Aus hygienischen Gründen hat sich Niederlande dazu entschieden, die «Einkaufswägeli» nicht mehr abzuschliessen. In der Schweiz werden sie weiterhin geschlossen.
Einkaufswägeli
Mehrere Einkaufswagen sind in einer Reihe platziert. (Symbolbild) - Pixabay
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Das Wichtigste in Kürze

  • In der Niederlande müssen die Kunden kein Münz mehr für das «Einkaugswägeli» benutzen.
  • Die Schweizer Detailhändler wollen aber auch weiterhin die «Wägeli» abschliessen.

Die Suche nach einer Münze für den Einkaufswagen ist für die Kunden einer niederländischen Ladenkette passé: Sie lässt die Wagen künftig von der Kette. Hört man sich bei hiesigen Detailhändlern um, ist das in der Schweiz nicht denkbar. Sie sind besorgt um die Poschtiwägeli und befürchten ein Chaos auf den Parkplätzen.

Der Auslöser war Corona: Während der Pandemie schloss der niederländische Detailhandelskonzern Albert Heijn die Einkaufswagen in seinen Geschäften aus hygienischen Gründen nicht mehr ab. Und die Verantwortlichen stellten fest, dass trotzdem nicht mehr Einkaufswagen abhandenkamen als zuvor.

«Glücklicherweise sind die Kunden nett genug, die Wagen auch so zurückzubringen». Dies sagte eine Sprecherin des Handelsunternehmens Anfang Woche gegenüber einem dort ansässigen Radiosender. Darum habe man sich entschieden, die Schlösser auch künftig offenzulassen.

Haben Sie schon mal einen Einkaufswagen gestohlen?

Auch die Schweiz gilt gemeinhin als Land, in dem man sich um Diebstähle nicht gross Sorgen machen muss. Das gilt auch für die Einkaufswagen. «Den Diebstahl von Einkaufswägeli beobachten wir recht selten», sagt Aldi-Suisse-Sprecher Kevin Keller gegenüber AWP.

«Einkaufswägeli» werden selten gestohlen

Bei Lidl Schweiz heisst es sogar, man nehme «grundsätzlich keine Diebstähle von Einkaufswagen wahr». Dass es einzelne Fälle gebe, schliesst Unternehmenssprecher Mathias Kaufmann zwar nicht aus, diese seien allerdings nicht nachweisbar. Auch Denner führt zu abhandengekommenen Wagen keine Statistik, wie Sprecher Thomas Kaderli sagt. Wenn diese aber gestohlen würden, dann vorwiegend in urbanen Gegenden, gibt er an.

Obwohl hierzulande kaum Einkaufswagen-Diebe ihr Unwesen treiben, denken die Detailhändler nicht über das «niederländische Modell» nach. «Es besteht derzeit kein Anlass, in diesem Bereich etwas zu ändern», so Coop-Sprecher Caspar Frey. Und auch alle seine angefragten Kollegen geben an, bei ihnen blieben die Pfandmechanismen in Betrieb. «Es würden mutmasslich wesentlich mehr Einkaufswagen nicht zurückgebracht werden», wenn diese abgeschafft würden, so Migros-Sprecher Marcel Schlatter.

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Die «Wägeli» werden an den richtigen Ort gestellt und es gibt eine bessere Ordnung, um so das Münz zurückzuerhalten. (Symbolbild) - AFP/Archiv

Doch dass ein Ein- oder Zweifränkler Diebe wirklich davon abhalten dürfte, einen Wagen mitzunehmen, ist wohl wenig plausibel. Doch die Sprecher argumentieren noch mit einem zweiten Grund: «Damit stellen wir eine bessere Ordnung sicher, da die Wägeli wieder an den richtigen Ort zurückgebracht werden müssen». So der Aldi-Sprecher Keller. Das Pfand dient also auch dazu, ein Chaos auf dem Parkplatz vor dem Laden zu verhindern.

Bei Aldi, Lidl, Denner und Coop müssen die Kunden also weiterhin eine Münze benutzen, um sich einen Einkaufswagen zu holen. In Stein gemeisselt ist das Ganze allerdings nicht, zumindest bei den deutschen Ladenketten: Man beobachte neue Entwicklungen mit grossem Interesse und finde diese «spannend», so Lidl-Sprecher Kaufmann. Und auch bei Aldi Suisse ist man laut Sprecher Kaufmann «immer offen für neue Lösungen». Sie beobachte die Entwicklungen am Markt immer weiter.

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