Schweizer bringen immer mehr Krankheiten aus den Tropen nach Hause

Luna Gerber
Luna Gerber

Bern,

Viele Schweizer Touris pfeifen vor Fernreisen auf Impfempfehlungen – mit Folgen: Ärzte sehen mehr kranke Rückkehrer, etwa mit Dengue-Fieber.

impfung fernreisen
Sich vor der Fernreise impfen lassen? Darauf verzichten einige – und landen nach der Rückkehr krank beim Arzt. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweizer reisen gern in Tropengebiete – pfeifen jedoch oft auf Impfungen.
  • Als Folge sind Ärzte immer mehr mit kranken Reiserückkehrern konfrontiert.
  • Die Hauptgründe: Die Gefahr werde unterschätzt und heutzutage werde spontan gebucht.

Mit einem Klick auf die andere Seite der Welt? So einfach ist es heutzutage, das Fernweh-Gefühl zu stillen.

Gerade interkontinentale Reisen haben es den Schweizer Touris angetan. Etwa in tropischen Regionen Afrikas oder Südostasiens.

Hast du schon einmal einen anderen Kontinent bereist?

Viele dieser Gebiete beherbergen Krankheitserreger, deren Gefahr nicht unterschätzt werden darf.

Vor lauter Ferienlust vergessen jedoch viele Reisende ein kleines, aber durchaus nicht unwichtiges Detail: Ihrem Hausarzt vor dem Reiseantritt einen Besuch zur Impfberatung abzustatten.

Das hat Folgen.

Kaum aus den Ferien zurück – schon im Spital

Welche genau, erklärt Cornelia Staehelin gegenüber Nau.ch. Sie ist leitende Ärztin an der Berner Universitätsklinik für Infektiologie im Inselspital.

Sie hält fest: «Wir sehen häufiger kranke Rückkehrende, die aus verschiedenen Gründen nicht in einer vorherigen Beratung waren.»

Reisende werden «nachlässiger»

Diese «verschiedenen Gründe» konkretisiert die Ärztin auch gleich. Es handle sich zum einen um «Leute, die viel reisen und mit der Zeit nachlässig werden bezüglich Impfauffrischungen. Oder Vorsichtsmassnahmen wie Mückenschutz vernachlässigen.»

Und zum anderen? «Menschen, die in ihrer früheren Heimat Freunde oder Verwandte besuchen und dabei sinnvolle Vorsichtsmassnahmen ausser Acht lassen.»

Letzteres komme «vermehrt» vor, erklärt Staehelin.

Die häufigsten Beschwerden, mit denen Reisende sich nach ihrer Rückkehr bei Staehelin im Spital melden: «Reisedurchfall und Fieber – gefolgt von Hautproblemen.»

Konkreter – und tropischer – wird es da schon bei Dr. med Danielle Gyurech, Reisemedizinerin an der Travel Clinic Zürich.

Auch in ihrer Arztpraxis sieht man sich mit Reiserückkehrern konfrontiert.

Und die Krankheiten haben es in sich: «Am häufigsten sind verschleppte Magendarm-Geschichten. Gelegentlich kommen jedoch auch fiebrige Patienten mit dem Dengue-Virus zu uns», erklärt sie gegenüber Nau.ch.

Das ist ein Virus, das über die Aedes-Mücken übertragen wird – dazu gehört auch die Asiatische Tigermücke.

Tigermücke
Die Tigermücke ist ein aggressiver und gefährlicher Krankheitsüberträger. - keystone

Und, wie es der Name der Überträgerin bereits verrät: Besonders in Malaysia, Vietnam und auf den Philippinen findet dieses Virus Verbreitung. Aber auch südamerikanische Länder gelten als Risikogebiet.

Öffentliches Aufsehen «schärft kurzfristig das Bewusstsein»

Auch etliche andere Viren machen in der Öffentlichkeit die Runde – darunter Chikungunya, Malaria oder das Zika-Virus.

Das vermehrte Auftreten dieser Viren zieht gemäss Staehelin zwar nicht automatisch mehr Impfungen mit sich. Dennoch «schärft es zumindest kurzfristig das Bewusstsein».

Klar sei, so Staehelin: «Wer sich fachlich beraten lässt, ist in der Regel bereit, empfohlene Schutzmassnahmen umzusetzen.»

Schnell gebucht – schlecht vorbereitet

Dass viele genau das aussen vor lassen, ist laut Gyurech vor allem auf eines zurückzuführen: Die heutigen technischen Möglichkeiten. Aufgrund dieser werde heutzutage «einfach gegangen».

Die Reisemedizinerin: «Viele sind bereit, mehrere Hunderter springen zu lassen, ihre Reise zu buchen. Und vergessen dabei die Vorsorge.» Doch das bedeute eben auch, «dass genau diejenigen durch die Masche fallen».

Hast du dich schon einmal für eine Fernreise impfen lassen?

Erwischen könne es jeden Reisenden – jederzeit. Gyurech betont: «Auch bei kurzen Aufenthalten ist guter Mückenschutz geboten.»

Am besten also lieber vor dem nächsten Flug kurz in die Reiseberatung – als nach den Ferien direkt ins Spital.

Kommentare

User #5407 (nicht angemeldet)

Warnung, statt Krankheiten Windböen in Zürich

DiVa M.

Ich dachte in gewisse Länder kommt man gar nicht ohne die nötigen Impfungen? Ist das heute nicht mehr so?

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