Einst gab es Sonder- und Kleinklassen. Heute werden Schüler mit besonderen Bedürfnissen in die Regelklassen integriert. Eine Studie hat nun untersucht, welchen Effekt diese Integration auf alle Schüler hat: Sie werden schlechter.
Schüler aus Integrationsklassen zeigen im Vergleich mit solchen aus Regelklassen eine schlechtere Leistung.
Schüler aus Integrationsklassen zeigen im Vergleich mit solchen aus Regelklassen eine schlechtere Leistung. - Keystone

Schwierige Schüler – überforderte Lehrer

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Das Wichtigste in Kürze

  • Lernschwache, verhaltensauffällige oder behinderte Kinder werden in Regelklassen integriert.
  • Was für soziale Gerechtigkeit und bessere Leistung sorgen soll, ist für viele Lehrer eine grosse Belastung.
  • Eine Studie belegt nun, dass die Leistung aller Schüler von Integrationsklassen abnimmt.

Lernschwach? Verhaltensauffällig? Behindert? Früher gab es für Kinder mit besonderen Bedürfnissen Sonder- oder Kleinklassen. Heute werden sie in die Regelklassen integriert. Das Behindertengleichstellungsgesetz und vielerorts auch die Volksschulgesetze verpflichten die Kantone seit 2004 dazu. Dafür erhalten die Klassenlehrer lektionenweise Unterstützung von Heilpädagogen.

Sozialkompetenz ja, Lernerfolg nein

Die Lehrer ächzen schon lange unter der zusätzlichen Arbeit, die die Integration mit sich bringt. Ob die Schüler davon profitieren, wurde nicht untersucht. Bis jetzt. Eine Studie belegt nun: Die Leistung aller Schüler einer Integrationsklasse wird schlechter. Durch Leistungstests und Befragungen von Schülern, Lehrern, Heilpädagogen und Eltern hat die Studie drei Bereiche untersucht: Integration, Verhalten und Leistung.

Integration: Alle Schüler gaben an, sich in der Klasse wohl zu fühlen. Die Lehrer beurteilten die Situation kritischer.

Verhalten: Kinder mit besonderem Förderbedarf zeigen grössere Verhaltensprobleme. Allerdings zeigt die Studie, dass problematische Verhaltensweisen innerhalb der Klasse abgenommen haben, wenn die Lehrperson der Integration positiv gegenüberstand.

Leistung: Ein Drittel der nicht förderbedürftigen und zwei Drittel der förderbedürftigen Schüler erreichen das Minimalniveau in Mathematik und Deutsch nicht. Sie schneiden im Vergleich mit Regelklassen ohne Integration schlechter ab.

Projektleiterin Simona Altmeyer, sagt gegenüber dem «Tagesanzeiger», es gelinge «weitgehend, Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen gut zu integrieren, aber nur teilweise, diese auch gut zu qualifizieren». Weil die Einstellung der Lehrer ausschlaggebend für das Gelingen der Integration sei, wäre es wichtig, Lehrpersonen stärker zu motivieren. Dagegen wehrt sich Franziska Peterhans vom Lehrerdachverband (LCH): «Es ist geradezu zynisch, den Lehrern die Schuld zuzuschieben. Sie müssen diese anspruchsvolle Aufgabe unter oft völlig ungenügenden Bedingungen erfüllen», sagt sie. Unterstützung durch Heilpädagogen bekommen die Lehrer nur teilweise.

Weil die 27 Mittelstufe-Klassen aus den Kantonen Zürich, St. Gallen und Schwyz sich freiwillig für das Projekt meldeten, ist die Stichprobe nicht repräsentativ.

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