Ukrainerin Diana will in nur 1 Jahr Schweizerdeutsch lernen

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Thun,

Was ihr Schweizerdeutsch-Geheimnis ist. Und mit welchem Gölä-Lied sie unsere Sprache jetzt lernt. Ukrainerin Diana verrät es im Nau.ch-Interview.

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«Ich will die erste Ukrainerin sein, die nach einem Jahr Schweizerdeutsch spricht»: Diana (25) hat Grosses vor. Mit Nau.ch spricht sie über ihre Geheimnisse. - Nau.ch/Riccardo Schmidlin

Das Wichtigste in Kürze

  • Diana Zaverukha (25) landet zufällig in der Schweiz – und bleibt, weil ein «Schutzengel» ihr hilft.
  • Heute lernt die Ukrainerin Schweizerdeutsch mit Göläs Musik, Beizenbesuchen und ihrer Instagram-Community.
  • Ihr Ziel bleibt klar: «Alles ist möglich – auch Schweizerdeutsch.»
  • Nau.ch verrät sie ihre Schweizerdeutsch-Tricks.

Diana Zaverukha bezeichnet sich selbst als halb Slawin, halb «Bünzli». Und sie hat Grosses vor.

«Ich will die erste Ukrainerin sein, die nach einem Jahr Schweizerdeutsch spricht», nimmt sich die 25‑Jährige vor.

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Diana Zaverukha bezeichnet sich selbst als halb Slawin, halb «Bünzli». - instagram/@zajanaaa

Diana stammt aus Peremyschljany, einer Kleinstadt im Oblast Lwiw im Westen der Ukraine.

Seit vier Jahren lebt sie in der Schweiz. Erst im Berner Seeland, heute in Thun. Im Schadaupark am Thunersee trifft Nau.ch sie zum Gespräch.

Ukrainerin landet per Zufall in der Schweiz

Dass Diana heute hier ist, passiert durch Zufall – und einem Moment, der alles verändert.

Im März 2022 – kurz nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs – will sie eigentlich in die Türkei reisen. «Für einen Foto- und Videokurs», erklärt sie.

Peremyschljany
Diana stammt aus Peremyschljany, einer Kleinstadt im Westen der Ukraine. - Screenshot Google Maps

Doch dann dreht das Leben. Auf dem Weg in die Türkei legt sie einen Zwischenstopp in Zürich ein. Aus dem Zwischenstopp wird ein endgültiger Stopp.

Denn: Am Flughafen hilft sie einer Ukrainerin, die weder Deutsch noch Englisch spricht. Dadurch verpasst Diana ihren Weiterflug.

Doch auch der Plan, erneut nach Istanbul zu fliegen, zerschlägt sich. Die Videografin vor Ort – ebenfalls eine Ukrainerin – will die Türkei verlassen.

Schutzengel brachte Diana zu Gastmutter

Und in die Ukraine kann Diana wegen des Krieges nicht zurück. «Ich musste also in der Schweiz bleiben», sagt sie.

«Ich war komplett auf mich alleine gestellt», erinnert sie sich. «Ich kannte niemanden in der Schweiz oder jemand, der jemanden kennen könnte.»

Im Swisscom-Shop kauft sie eine SIM-Karte, um ihre Mutter anzurufen. Ein Mitarbeiter hört das Gespräch und reagiert sofort.

Diana
Diana (25) lebt in Thun BE. Aufgewachsen ist sie im Westen der Ukraine. - Instagram/@zajanaaa

«Er war ein Schutzengel», sagt Diana. «Er sagte mir, dass er jemanden kenne, der Ukrainer aufnehmen möchte.»

Für Diana ist das ein «Zeichen». Sie entscheidet sich, zu bleiben. Zurück in die Ukraine zu gehen, ist wegen des Krieges keine Option.

Vorher hatte sie kaum Berührungspunkte mit der Schweiz. Der Kulturschock ist entsprechend gross. «Besonders erstaunt war ich, wie genau ihr es mit der Abfalltrennung nehmt», sagt sie.

In der Ukraine hat sie Fremdsprachen und Lehramt studiert. Deutsch gehöre allerdings nicht zu ihren Sprachen.

«Mag Hochdeutsch nicht wirklich»

Hochdeutsch lernt sie erst in der Schweiz, als sie an einer Schule als Tagesschulbetreuerin und Lehrerin arbeitet. Dort hat sie Glück: «In der Schule wurde Hochdeutsch gesprochen.»

Für sie ein entscheidender Vorteil. Viele lernen Hochdeutsch im Kurs – und hören draussen nur Schweizerdeutsch. Bei Diana passt beides zusammen.

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Diana Zaverukha spricht über den Moment, als sie plötzlich eine ganze Konversation auf Schweizerdeutsch verstand. - Nau.ch/Riccardo Schmidlin

Zusätzlich paukt sie Grammatik und Vokabular im Onlinekurs und nimmt Nachhilfe.

Dann lernt sie einen Partner kennen, mit dem sie täglich Deutsch spricht. «Das hat mir sehr geholfen», erzählt sie. Inzwischen sind die beiden aber nicht mehr zusammen.

Hast du lieber Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch?

Doch ihr eigentliches Ziel bleibt klar: Schweizerdeutsch. «Auch weil ich Hochdeutsch nicht wirklich mag.»

Sie beginnt mit Alltagswörtern wie «Grüessech», «merci vielmals» oder «Tschüss». Danach heisst es rausgehen und reden.

Diana verrät Feierabend-Trick

Ihr Geheimnis: «Nach dem Feierabend in die Beiz gehen – dort lernst du die Basis», sagt sie.

Ein Rivella oder ein Bier reichen oft schon. Dann entstehen Gespräche. Genau dort, sagt sie, entstehe Sprache wirklich – nicht im Lehrbuch.

Am liebsten lernt sie mit Musik. Sie hört Schweizer Mundart-Lieder und singt mit. Besonders bei «Schwan» von Gölä bleibt sie hängen.

Gölä
Von ihm ist Diana ein grosser Fan: Mundart-Rocker Gölä. - Getty Images

Mit der Zeit merkt sie, wie sich etwas verändert. «Ich habe angefangen, die Lyrics zu verstehen.»

Ein Moment bleibt ihr besonders: Ein Kollege spricht mit ihr – und plötzlich realisiert sie, dass er Schweizerdeutsch redet. «Ich habe alles verstanden.»

«Will mit Gölä singen!»

Für Diana ein Wendepunkt. «Ab heute sprechen mit mir alle nur Schweizerdeutsch!»

Dianas Traum: «Ich möchte einmal mit Gölä das Lied zusammen singen!»

An einem Fest erlebt sie zum ersten Mal, wie sich Schweizerdeutsch wirklich anfühlt. Sie singt mit – Wort für Wort. «Du fühlst dich wie ein Teil von diesen Menschen. Ein Teil des Ganzen.»

Dieses Gemeinschaftsgefühl trägt sie bis heute.

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Diana Zaverukha möchte die Leute inspirieren. Ihr Instagram-Channel wird damit nicht nur zur Lernhilfe für sie selbst. - Nau.ch/Riccardo Schmidlin

Mit der Zeit verändert sich nicht nur ihre Sprache, sondern auch ihr Gefühl für die Schweiz. «Wenn du Schweizerdeutsch redest, werden die Menschen sofort offen», sagt sie.

Inzwischen lässt sich ihr Fortschritt täglich verfolgen. Diana hat seit Kurzem einen Instagram-Account und bittet ihre Community um Hilfe.

Und das kommt an. «Ich habe so viele nette Nachrichten bekommen», erzählt sie.

Diana will ihre Community inspirieren

Aus den Kommentaren und Direktnachrichten entsteht quasi ein täglicher Sprachkurs aus der Community.

Ihr Wunsch ist klar: «Bitte korrigiert mich – nur so kann ich lernen.»

Lernst du gerne neue Sprachen?

Ihr Kanal soll aber nicht nur ihr helfen. Er soll auch andere inspirieren.

Für Diana ist die Botschaft eindeutig: «Alles ist möglich – auch Schweizerdeutsch.»

Und: «Hab den Mut zur Selbstverwirklichung. Entdecke dein einzigartiges Potenzial und geh deinen eigenen Weg – einen Weg, der dich erfüllt und glücklich macht»

Kommentare

Luxy-1

Schön wenn sie die Sprache lernt, dann findet sie bestimmt auch leicht Arbeit

User #9666 (nicht angemeldet)

Was bringt ihr das? Muss sie nicht wieder zurück? Ukrainerinnen und Ukrainer wurden uns als vorübergehend Schutzsuchende angekündigt. Deshalb sollte der Fokus darauf liegen, dass sie ihre Heimat so bald wie möglich wieder aufbauen und zurückkehren können. Man sollte keine Kriege mehr fördern. Auf der Welt hat es genug Platz. Nicht böse gemeint, aber es können nicht alle in die kleine Schweiz leben. Die Schweiz ist ein kleines Land mit begrenzten Ressourcen und einer bereits sehr hohen Bevölkerungsdichte. Viele Menschen spüren die Folgen im Alltag: Die Wohnungssuche wird schwieriger, Stellen sind stark umkämpft, man findet keinen anständigen Partner auch da grosse Konkurrenz, der öffentliche Verkehr ist häufig überlastet, und sowohl Mieten als auch Krankenkassenprämien steigen stetig weiter. Es wird jedes Jahr schlimmer. Sogar Kosten für Lebensmittel steigen weiter. Überall herrscht Knappheit. Deshalb sollten wir in erster Linie dafür sorgen, dass die Menschen, die bereits hier leben, Schweizerinnen und Schweizer sowie eingebürgerte Personen, weiterhin gute Lebensbedingungen vorfinden. Unsere Kapazitäten sind nicht unbegrenzt, und die bestehenden Herausforderungen sollten zuerst gelöst werden, bevor zusätzliche Zuwanderung gefördert wird.

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