Reden Angestellte bald nur mit dem Avatar des Chefs?

Stephan Felder
Stephan Felder

Zürich,

Meta testet einen fotorealistischen KI-Zuckerberg. Chefs könnten bald als Avatare an Meetings teilnehmen. Auch in Schweizer Firmen?

Mark Zuckerberg
Kommuniziert bald als Avatar mit seinen Mitarbeitenden: Mark Zuckerberg. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Meta entwickelt einen KI-Avatar von CEO Mark Zuckerberg für die interne Kommunikation.
  • Das Ziel: Austausch mit tausenden Mitarbeitenden skalieren; virtuell statt persönlich.
  • Vertrauen und klare Regeln sind entscheidend für den Einsatz solcher Avatare.

Kaum ist Metas virtuelle Welt Horizon Worlds gescheitert, setzt der Tech-Konzern zum nächsten grossen Versuch an: Ein fotorealistischer KI-Avatar von CEO Mark Zuckerberg soll künftig mit Mitarbeitenden sprechen können. In Echtzeit.

Die digitale Version Zuckerbergs wird aktuell intensiv entwickelt. Der CEO selbst soll wöchentlich mehrere Stunden in das Projekt investieren. Ziel ist eine KI-Figur, die nicht nur aussieht wie Zuckerberg, sondern auch klingt, denkt und reagiert wie er.

Ein Chef für 79'000 Mitarbeitende

Der Hintergrund: Bei rund 79'000 Angestellten ist direkter Kontakt zum CEO kaum möglich. Genau hier setzt das Projekt an.

Der Avatar soll Fragen beantworten, Feedback geben und strategische Orientierung liefern. Ein jederzeit verfügbarer Chef quasi.

Für KI-Experte Mike Schwede ist klar, was Meta damit bezweckt: «Es ist ein Showcase und ein Skalierungsprojekt zugleich.» Einerseits wolle der Konzern zeigen, wie weit die eigene Technologie bereits ist.

Andererseits gehe es darum, Kommunikation effizient zu vervielfachen. Der Avatar wird dafür mit Zuckerbergs Stimme, Mimik und Entscheidungslogik trainiert.

Mitarbeitende sollen so das Gefühl bekommen, direkt mit ihrem Chef zu sprechen. Auch wenn dieser physisch gar nicht anwesend ist.

Vom Promi-Chatbot zum digitalen Zwilling

Ganz neu ist die Idee nicht. Bereits 2023 experimentierte Meta mit KI-Chatbots, die von Prominenten inspiriert waren. Allerdings handelte es sich dabei um fiktive Rollen und keine echten digitalen Abbilder.

Der Unterschied jetzt: Der Zuckerberg-Avatar soll ein möglichst realistischer «digitaler Zwilling» sein, inklusive Echtzeit-Interaktion. Technisch ist das anspruchsvoll, da solche Darstellungen enorme Rechenleistung benötigen.

Parallel investiert Meta massiv in künstliche Intelligenz. Neue Teams wurden aufgebaut, eigene Modelle entwickelt. Die Belegschaft wird aktiv dazu angehalten, KI stärker im Arbeitsalltag einzusetzen.

Funktioniert das auch in der Schweiz?

Doch wie sinnvoll ist ein Avatar-Chef wirklich? Laut Schwede hängt das stark vom Umfeld ab. «Bei Meta funktioniert das, weil die Mitarbeitenden tech-affin sind und den Unterschied zwischen real und virtuell verstehen», sagt er.

Macht dir die KI Angst?

In klassischen Unternehmen könnte das anders aussehen. Dort drohen laut Schwede schnell Vertrauensprobleme. Etwa wenn unklar ist, ob man gerade mit einem echten Menschen oder einer KI spricht.

Vertrauen bleibt der Knackpunkt

Gerade beim Thema Führung sei Vertrauen zentral. Schwede warnt, dass fotorealistische Avatare schnell ins sogenannte «Uncanny Valley» kippen können. Heisst: Wirken sie zu perfekt, beginnen Menschen gezielt nach Fehlern zu suchen, wodurch die eigentliche Botschaft in den Hintergrund rückt.

Hinzu kommt das Risiko des «Liar’s Dividend». Dabei könnten echte Inhalte plötzlich als Fälschung abgetan werden. Oder umgekehrt manipulierte Inhalte als glaubwürdig erscheinen. Das untergräbt langfristig die Verlässlichkeit von Kommunikation.

Mike Schwede Künstliche Intelligenz
Mike Schwede ist Experte im Bereich Künstliche Intelligenz. - zVg

Nicht zuletzt droht laut Schwede der Eindruck eines «Lazy Leaders». Mitarbeitende könnten also das Gefühl bekommen, ihr Vorgesetzter nehme sich nicht mehr persönlich Zeit für sie. Der Austausch werde einfach an eine Maschine delegiert.

Sein Fazit bleibt deshalb klar: KI darf Führung nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. «Der echte Mensch bleibt im Lead.»

Kommen Avatar-Chefs in Schweizer Büros?

Ganz unrealistisch sind Avatar-Chefs in Schweizer Büros dennoch nicht.

Schwede arbeitet bereits an einem digitalen Zwilling für eine bekannte Schweizer Persönlichkeit aus Politik und Wirtschaft. Die Prinzipien: Klare Kennzeichnung, Datenschutz und ein «Human-first»-Ansatz.

Würdest du gerne mit einem KI-Avatar reden?

Ein mögliches Modell sei die sogenannte Sandwich-Methode: Der echte Mensch eröffnet und beendet die Kommunikation, der Avatar liefert dazwischen Inhalte.

Übrigens: Auch Schwede hat sein Fachwissen und seine Kommunikationsart in einem «MikeGPT» zusammengetragen. Auf seiner Website kann man mit seiner kompetenten Version direkt chatten.

Ob also bald auch in der Schweiz Chefs als Avatare in Meetings erscheinen, ist offen. Klar ist aber: Die Technologie ist auf dem Weg. Und zumindest bei Meta wohl bald auch schon Realität.

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Kommentare

User #1462 (nicht angemeldet)

Reden Chefs bald nur mit dem Avatar der Angestellten?

User #6421 (nicht angemeldet)

Na ja dann, das ist nicht was man im HR lernt hoffentlich kann er dann seine Craks auch behalten. Die spinnen einfach und die Welt wird verlöden. Der muss untergehen. Es wird eine Weile dauern aber es kommt schon ein anderer mit neuen Ideen, der nicht als Avatar mit der Mannschaft spricht und die Ziele trotzdem erreicht.

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