Todestag von Regisseur Daniel Schmid jährt sich zum zwanzigsten Mal
Der Regisseur Daniel Schmid hat das Schweizer Filmschaffen nachhaltig geprägt. Das Locarno Film Festival ehrte ihn 1999 für sein Lebenswerk. Vor zwanzig Jahren ist er gestorben. Sein Todestag fällt dieses Jahr mit der Eröffnung des Filmfestivals zusammen.

Daniel Schmid (1941-2006) ist neben Regisseuren wie Alain Tanner und Claude Goretta eine Schlüsselfigur des neuen Schweizer Films. «Mit seinem äusserst originellen Werk war er der kosmopolitischste und einer der bedeutendsten Filmemacher der Schweizer Szene», heisst es im Historischen Lexikon der Schweiz.
Seine Filmkarriere begann Schmid 1966, als er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin aufgenommen wurde und dann zwei Jahre lang besuchte. Zusammen mit den deutschen Regisseuren Rainer Werner Fassbinder und Werner Schroeter beteiligte er sich an den Studentenprotesten in München und Berlin.
Spiel mit den Formen
Seine politische Haltung zeigt sich bereits in seinem ersten Film «Heute Nacht oder nie» (1972). «Was mir schon immer gefallen hat, ist das Spiel mit den Formen, das Verwirren», sagte Schmid dazu. «Meine Arbeit gleicht der Reise eines Schmugglers zwischen Nord und Süd, zwischen Lyrik und Kino, zwischen Dokumentarfilm und Fiktion.»
«La Paloma» (1974), von der Kritik als sein Meisterwerk gefeiert, vereint all diese Aspekte in sich. Bekannt machte ihn dann «Schatten der Engel» (1976), die Verfilmung von Fassbinders Bühnenstück «Die Stadt, der Müll und der Tod». Im Jahr darauf kehrte Schmid in die Schweiz zurück.
Es folgten Werke wie «Violanta» (1977), «Worten kommen meist zu spät» (1982), «Der Kuss der Tosca» (1984), «Jenatsch» (1987), «Zwischensaison» (1992) und die Filmsatire «Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz» (1999).
Film und Oper
Darüber hinaus inszenierte Schmid zwischen 1984 und 2001 Opern, beispielsweise 1995 in Genf Vincenzo Bellinis «I puritani» oder 1996 in Zürich Guiseppe Verdis «Il trovatore». Am Opernhaus in Zürich inszeniere er vier, am Grand Théâtre in Genf drei Opern des italienischen Belcanto – eine Vorliebe die sich auch in seinem Film «Der Kuss der Tosca» zeigte. Swiss Films schreibt dazu: «Die Kunst der Inszenierung, die 'Mise en scène', ist eine der grossen Leidenschaften von Schmid. Nichts wird dem Zufall überlassen; Schmid hat bei der Gestaltung der Räume, der Beleuchtung, der Einrichtung und den Farben bis ins kleinste Detail das Sagen.»
Schmid wurde am 26. Dezember 1941 im bündnerischen Flims geboren und starb auch dort, in der Nacht vom 5. auf den 6. August 2006 an Krebs. Ab 1962 hatte er Geschichte, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft in Berlin studiert und parallel dazu als Dolmetscher, Journalist und Übersetzer gearbeitet, bevor er zum Film wechselte. Im Melderegister stand er ursprünglich als Daniel Schmidt. Seine Werke signierte er jedoch als Daniel Schmid.
Während seiner Zeit in Berlin hat Schmid seine Homosexualität frei gelebt. In seinen Filmen schlug sich das nicht nieder, doch 1969 trat er etwa in Rosa von Praunheims frühem queeren Film «Schwestern der Revolution» als Sprecher auf. Laut Schmids Kameramann und Freund Renato Berta seien die Widerstände, denen Schmid begegnete, nicht nur auf den innovativen Charakter seines Filmschaffens zurückzuführen. In seiner Autobiografie «Photogrammes» schrieb Berta, er könne sich des Gedankens nicht erwehren, «dass hinter der Feindseligkeit gegenüber Daniel vor allem viel Homophobie steckte».
Hotel als Bühne
Nun, zwanzig Jahre nach Schmids Tod, zeigt das Hotel Schweizerhof in in seinem Geburts- und Sterbeort Flims Filme des Bündners in seinen historischen Sälen sowie auf der Dachterrasse. Viele der Filme hat Schmid tatsächlich in dem Hotel gedreht. «Ich bin in der Lobby eines Hotels aufgewachsen, umgeben von all seinen Stimmungen. Ein Ort, an dem Schein und Sein ständig miteinander verflochten sind. Diese Bühne mit ihrem Geflecht aus Illusion und Realität hat mich schon immer inspiriert und fasziniert mich nach wie vor», sagte der Regisseur einmal.






