Felsegg: Beschwerde blockiert Schutz am Todes-Wasserfall – was nun?

Lui Eigenmann
Lui Eigenmann

Flawil,

Ein gefährlicher Felstrichter forderte am Felsegg-Wasserfall schon mehrere Menschenleben. Im Kampf um Sicherheitsmassnahmen stehen sich aber Behörden im Weg.

Felsegg
Rund um den Wasserfall in der Felsegg machen seit wenigen Tagen neue Tafeln auf die Risiken aufmerksam. Sie sollen die Sicherheit erhöhen. Die Schilder weisen darauf hin, dass der Fluss oberhalb des Wasserfalls nicht überquert werden darf. - Wiler Nachrichten

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Wasserfall Felsegg kamen schon mehrere Menschen ums Leben.
  • Eine Beschwerde blockiert aktuell ein Bauvorhaben für Sicherheitsmassnahmen.
  • Die Gemeinden handeln aus diesem Grund vorerst auf eigene Faust.

Über weite Strecken zieht die Thur ruhig dahin. Ganz anders präsentiert sie sich in der Felsegg. Der Prallhang des Gigerrains und der markante Wasserfall sind in der Region einzigartig.

Warst du schon einmal beim Wasserfall Felsegg?

An kaum einem anderen Ort entlang des Flusslaufs wird die Kraft der Natur so eindrücklich sichtbar. Die Thur offenbart hier eine Naturlandschaft von aussergewöhnlicher Schönheit. Gleichzeitig birgt der Wasserfall erhebliche Gefahren.

Tödliche Unfälle

Beim Wasserfall kam es bereits mehrfach zu tödlichen Unfällen, zuletzt im Jahr 2024.

Daraufhin trafen sich Vertretungen verschiedener kantonaler Departemente, der Gemeinden Uzwil und Oberbüren, der Feuerwehr, der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) sowie der Kantonspolizei vor Ort, um die Risiken bei Rettungseinsätzen und mögliche bauliche Massnahmen zu besprechen.

Feldegg
Am Wasserfall Felsegg verzögert sich die Entschärfung der Risikostelle – nun warnen Tafeln. - Wiler Nachrichten

Eine besondere Gefahr stellt ein natürlicher Felstrichter im Wasserfall dar. Dort stürzt das Wasser von allen Seiten in die Tiefe. Geraten Badende in diesen Trichter, können sie sich aufgrund des enormen Wasserdrucks nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Auch für Rettungskräfte ist die Situation selbst mit Seilsicherungen lebensgefährlich.

Bauliche Massnahmen

Der Kanton hat in Absprache mit den Gemeinden entschieden, bauliche Massnahmen vorzunehmen (WN vom 20. Juni 2025). Damit soll die Trichtersituation punktuell entschärft und die Sicherheit der Rettungskräfte verbessert werden, falls diese künftig erneut im Einsatz stehen.

Das Baugesuch wurde vor einem Jahr öffentlich aufgelegt. Das Verfahren ist derzeit beim Bau- und Umweltdepartement des Kantons St. Gallen hängig, wie die Gemeinde Oberbüren in einer Mitteilung an die Medien schreibt.

Beschwerde des BAFU

Die Gemeinden hatten vorgesehen, zeitgleich mit den baulichen Massnahmen auf die Risiken vor Ort hinzuweisen. Da die baulichen Eingriffe bis heute nicht umgesetzt werden konnten, haben Oberbüren und Uzwil die Signalisationen nun unabhängig davon angebracht.

Für solche Warnhinweise gibt es – anders als im Strassenverkehr – weder Vorgaben noch Normen. Die Tafeln wurden deshalb eigens für die Situation in der Felsegg entwickelt. Gestaltung und Standorte wurden mit der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft abgestimmt.

Alexander Bommeli
Alexander Bommeli, Gemeindepräsident von Oberbüren, meint: «Die Idee war, die Tafeln gleichzeitig zu setzen. Dass sie jetzt stehen, ist einfach dem Umstand geschuldet.» - Wiler Nachrichten

«Nein, wir sind nicht enttäuscht. Uns liegt einfach am Herzen, dass Rettungskräfte bei Einsätzen nicht gefährdet werden. Entsprechend ist es natürlich gut, wenn Massnahmen, die den Rettungskräften dienen, möglichst zügig umgesetzt werden können. Die Idee war, die Tafeln gleichzeitig zu setzen. Dass sie jetzt stehen, ist einfach dem Umstand geschuldet, dass wir damit nicht länger zuwarten wollen», sagen Alexander Bommeli, Gemeindepräsident von Oberbüren, und Lucas Keel, Gemeindepräsident von Uzwil, auf die Frage, ob man vom Kanton enttäuscht sei.

Wie Recherchen dieser Zeitung nun aber zeigen, wurde das Vorhaben auf kantonaler Ebene bereits bewilligt. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat jedoch Beschwerde eingereicht, da der geplante Eingriff ein Auenschutzgebiet von nationaler Bedeutung betrifft.

Laut der Abteilung Wasserbau und Naturgefahren des Kantons St.Gallen laufen derzeit Abklärungen zwischen Kanton und Bund. Der Kanton werde zu gegebener Zeit informieren.

Risiko bleibt hoch

Die neuen Hinweistafeln machen nun darauf aufmerksam, dass der Fluss oberhalb des Wasserfalls nicht überquert werden sollte. Der felsige Untergrund ist rutschig, die Strömung stark.

Das Risiko, in den Wasserfall gerissen zu werden, ist erheblich. Eine Herausforderung bei der Signalisation besteht darin, dass rund um den Wasserfall keine offiziellen Wege zu den Badeplätzen führen und somit auch keine eindeutig definierten Standorte für die Tafeln vorhanden sind.

Die Warnhinweise wurden deshalb beidseits des Wasserfalls bei häufig genutzten Zugängen zu Trampelpfaden sowie an einer oft begangenen Engstelle im Felsbereich angebracht, schreiben die Gemeinden.

Tafeln
Die neuen Tafeln warnen eingehend. - Wiler Nachrichten

Die Standorte wurden demnach so gewählt, dass die Tafeln auch bei Hochwasser nicht mitgerissen werden und von möglichst vielen Personen auf dem Weg zum Gewässer wahrgenommen werden.

Mit Blick auf die bevorstehende Sommersaison bleibt die Ausgangslage in diesem Jahr also unverändert, wie der Kanton festhält: Der Wasserfall Felsegg ist und bleibt ein gefährlicher Ort. Auch nach einem baulichen Eingriff werde die Gefahrensituation weiterhin erheblich sein.

Der Kanton rät deshalb dringend davon ab, sich in diesem Bereich im oder am Gewässer aufzuhalten.

Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.

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