Universität Luzern lockt mit Israel-Reisen für neuen Studiengang
Hebräisch in Israel zu lernen ist derzeit kriegsbedingt kaum möglich. Umso mehr Aufmerksamkeit erhält nun ein Aufruf der Universität Luzern.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Uni Luzern bietet einen neuen Studiengang zu Jüdisch-Christlichen Beziehungen an.
- Studierende können geförderte Sprachaufenthalte in Israel im Rahmen des Studiums machen.
- Derweil warnt das Aussendepartement EDA vor Reisen nach Israel.
«Von Reisen nach Israel wird abgeraten», schreibt das Schweizer Aussendepartement EDA auf seiner Website. «Die Entwicklung der Lage ist ungewiss. Das Eskalationsrisiko in der gesamten Region ist hoch.»
Und doch: Ausgerechnet in Kriegszeiten wirbt eine Schweizer Hochschule mit Aufenthalten zum Hebräisch lernen in Israel.
Ab Herbst bietet die Universität Luzern den neuen Studiengang «Jüdisch-Christliche Beziehungen» an.
Darin wird das Verhältnis beider Religionen historisch, theologisch und gesellschaftlich beleuchtet.
Und jetzt kommts: «Internationale Kooperationen, Seminare und Konferenzen sowie geförderte Sprachaufenthalte in Israel ergänzen das Studium», heisst es in einer Ankündigung.
EDA weiss von 40 Schweizer Reisenden in Israel
Das EDA teilt auf Anfrage von Nau.ch mit, dass es die Luzerner Werbung für Sprachaufenthalte im Konfliktstaat nicht kommentieren wolle. Die Reisehinweise würden laufend überprüft und bei veränderter Lage angepasst.
Derzeit sind laut EDA rund 40 Reisende aus der Schweiz in Israel registriert. Rund 25'000 Schweizer leben zudem in Israel.
Auf Anfrage von Nau.ch stellt die Universität Luzern klar: Die Sprachkurse in Israel seien «lediglich einer von ganz vielen Bestandteilen des Studiengangs».
Hebräisch-Kurse seien zwar ein fixer Bestandteil, fänden aber in erster Linie in Luzern statt. Aufenthalte in Israel seien nur als «Zusatz» gedacht.
«Auch dauern diese in der Regel nur ein paar Wochen», sagt Sprecher Dave Schläpfer. Sprach- und Auslandsaufenthalte seien in vielen Studienrichtungen wichtig und «im Grundsatz nichts Spezielles».
Universität Luzern leistet EDA-Hinweisen Folge
Zu den Sicherheitsbedenken sagt er: «Zum einen ist es so, dass dieser Studiengang ja ohnehin erst in diesem September erstmals startet. Zudem beginnt niemand das erste Semester gleich mit einem solchen Sprachkurs in Israel.»
Und weiter: Sprachkurse vor Ort seien «selbstverständlich nur möglich, wenn die Sicherheit vor Ort komplett gewährleistet ist».
«Diesbezüglich wird den Reisehinweisen des EDA strikt Folge geleistet.»
Das in Israel gesprochene Modernhebräisch sei für das Judentum weltweit wichtig. Es helfe, die Texte zu lesen und am Diskurs teilnehmen zu können.
«Entsprechend bietet sich ein Kurs direkt in Israel an», erklärt Schläpfer. Denn: «Eine Sprache lernt man dort am besten, wo sie auch im Alltag gesprochen wird.»
Eine Vertiefung sei aber auch an anderen Orten weltweit möglich.
Stiftungen beteiligen sich an Kosten
Bleibt die Frage: Wer bezahlt das?
Die Antwort: «Es handelt sich um Gelder von Stiftungen, die Studien und Ausbildungen von jüdischer Kultur, Sprache und Religion weltweit fördern. Werden die Gesuche bewilligt, kann den Studierenden auf diese Weise ein Teil der anfallenden Kosten übernommen werden.»
Im Studiengang «Jüdisch-Christliche Beziehungen» gehe es primär um interreligiöse und interkulturelle Themen. Im Fokus stünde insbesondere die Geschichte des Judentums und des Christentums.
Studium bezieht sich nur teilweise auf Nahostkonflikt
Die Beziehung zwischen den beiden Religionen habe dabei stets einen Bezug zu gesellschaftlichen Entwicklungen. «Manchmal gibt es einen Bezug zur aktuellen politischen Lage im Nahen Osten, manchmal nicht», so Schläpfer.
Und: «Die Meinungen zur aktuellen Situation sind emotional und polarisiert. Doch gerade da kann die Lehre Reflexion und Hintergründe vermitteln.»

Ein vergleichbares Angebot gibt es im deutschsprachigen Raum bislang nicht.
Schläpfer sagt daher: «Der von der Theologischen Fakultät lancierte Studiengang ist also einzigartig, und es handelt sich um ein Alleinstellungsmerkmal.»
Noch sei es aber zu früh für konkrete Anmeldezahlen.
So oder so: Die Universität Luzern meldet «bereits erste Anmeldungen für die Infoanlässe».















