Flüchtlinge müssen aktuell stundenlang vor Bundesasylzentren warten. Nun verspricht das SEM eine Verbesserung.
Ukrainische Flüchtlinge standen am Wochenenden in der Warteschlange beim Bundesasylzentrum Zürich.
Ukrainische Flüchtlinge standen am Wochenenden in der Warteschlange beim Bundesasylzentrum Zürich. - sda - KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER

Das Wichtigste in Kürze

  • Bislang wurden hierzulande 3126 Ukrainerinnen und Ukrainer registriert.
  • Das SEM plant nun eine Online-Anmeldung für weitere Flüchtlinge.

Die ukrainischen Flüchtlinge müssen teilweise stundenlang vor den Bundesasylzentren warten. Damit die Registrierung schneller geht, will das Staatssekretariat für Migration (SEM) nun auch auf Digitalisierung setzen. Eine Online-Anmeldung soll eingerichtet werden.

«Es tut uns leid, wenn Geflüchtete draussen stundenlang warten müssen», sagte Staatssekretärin Christine Schraner Burgener heute Sonntag vor den Medien im Bundesasylzentrum Zürich.

Draussen vor dem Eingang hatte sich eine lange Schlange gebildet. Angestellte des Zentrums verteilten Wasserflaschen und Babynahrung. In einem Festzelt füllten die Geflüchteten die ersten Formulare aus.

Registrierung nicht umgehend notwendig

Damit die Schlangen aktuell nicht immer länger werden, teilte das SEM auf Social Media mit, dass sich Geflüchtete, die bereits eine Bleibe bei Freunden oder Verwandten haben, nicht sofort registrieren müssten. Das gehe auch noch zu einem späteren Zeitpunkt.

Auf den Webseiten der Bundesasylzentren sehen die Ukrainerinnen und Ukrainer zudem, welche Zentren gerade Rot, also überlastet sind, und wo sich die Schlange in Grenzen hält.

Nun will das SEM zusätzlich dazu eine Online-Terminvereinbarung für die Registrierung einführen, dies vor allem für jene, die schon irgendwo Obdach gefunden haben. «Wir wollen das System besser digitalisieren», sagte Schraner Burgener. Dabei räumte sie ein, von der Lage überrascht worden zu sein. Der Schutzstatus S sei auch für das SEM völlig neu.

Im oberen Stockwerk des Bundesasylzentrums herrschte am Sonntag ein Gedränge. Das Abgeben der Fingerabdrücke sorgte für Stau. Hier versuche das SEM, «im Eiltempo mehr Fingerabdruck-Geräte zu erhalten», so Schraner Burgener weiter. «Es wird weiterhin Wartezeiten geben, aber wir versuchen, den Prozess wo immer möglich zu verbessern.» Priorität sei, dass alle ein Dach über dem Kopf hätten.

3126 Ukrainerinnen und Ukrainer registriert

Bis am Sonntagnachmittag wurden 3126 Ukrainerinnen und Ukrainer, mehrheitlich waren es Frauen mit Kindern, registriert. Alleine am Samstag waren es 650. Die ursprüngliche, vorsichtige Schätzung des Bundes, dass pro Woche etwa 1000 Ukrainerinnen und Ukrainer in die Schweiz kommen würden, dürfte mittlerweile also schon überschritten sein.

Bisher wurden rund 175 Ukrainerinnen und Ukrainer an private Unterkünfte vermittelt, davon 75 in der Region Zürich. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) stellt sicher, dass die Unterkünfte zu den Geflüchteten passen - und sicher sind.

Die Gefahr, dass Ukrainerinnen in zweifelhaften Unterkünften ausgebeutet werden, ist nicht zu unterschätzen. In Deutschland warnte die Polizei die Frauen bereits vor dubiosen Angeboten.

In der Schweiz passiere die Vermittlung von privaten Unterkünften ausschliesslich in den Bundesasylzentren, nicht irgendwo auf der Strasse, stellte SFH-Direktorin Miriam Behrens klar. «Wir wissen wo die Leute landen.» Mittlerweile stehen 45'000 Betten in Privatunterkünften bereit, dazu 5000 Betten in Hotels, Pfadiheimen und anderen ungenutzten Gebäuden.

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