Sting, Kravitz & Co.: Schaffhausen wird zur Festival-Hauptstadt
«Stars in Town» lockt mit Sting, Lenny Kravitz und weiteren Topstars nach Schaffhausen. Gleichzeitig kämpft die Festivalbranche mit grossen Herausforderungen.

Wenn am 29. Juli Weltstar Sting die Jubiläumsausgabe von «Stars in Town» eröffnet, dürfte es auf dem Schaffhauser Herrenacker kein Halten mehr geben. Es folgen Rock-Ikone Lenny Kravitz, Chartstürmer Lewis Capaldi, US-Rapper Macklemore sowie Schweizer Publikumslieblinge wie Baschi, Lo & Leduc und Gölä.
Und während das Zürich Openair 2026 pausiert, zieht es die Openairfans an den Rhein. Doch hinter den grossen Namen steckt weit mehr als Glamour: Die Festivalbranche steht unter Druck – und «Stars in Town» kämpft an vorderster Front um die Zukunft des Live-Erlebnisses.
Seit 15 Jahren verwandelt «Stars in Town» die Schaffhauser Altstadt in eine der schönsten Konzertkulissen des Landes. Was einst als regionales Festival begann, hat sich längst zu einem Publikumsmagneten mit nationaler Ausstrahlung entwickelt.

«Festivalbranche im Wandel»
Gerade in Zürich ist das Interesse in diesem Jahr besonders gross. Kein Wunder: Während das Zürich Openair eine kreative Pause einlegt, lockt Schaffhausen mit einem Line-up, das kaum zu toppen ist.
Doch der Glanz der Headliner erzählt nur die halbe Geschichte. Hinter den Kulissen wird der Konkurrenzkampf härter: Internationale Künstler verlangen Rekordgagen, Produktionskosten steigen stetig, und Festivals müssen heute mehr denn je den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Erlebnis schaffen.
«Die Festivalbranche ist definitiv im Wandel», sagt das Team des Veranstalters Gadget im Gespräch. «Die Kosten sind in vielen Bereichen gestiegen, gleichzeitig haben sich auch die Erwartungen des Publikums verändert.»
Festivals müssten heute sorgfältiger planen und sich gleichzeitig laufend weiterentwickeln. Gerade beim Booking habe sich in den letzten Jahren vieles verändert. Internationale Tourneen würden langfristiger geplant, die Konkurrenz um grosse Namen sei enorm.
«Headliner spielen vermehrt eigene Tourneen und nicht mehr zwingend Festivals. Dazu haben sich die Gagen teilweise massiv erhöht», erklärt Veranstalter Gadget. Umso wichtiger seien Erfahrung, ein gutes Netzwerk und eine realistische Planung.
Grosse Namen in Schaffhausen
Dass «Stars in Town» dennoch Jahr für Jahr grosse Namen nach Schaffhausen holt, ist kein Zufall, denn Gadget hat auch bei zahlreichen anderen Grossanlässen seine Finger im Spiel. Trotzdem betonen die Verantwortlichen: «Die Identität des Festivals entsteht in Schaffhausen – und genau so soll es auch bleiben.»
Tatsächlich ist es genau diese Mischung, die den Charme ausmacht: die historische Altstadt, die kurzen Wege und die Nähe zwischen Publikum und Künstlern. Dazu kommt eine zweite Bühne, die sogenannte Talentstage, auf welcher Schweizer Nachwuchstalente ins Rampenlicht treten.
Ein Gesamtkonzept, das insbesondere bei Gästen aus der Grossregion Zürich gut ankommt. Denn viele verbinden den Konzertabend gleich mit einem Ausflug oder einer Übernachtung in der Region.

Steigender Ticketpreise
Trotz steigender Ticketpreise sieht man bei Gadget derzeit keinen Grund zur Panik. «Ein Ticket muss nachvollziehbar und fair sein», heisst es. Gleichzeitig müssten Festivals kostendeckend arbeiten können.
Entscheidend sei, dass die Besucher am Ende das Gefühl hätten, ein hochwertiges Gesamterlebnis erhalten zu haben. Und wie steht es um die Zukunft? Droht kleineren Festivals angesichts der Marktmacht grosser Veranstalter das Aus?
Info
«Stars in Town» findet vom 29. Juli bis 8. August 2026 auf dem Herrenacker in Schaffhausen statt. Tickets und Informationen unter starsintown.ch.
Die Antwort fällt überraschend optimistisch aus. Gerade die Vielfalt sei eine Stärke der Schweizer Festivallandschaft. Regional verankerte Veranstaltungen mit treuem Publikum hätten auch künftig gute Chancen.
Hohe Künstlergagen
Fest steht jedenfalls: Die kommenden Jahre werden herausfordernd. Hohe Künstlergagen, steigende Sicherheitsanforderungen, Nachhaltigkeit und ein Publikum, das immer kurzfristiger entscheidet – all das wird die Branche beschäftigen.
Eines aber bleibt bei «Stars in Town» unverändert: die Menschen hinter dem Festival. Gründer Adrian Brugger steht auch nach 15 Jahren noch als Festivaldirektor an der Spitze.
Unterstützt wird er von einem tief in Schaffhausen verwurzelten Team und Hunderten freiwilligen Helferinnen und Helfern. Oder, wie es die Verantwortlichen formulieren: «Die wahre Festivalfamilie ist seit vielen Jahren dieselbe geblieben.»
Und so dürfte Ende Juli nicht nur Sting «Fields of Gold» anstimmen, sondern auch die angereisten Fans feststellen: Manchmal liegt das grösste Festivalglück eben nur 40 Zugminuten von Zürich entfernt.








