Afrobeats & Co. sollen jetzt Schwarze auf Skipiste locken

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Surselva,

Afrobeats statt Après-Ski: Schwarze Communities wollen die Skipiste erobern. Doch es ist nicht zwingend die Hautfarbe, die entscheidend ist.

00:00 / 00:00

So macht das «Soft Life Ski» Werbung für die diesjährige Ausgabe. - tiktok/@softlifeski

Das Wichtigste in Kürze

  • Schwarze Menschen organisieren Gruppen-Skireisen mit Afrobeats.
  • Das Festival «Soft Life Ski» in Laax GR will kulturelle Vielfalt auf Skipisten bringen.
  • Schweizer Skischulen betonen die Offenheit für alle, unabhängig von der Herkunft.

Schneesport ist weiss dominiert – auf den Skipisten sieht man nur selten schwarze Menschen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Skifahren gilt als sehr teuer und viele verbinden den Sport mit bestimmten gesellschaftlichen Vorstellungen darüber, wer «dazu gehört». Zudem fehlen Vorbilder, die zeigen, dass Wintersport für alle offen ist.

Dieses Ungleichgewicht beschreibt der sogenannte «Adventure Gap», ein Begriff des US-Amerikaners James Edward Mill.

Das Thema gewinnt zunehmend Aufmerksamkeit: Der deutsche Radiosender «Cosmo» berichtete kürzlich darüber und ging mit einem Beitrag auf Instagram viral.

Dabei stellte es auch Initiativen wie «Black People Skiing» vor, die genau diesem Ungleichgewicht entgegenwirken wollen. Schwarze Menschen organisieren dabei Gruppen-Skireisen. Statt Après-Ski-Musik werden Afrobeats und Ampiano in der Skibeiz gespielt.

«Kulturelle Eroberung der Alpen»

Solche Events gibt es auch in der Schweiz.

Vom 12. bis zum 17. April findet im bündnerischen Laax das Festival «Soft Life Ski» statt – zum zweiten Mal. Die Werbetrommel auf Social Media läuft bereits auf Hochtouren.

Die Veranstaltenden versprechen eine «kulturelle Eroberung der Alpen» mit jeder Menge Afro-karibischer Musik.

International geht es auch bei den Gästen zu und her. Das Event wird von einem Engländer organisiert.

Laax
Während vier Tagen verwandelt sich Laax zum Mekka aus aller Welt. - Screenshot Instagram

Die Veranstalter versprechen: «Dieses Jahr drehen wir richtig auf.» Inklusive jeder Menge Après-Ski-Partys, die man nicht verpassen könne.

In einer Ankündigung heisst es: «Was als kulturelle Übernahme auf den Pisten begann, hat sich zu einer Community entwickelt. Diese verbindet Musik, Mode, Reisen und Schneesport auf eine Weise, wie es die Welt noch nie gesehen hat.»

Dieses Jahr lege die Messlatte noch höher: «Eine grössere Produktion, neue Veranstaltungsorte, neue Erlebnisse und spannende Partnerschaften sorgen für ein unvergessliches Erlebnis.»

Wie sieht die Situation generell auf den Schweizer Skipisten aus?

Mathias Imoberdorf von Swiss Snowsports sagt zu Nau.ch: «Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass die Hautfarbe beim Schneesport überhaupt keine Rolle spielt.» Swiss Snowsports ist der Dachverband der Schweizer Skischulen und der Ausbildungsverband für Schneesportlehrpersonen.

«Das Ziel der Schweizer Skischulen ist es, so vielen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wie möglich den Schneesport näherzubringen. Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder gar körperliche oder geistige Beeinträchtigungen spielen dabei überhaupt keine Rolle», sagt er.

Fährst du gerne Ski?

Zugleich bestätigt Imoberdorf aber: «Bestimmt sind schwarze Menschen auf den Schweizer Pisten unterrepräsentiert, wenn man den Querschnitt der Bevölkerung auf den Skipisten abzubilden wagt. Aber genau so sind es Menschen mit südeuropäischer, arabischer oder asiatischer Herkunft.»

«Wenn Eltern nicht Schneesport betreiben, fehlt Kindern Zugang»

Ob jemand Schneesport betreibt, sei davon abhängig, wie jemand aufgewachsen ist. Wer in Skigebieten aufwächst und früh Schneesport lernt, bleibe diesem meist auch als Erwachsene treu.

«Wenn die Eltern keinen Schneesport betreiben, fehlt den Kindern der Zugang dazu. Schneesport ist nicht wie Fussball, den man mit kleinem Aufwand und einem Ball überall spielen kann», sagt er.

Als Dachverband bemühe man sich darum, möglichst viele Kinder auf die Piste zu bringen. Allerdings vollkommen unabhängig von der Herkunft oder der Hautfarbe der Kinder.

«Die Idee von Black-People-Skiing-Events ist auf jeden Fall interessant, um den Schneesport bei schwarzen Menschen zu promoten», sagt Imoberdorf. Allerdings sei man nicht in der Position, deren Nutzen zu beurteilen.

Skigebiete sponsern Kindern das Billett

Die von Nau.ch angefragten Skigebiete Adelboden-Lenk, Arosa-Lenzerheide und die Jungfrau Ski Region führen keine Statistiken zu Herkunft oder Hautfarbe. Unisono betonen sie: Alle ihre Gäste seien willkommen, und alle sollen sich willkommen fühlen.

Rabatte für Kinder sind unabhängig von der Herkunft ein fester Bestandteil der Nachwuchsförderung.

Annette Fuhrer von der Jungfrau Ski Region erklärt, dass das breite Angebot den Zugang erleichtere. Neben Skifahren und Snowboarden kann man im Gebiet auch Schlitteln und Winterwandern.

Findest du die Skipreise in der Schweiz zu teuer?

Dazu komme: «Seit über 20 Jahren erhalten bis zu drei Kinder (sechs bis 15 Jahre) am Samstag eine Gratis-Tageskarte.» Voraussetzung ist, dass eine erwachsene Person für sich eine Tages- oder Nachmittagskarte zum Listenpreis kauft.

Auch Stefanie Inniger von den Bergbahnen Adelboden-Lenk verweist auf das Angebot von Gratis-Skikarten für Kinder an Samstagen. Zudem setze Adelboden-Lenk auf ein dynamisches Preismodell: «Wer früh bucht oder flexible Besuchszeiten hat, kann deutlich günstiger Ski fahren.»

Afrikaner werden «eher Sprinter»

Reto Wyss von Arosa-Lenzerheide hebt zudem hervor, dass Wintersport eher von der geografischen Herkunft abhänge als von der Hautfarbe.

«In den Karibikstaaten oder afrikanischen Ländern wird man eher Sprinter oder Langstreckenläufer, nicht Skifahrer», sagt er. Das zeige sich auch im Profisport, der den Massensport prägt.

Der Profiverband Swiss-Ski sagt, dass er «sehr grosse Anstrengungen» unternehme, damit möglichst viele für den Schneesport begeistert werden. «Dies geschieht völlig unabhängig von Aspekten wie Hautfarbe oder Herkunft. Schneesport soll und will für alle da sein.»

Giada d'Antonio
Die italienische Skifahrerin Giada d'Antonio begeistert. - keystone

Während hierzulande kein Profi-Schneesportler mit dunkler Hautfarbe bekannt ist, ist das in unserem Nachbarland Italien anders. In dieser Saison fuhr die 16-jährige Giada d'Antonio mit südamerikanischen Wurzeln FIS-Rennen und feierte ihr Weltcup-Debüt.

Mehr zum Thema:

Weiterlesen

Teaser
208 Interaktionen
Arosa GR
Ski
141 Interaktionen
Ski-Abos teurer
Marco Odermatt
310 Interaktionen
Ruhm und Rummel

MEHR AUS GRAUBüNDEN

sdf
342 Interaktionen
Am Montag gehts los
WEF
87 Interaktionen
Wegen WEF
Vals GR
4 Interaktionen
Vals GR
Bivio GR
7 Interaktionen
Bivio GR