarbeitende gegenüber Nau.ch. Warme Schutzkleidung, alte Spitalgebäude, heiss laufende Geräte und strenge Hygienevorschriften machen die Arbeit im Gesundheitsbereich derzeit noch anstrengender als ohnehin schon.

«Es ist immer sehr schlimm in heissen Sommern», bestätigt auch Meret Schindler von der Berner Sektion der Gewerkschaft VPOD. Denn: «Vorschriften besagen etwa, dass man beim Wechseln eines Verbands die Fenster schliessen muss. Wegen der Hygiene sind zudem Ventilatoren teilweise verboten.»

Spital
Im Spital gelten strenge Hygienevorschriften – diese machen die Hitze teils noch schlimmer. - keystone

Eine solche Hitze wie in den vergangenen Tagen gab es während den zwei Pandemiejahren bislang nicht. «Die Belastung ist wegen Corona immer noch hoch. Sonst war es während der Sommerferien meistens ruhiger», erklärt Schindler.

Schlecht isolierte Gebäude werden zur Hitzefalle

Besonders alte, schlecht isolierte Spitalgebäude werden für das Gesundheitspersonal im Sommer zur Herausforderung. So etwa im Berner Inselspital, wie man auf Anfrage erklärt: «Das 1970 erbaute Bettenhochhaus ist nicht mehr auf dem aktuellsten Stand in Sachen Gebäudedämmung. Deshalb kann sich insbesondere die sonnenexponierte Südfront substantiell aufwärmen.»

Zurzeit sei die Situation jedoch noch vertretbar, glaubt man. Immerhin in den moderneren Teilen des Spitals ist die Hitze erträglich, da diese Extremwetterlagen besser kompensieren können.

Triemli Spital
Die begrünte Fassade des Zürcher Stadtspitals Triemli soll auch die Hitze fernhalten. - keystone

Mit gutem Beispiel voran geht das kürzlich renovierte Stadtspital Zürich. Die maximale Temperatur betrage an Hitzetagen nie über 28 Grad, heisst es auf Anfrage. Im neu sanierten Turm schützt zudem die begrünte Südfassade vor hohen Temperaturen.

Spitäler verteilen kaltes Wasser – und sogar Glacé

Abgesehen von Investitionen in die Infrastruktur wollen Spitäler ihren Mitarbeitern die Hitze mit anderen Massnahmen erträglicher machen. «Die Kliniken haben jeweils ein eigenes Lüftungskonzept», erklärt etwa Claude Kaufmann, Mediensprecher der Hirslanden-Gruppe auf Anfrage. «Zudem wird zum Beispiel auch Mineralwasser und teils auch Glacé an das Personal verteilt.»

Inselspital
Das alte Gebäude (rechts) heizt sich im Sommer extrem auf. Im Neubau (links) wird es hoffentlich besser sein.
Spital Angestellte
Spitalangestellte kämpfen mit der Hitze – auch weil wegen Corona die Auslastung noch immer hoch ist. (Symbolbild)
Wasser
Viele Spitäler verteilen nun gekühltes Wasser an die Angestellten. (Symbolbild)
Glacé
In einigen Hirslanden-Kliniken bekommen die Mitarbeiter sogar Gratis-Glacé. (Symbolbild)

Bei Hitze können in den Hirslanden-Kliniken ausserdem die Kleidervorschriften angepasst werden, sodass etwa auch leichtere T-Shirts erlaubt sind. «Es kommen in verschiedenen Kliniken auch Ventilatoren zum Einsatz. Diese werden regelmässig gewartet und gut gereinigt», so Kaufmann weiter.

Auch das Inselspital bietet Mitarbeitenden gratis gekühltes Wasser an. Zudem werden bei hohen Temperaturen tragbare Ventilatoren eingesetzt, wo es die Hygienevorschriften erlauben. Nicht der Fall ist das im Inselspital in Hochrisikoabteilungen, Eingriffsräumen, Lagerräumen für Sterilmaterial sowie Räumen mit infektionsgefährdeten oder isolierten Patienten.

Leiden Sie an Ihrem Arbeitsplatz unter der Hitze?

«Die Arbeitgeber sind sich des Problems schon deutlich besser bewusst als in der Vergangenheit», sagt Schindler. Sie rät dem Personal auch, auf sich selbst aufzupassen und genug zu trinken und Pausen zu machen, falls nötig. «Aber es ist ja nicht vergleichbar mit der Arbeit auf dem Bau, wo es unter dem Helm 40 Grad sind.»

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