Schwere Hirnverletzungen nehmen trotz Skihelmen zu
Die meisten Skifahrerinnen und -fahrer tragen mittlerweile einen Helm. Dennoch kommt es vermehrt zu schweren Hirnschädigungen.

Das Wichtigste in Kürze
- Pro Ski-Saison gibt es so viele schwere Hirnverletzungen wie früher in zehn Jahren.
- «Der Helm bietet keinen absoluten Schutz», warnt ein Neurochirurg.
- Bei den Verletzungen spielen die heutigen Skimodelle laut dem Chirurgen eine Rolle.
Helm auf und ab auf die Piste, heisst es für Wintersportlerinnen und -sportler, wenn es das Wetter zulässt. Doch trotz des Schutzes kommen nicht alle von ihnen unversehrt zurück.
Vor allem die Zahl der schweren und irreversiblen, also unheilbaren Hirnschädigungen nimmt zu, wie RTS berichtet.
Zur Veranschaulichung: In der Saison 2018 stellte Jean-Yves Fournier, Neurochirurgie-Chefarzt am Kantonsspital Wallis, sieben Fälle von sogenannten «diffusen axonalen Läsionen» fest. Das sind schwere, irreversible Hirnschädigungen – Verletzungen der Nervenfasern im Gehirn, die verstreut auftreten.
In den 1980er Jahren war Fournier an einer Studie über Schädel-Hirn-Traumata nach Skiunfällen beteiligt. Damals trugen bekanntlich noch weniger Wintersportler einen Helm.
Und trotzdem brauchte es elf Jahre, bis es im Wallis zu sieben solchen Fällen kam, wie die Studie zeigte. Also die gleiche Anzahl, die Fournier 2018 in nur einer Saison zählte.
Vor allem Schädelfrakturen oder Hämatome hätten sie damals operieren müssen, sagt der Neurochirurg. Nach einer Woche oder zehn Tagen seien die Patientinnen und Patienten entlassen worden.
Künstlich beschneite Pisten ermöglichen höheres Tempo
Diffuse axonale Läsionen gab es laut Fournier damals nur wenige. Und: Betroffen waren Skifahrer, die keinen Helm trugen.
Bei derart schweren Verletzungen ist Operieren laut Jean-Yves Fournier nicht möglich. «Man kann nur den Schaden feststellen.» Die Patientinnen und Patienten, die überlebten, schickt man in die Neurologische Rehabilitation des Versicherers Suva.
Fast 40 Jahre später gehört der Helm für die meisten Wintersportler zur Ausrüstung. Warum werden sie trotzdem so schwer verletzt?
Jean-Yves Fournier sieht einen Grund in den Skimodellen wie Carvingskis.
Anfänger könnten damit nach nur wenigen Tagen anspruchsvolle Pisten bei sehr hoher Geschwindigkeit fahren, sagt Er.
Auch spielt die Piste eine Rolle. Sie sind oft künstlich beschneit und damit härter. Das ermöglicht ein höheres Tempo auf den Pisten.
Helm schützt Gehirn nur begrenzt
«Der Helm bietet keinen absoluten Schutz», warnt Jean-Yves Fournier.
Den Menschen müsse bewusst sein, dass die Helme den Schädel und die Kopfhaut schützten. «Aber sie schützen das Gehirn nicht über bestimmte Geschwindigkeiten hinaus.»
Nur völlig neue Schutzsysteme könnten laut Fournier solche Schädel-Hirn-Traumata verhindern. Sie funktionieren wie Airbags, umhüllen Kopf, Nacken und Rumpf.













