Mutter

Schweizer Adoptivkind findet Mutter nach 50 Jahren

Vivian Balsiger
Vivian Balsiger

Zürich,

Nach fast 50 Jahren Trennung findet Santosh Ritter in Indien seine Mutter wieder – nach einer illegalen Adoption in die Schweiz.

ritter
Santosh Ritter hat seine leibliche Mutter nach fast 50 Jahren gefunden. - Visa

Das Wichtigste in Kürze

  • Santosh Ritter findet nach 50 Jahren seine leibliche Mutter in Indien.
  • Er wurde als Baby illegal von einer Schweizer Familie adoptiert.
  • Illegale Adoptionen aus Indien betrafen Hunderte Familien in der Schweiz.

Als Kleinkind wurde Santosh Ritter (48) seiner Mutter in Indien weggenommen und in die Schweiz adoptiert.

Ende März reiste er nach Indien. Dort wartete die Frau, nach der er jahrzehntelang gesucht hatte. Als sie sich sahen, fielen sie sich nach fast 50 Jahren in die Arme.

Schon mit 18 Jahren machte sich Ritter erstmals auf die Suche nach seinen Wurzeln. In Indien fand er das Kinderheim, in dem er nach seiner Geburt gelebt hatte. Eine Nonne erinnerte sich sogar an seine Mutter. Doch von den Akten keine Spur.

In der Schweiz in strenger Freikirche grossgezogen

Zurück in der Schweiz legte er seinen Adoptivnamen Matthias ab und nannte sich fortan Santosh – so wie auf seinem indischen Pass.

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Ein Schweizer hat nach 50 Jahre seine leibliche Mutter gefunden. Er wurde ihr gestohlen und in die Schweiz adoptiert. Abgebildet: Unterlagen eines Kindes, das zur Adoption freigegeben wurde. - keystone

«Das war hart für mich. Ich war meiner Mutter so nah wie nie seit meiner Trennung und trotzdem entfernter als je zuvor», sagte er damals gegenüber dem «Beobachter».

In der Schweiz wuchs er in einer strengen Freikirche bei einem Paar aus dem Kanton Zürich auf: «Kein Kind sollte erleben, was ich erlebt habe», sagt Ritter heute. Mit 16 Jahren zog er aus.

Vom Rassismus geprägt

Zusätzlich wurde er wegen seiner Hautfarbe immer wieder diskriminiert, verspottet und sogar körperlich angegriffen. Ein Angriff endete sogar im Spital.

Und mit 26 Jahren stellte ein schwerer Snowboard-Unfall sein Leben erneut auf den Kopf. Ritter erlitt einen mehrfachen Beckenbruch. «Dieser Sturz hat mein Leben komplett verändert», sagt er.

Er kämpfte sich zurück, machte Karriere und ist heute Schweiz-CEO eines global tätigen Technologieunternehmens.

Die Suche nach seiner Mutter liess ihn nie los. Doch Reisen nach Indien und Recherchen blieben erfolglos.

Plötzlich war das Kind verschwunden

Vor drei Jahren erzählte er seine Geschichte an einem Firmenevent in den USA. Die Reaktionen bewegten ihn so sehr, dass er die Suche erneut aufnahm.

Dabei stiess er auf Arun Dohle, einen Deutschen mit indischen Wurzeln und Leiter der Organisation Against Child Trafficking.

Dohle, der selbst seine leibliche Mutter gefunden hatte, setzte das Kinderheim so lange unter Druck, bis die Unterlagen herausgegeben wurden. «Wir waren nur noch einen Hauch davon entfernt, Klage einzureichen», sagt Dohle.

Befürwortest du ein Verbot von internationalen Adoptionen?

Gemeinsam mit Dohles Partnerin, einer indischen Anwältin, gelang schliesslich der Durchbruch: Ritters Mutter wurde unter einem neuen Namen ausfindig gemacht.

Der entscheidende Anruf erreichte ihn in einem Zürcher Musikstudio. Am anderen Ende der Leitung: Seine Mutter. «In diesem Moment spürte ich eine unendlich tiefe Ruhe und einen intensiven Frieden in mir», erzählt er.

Seine Mutter berichtete ihm, dass sie bei seiner Geburt erst 16 Jahre alt und unverheiratet gewesen sei. Zwei Jahre lang lebte sie mit ihm im Heim. Einer Adoption habe sie nie zugestimmt. Eines Morgens sei ihr Sohn plötzlich verschwunden gewesen.

Illegale Adoptionen aus Indien

Kinder wurden bis in die 2000er-Jahre unter teils problematischen Bedingungen ins Ausland vermittelt. Indische Gerichte bewilligten die Ausreise, hielten jedoch Informationen über die leiblichen Eltern zurück.

Schweizer Behörden wiederum genehmigten Einreisen, obwohl Zustimmungserklärungen der Mütter fehlten.

Es ist bekannt, dass auch aus anderen Ländern Babys gestohlen und im Westen an Adoptiveltern vermittelt wurden.

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Kommentare

User #5705 (nicht angemeldet)

Ob immer alles stimmt sei dahingestellt

User #5053 (nicht angemeldet)

Mir egal Mann.

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