Umfahrungsstrasse: Neuer Lösungsansatz eingereicht
Die Grünaustrasse als Verkehrslösung für den Wiler Osten sorgt für Kritik. Felix Aepli präsentiert einen alternativen Vorschlag.

Die Variante Grünaustrasse zur Verkehrsentlastung des Ostens der Stadt Wil stiess jüngst auf viel Kritik – wurde sie vom Wiler Stimmvolk doch bereits vor über 20 Jahren abgelehnt. Der Wiler Felix Aepli stellt eine weitere Lösungsmöglichkeit vor.
Die Stadt Wil und der Kanton St. Gallen haben verschiedene Varianten für eine Netzwerkergänzung Ost analysiert und verglichen. Bei der Gegenüberstellung von Zweck und Kosten hat gemäss den Verantwortlichen nur die Grünaustrasse positiv abgeschnitten.
Diese stand 2003 bereits einmal zur Debatte und wurde vom Wiler Stimmvolk abgelehnt. «Das Projektteam fokussiert aus puren Kostengründen auf eine Wiederbelebung der umstrittenen Grünaustrasse», moniert Felix Aepli.
Ohne, dass Details bekannt seien, gehe der Wiler davon aus, dass diese Variante mehr oder weniger identisch ist mit dem an der Urne bereits versenkten Plan.

«Verschiedene Exponenten bekämpfen diese schon im Ansatz und sehen nur in einer Tunnelvariante die Lösung, wobei eine solche an den Kosten zu scheitern droht. Es besteht damit fürWil Ost die grosse Gefahr eines ewigen Stillstands», befürchtet Aepli.
Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens hat er deshalb beim Departement Bau, Umwelt und Verkehr der Stadt Wil einen neuen Lösungsansatz eingereicht.
Tiefgelegte Grünaustrasse
Die Variante Grünau-Tiefstrasse von Felix Aepli folgt ab dem Gamma-Kreisel zuerst der Grünau-Route. Statt wie von der StadtunddemKanton vorgeschlagen mit Steigung soll die Strasse flach geführt werden. So würde sie spätestens an der Ecke zum Spitalgelände von der Oberfläche verschwinden, erklärt der Wiler.
Ab diesem Punkt soll die Strasse als Tiefstrasse geführt werden, also eine Brückenhöhe unter der Erde. Die Grünfläche darüber könne wiederhergestellt werden, der Fuss- und Veloweg werde über die ganze Strecke separat geführt.
Die Grünau-Tiefstrasse soll unter der Fürstenlandstrasse bis zum «Pfauen» und dann unter der Konstanzerstrasse in Richtung Rossrüti verlaufen. Schliesslich soll sie im Bereich des Kapuzinerklosters, der Einfahrt Ulrich-Rösch-Strasse oder – laut Aepli im Optimal fall – im Bereich der Avia-Tankstelle wieder an die Oberfläche und mit der Konstanzerstrasse zusammengeführt werden.
Grünfläche erhalten
«In der Praxis heisst dies, dass es zwischen dem Gamma-Kreisel und der Schnittstelle an der Konstanzerstrasse keine zusätzlichen Ein- und Ausfahrten gibt und damit das bestehende Strassennetz nicht weiter tangiert wird», erklärt Felix Aepli.
Diese Lösung beruhige unter anderem die Fürstenland- sowie die Tonhallenstrasse massiv und schneide zudem das Neulandenquartier nicht von der Stadt ab. Rossrüti ziehe einen Nutzen von einer direkten Zufahrt zur Autobahn und einer Beruhigung der Konstanzerstrasse zum Stadtkern für den Langsamverkehr.
«Die Grünau-Tiefstrasse vermeidet die allermeisten Nachteile der Grünaustrasse», betont der Wiler. So bleibe die Grünfläche weitgehend erhalten und durch die Möglichkeit zum Tagbau sei die Variante deutlich kostengünstiger als die Tunnelvarianten. Zudem könne die Lösung auch zukünftig noch ausgebaut werden.
Neuer Spitalzugang möglich?
«Wenn man einen Blick in die Ferne wagt, eröffnet sich mit einer Grünau-Tiefstrasse eine weitere Möglichkeit für die Zukunft», betont Aepli. Bei der Ecke des Spitalareals könne eine Einfahrt mitgedacht werden, die in ein potenzielles unterirdisches Parkhaus auf dem Gelände südlich des Personalhauses des Spitals führe.
Mit der Realisierung eines solchen Projekts würden alle Spitalparkplätze an der Fürstenlandstrasse obsolet und ein neuer Hauptzugang zum Spitalgelände könnte sich abzeichnen. Dies habe wiederum eine zusätzliche Beruhigung der Fürstenlandstrasse zur Folge, führt Felix Aepli aus.
«Das ist aber Zukunftsmusik», gibt er zu. «Schlussendlich ist es über kurz oder lang am wichtigsten, dass jetzt endlich etwas passiert.»
Wunsch nach Lösungsorientierung
Der Wiler bezeichnet sich weder als Gegner der Grünaustrasse noch lehnt er eine Tunnelvariante grundsätzlich ab. «Ich habe die Diskussionen satt. Ich würde allem zustimmen, was die momentane Verkehrssituation verbessert», betont er.
«Aber es ist nicht zu viel verlangt, dass auf die Anliegen und Kritik aus der Bevölkerung eingegangen wird.» Seit der Abstimmung vor über 20 Jahren sei nichts passiert. «Die Planer haben ihren Job nicht gemacht. Das ist eine Kapitulationserklärung», ärgert sich Aepli.
Er selbst sei zwar kein Planer, gibt er zu, trotzdem habe er versucht, mit der Grünau-Tiefstrasse eine kreative Lösung mit möglichst wenigen Nachteilen zu finden. Diesen Anspruch stellt er auch an die Stadt und den Kanton:
«Ich möchte anstossen, dass die Projektverantwortlichen lösungsorientiert denken und nicht einfach nur das alte Konzept wieder aus der Schublade nehmen.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.








