Ungemütliche Lage: St. Galler Steuerhammer schlägt zu

Franz Welte
Franz Welte

Stadt St. Gallen,

Die Stadt St. Gallen befindet sich mit einem Gemeindesteuerfuss von 138 Prozent gesamtkantonal in einer höchst ungemütlichen Lage.

St.Gallen
Die meisten St. Galler Gemeinden konnten den Steuerfuss senken. In der Stadt sieht es anders aus. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der hohe Steuerfuss der Stadt St. Gallen (138 Prozent) gibt regional zu reden.
  • Zum Vergleich: In der Gemeinde Mörschwil liegt dieser bei 67 Prozent.

Pfäfers hatte letztes Jahr auch noch einen höheren Steuerfuss als St. Gallen, liegt jetzt aber mit 136 tiefer. Degersheim lag auch höher als St. Gallen, hat jedoch jetzt den gleichen Steuerfuss.

Regional weiter im Abseits

Auch regional gesehen hat sich St. Gallen weiter ins Abseits bewegt, weil die meisten Gemeinden den Steuerfuss senken konnten. Mörschwil befindet sich mit 67 Prozent kantonal im zweitvordersten Rang.

Der Abstand zu St. Gallen ist nun noch grösser als letztes Jahr geworden. Mörschwil belastet die Steuerpflichtigen neu weniger als die Hälfte von St. Gallen.

St.Gallen
Ein Blick auf die Stadt St. Gallen von oben. - keystone

Die Gemeinde hat schon vor Jahrzehnten für den Zuzug guter Steuerzahler mit ausgedehnten Einfamilienhaus-Zonen gesorgt, wovon sie heute in einem noch immer wachsenden Ausmass profitiert.

Nur Balgach hat mit 61 Prozent kantonal einen tieferen Steuerfuss. Nach wie vor ist auch Tübach eine grosse Konkurrenz für St. Gallen, dessen Steuerfuss bei tiefen 79 Prozent liegt.

Die beiden «Steuerparadiese» Mörschwil und Tübach locken zusätzlich mit einem tiefen Grundsteuersatz, der viermal tiefer liegt als in St. Gallen.

Reduktion in die Ferne gerückt

Eine Steuerfuss-Reduktion, um sich dem Umfeld anzunähern, steht für St. Gallen heute nicht in Griffnähe.

Findest du die Steuern in der Stadt St. Gallen zu hoch?

Dazu erklärte der Stadtrat in seiner neuesten Finanzplanung: «Die Stadt vermag ihre ungedeckten Zentrums- und Zusatzlasten von jährlich 36 Millionen netto trotz im Gemeindevergleich hohem Steuerfuss nicht mehr aus eigener Kraft zu stemmen. Es wird weiterhin nötig sein, die Lasten zu reduzieren und eine bessere Abgeltung der Zentrums- und Zusatzlasten zu erreichen.»

Mit anderen Worten: Das aktuelle Entlastungsprogramm «Alliance» kann nur zusammen mit einem für die Kantonshauptstadt besseren Finanzausgleich zu einer Steuerfussreduktion führen.

Konkurrenzgemeinde Gaiserwald

Die weiteren Regionsgemeinden befinden sich im unteren Mittelfeld der Steuerbelastung im Kanton, sind aber ebenfalls eine Konkurrenz für die Kantonshauptstadt. Besonders Gaiserwald dürfte jetzt in verstärktem Mass gute Steuerzahler anlocken, konnte die Gemeinde doch ihren Steuerfuss von 103 auf 99 Prozent senken. Die Gemeinde verfügt über ein wachsendes Steuersubstrat und traditionell über eine kostengünstige Verwaltung.

Es folgen Goldach mit 99, Andwil mit 113, Muolen und Gossau mit 116, Häggenschwil und Wittenbach mit 119, Eggersriet mit 120, Waldkirch mit 122, Berg mit 123 Prozent.

Steuern
In vielen Gemeinden konnte der Steuerfuss gesenkt werden. (Symbolbild) - keystone

Stark konnten in den letzten Jahren die früher ganz landwirtschaftlich geprägten Gemeinden nördlich von St. Gallen aufholen, indem sie viel Wohneigentum ermöglichten. Doch auch der Abstand von St. Gallen zu Wittenbach vergrösserte sich deutlich.

Der Durchschnitt der Steuerbelastung im Wahlkreis St. Gallen liegt bei 118 Prozent. Gegen den Trend von Steuerfuss-Senkungen war der Steuerfuss in Gossau wegen der eingetretenen Finanzklemme ein grosser politischer Zankapfel und liegt nun drei Prozent höher als im Vorjahr.

Steuerfüsse im Regionalvergleich

Bei einem Vergleich mit den Zentren anderer Regionen, die ebenfalls Zentrumskosten zu stemmen haben, schneidet die Kantonshauptstadt ebenfalls schlecht ab. Rapperswil-Jona konnte den tiefen Steuerfuss von 74 behalten, was namentlich auf die hohe Steuerkraft und die Nähe zu Zürich zurückzuführen ist.

Die umliegenden Gemeinden von Rapperswil-Jona haben wesentlich höhere Steuerfüsse vor allem auch wegen hoher Infrastrukturkosten. Buchs als Zentrum des Werdenberg weist einen Steuerfuss von 118 Prozent aus und wird regional nur von Wartau mit 145 übertroffen, das ein teures Strassennetz zu finanzieren hat.

Rapperswil-Jona
Rapperswil-Jona konnte den tiefen Steuerfuss behalten. - keystone

Wil hat als einzige Gemeinde im Kanton den diesjährigen Steuerfuss noch nicht definitiv festgelegt; er lag letztes Jahr bei 115 Prozent. Es wird sich aber wohl weiterhin ein grossen Abstand zur Nachbargemeinde Zuzwil mit tiefen 77 Prozent ergeben, während der Abstand zu den anderen Regionsgemeinden gering ist.

Wattwil (129) als Zentrum im Toggenburg liegt steuerfussmässig etwa gleich wie im Umfeld mit einem Durchschnitt im Wahlkreis von 126.

Nur in einer ähnlichen Situation wie St. Gallen befindet sich Rorschach mit 129, wobei der Abstand zu den umliegenden Gemeinden mit einem Durchschnitt von 103 Prozent klein ist.

Der durchschnittliche Steuerfuss aller Gemeinden im Kanton liegt bei 111 Prozent. Es zeigt sich eine starke Reduktion in den letzten zwanzig Jahren. Zurückzuführen ist dies auch auf Gemeindefusionen und den optimierten Finanzausgleich.

Hinweis

Dieser Text ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.

Kommentare

User #4006 (nicht angemeldet)

Von Steuersenkungen haben nur Reiche einen Vorteil, sind also zu vermeiden.

User #4368 (nicht angemeldet)

Passt zum Roten Platz.

Weiterlesen

Stadt St. Gallen
10 Interaktionen
Stadt
Wil SG
St. Margrethen
Nachhaltigkeit
2 Interaktionen
Nachhaltigkeit

MEHR AUS ST. GALLEN

St.Gallen
Gossau SG
Stadtpolizei St. Gallen
6 Interaktionen
St. Gallen