Räumung in Mitholz dauert länger als geplant
Die Räumung des vor Jahrzehnten in einem Felsen bei Mitholz BE explodierten Armee-Munitionslagers dauert voraussichtlich rund zwei Jahre länger als geplant.

Das Wichtigste in Kürze
- 1947 kam es im Armee-Munitionslager in Mitholz BE zu einer Explosion.
- Es dauert nun länger, bis die Schutzbauten von Bahn und Strasse fertiggestellt sind.
- Diese Massnahmen sollen dem Schutz während der Räumung der Munition dienen.
Das Räumungsprojekt in Mitholz dauert wohl zwei Jahre länger als geplant. Der Grund ist eine Entflechtung der Plangenehmigungsverfahren.
Ein Plangenehmigungsverfahren ist vereinfacht gesagt eine Baubewilligung. Es kommt bei Bauten und Infrastrukturanlagen von nationalem oder kantonalem Interesse, wie Eisenbahnen, Autobahnen oder militärischen Anlagen zum Einsatz.
Nun sollen die Plangenehmigungsverfahren für die Schutzbauten von Bahn und Strasse in Mitholz gestaffelt werden.
Mit den Schutzmassnahmen sollen die Infrastrukturen während der Räumung der jahrzehntealten, zum Teil noch funktionsfähigen Munition geschützt werden.

Erkenntnisse aus bisherigen Untersuchungen ergaben, dass die Schutzgalerie für die Bahn nordseitig um 30 Meter verkürzt werden kann. Südwestseitig sei dies um 45 Meter möglich.
Das Verfahren für die Bahn soll im kommenden Dezember beginnen, dasjenige für die Strasse Anfang 2029.
Mit der Staffelung sollen die Bauabläufe besser entflochten werden, wie Projektleiter Adrian Götschi am Donnerstag vor den Medien sagte.
Verantwortlich für das Grossprojekt ist das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Dieses geht davon aus, dass sich der Endtermin des Grossprojekts um zwei Jahre bis ins Jahr 2047 verschieben dürfte.
Einblicke ins «Tiramisu»
Im Jahr 1947 kam es zu einer Explosion des Munitionslagers Mitholz. Dabei wurden Munitionsrückstände und teilweise sehr stark schadstoffbelastete Trümmer und Schutt grossflächig ins Tal geschleudert.
Naturereignisse wie Hochwasser oder Murgänge verfrachteten oder überlagerten diese seither.
Seit 2022 werden umfangreiche Untersuchungen zur Schadstoffbelastung durchgeführt. Götschi verglich die belasteten Bodenschichten einst mit einer Art «Tiramisu».
Unterdessen hätten Baggerschlitze, Bodenproben und Sondierbohrungen einen besseren Einblick erlaubt. Die Auswertungen bestätigen laut Götschi die bisherigen Annahmen.
Weideflächen erhalten
Wichtig ist den Projektverantwortlichen unter anderem auch, die wertvollen Böden und Weideflächen zu schützen und bestmöglich zu erhalten. Die Weiden werden von Hand geräumt, um den Boden zu schonen, wie Götschi sagte. Bei einer maschinellen Räumung würde das Land umgepflügt.
Erste Flächen wurden bereits gesäubert und abgenommen.
Im gesamten Auswurfbereich der Explosion wurde eine diffus verteilte Schadstoffbelastung auf den Weiden festgestellt. Aufgrund der gemessenen Belastungen sieht das VBS nur Sanierungsbedarf bei den Schiessanlagen.
Bei den weiteren Weideflächen gebe es keine Gefährdung für die aktuelle landwirtschaftliche Nutzung mit Gras- und Weidewirtschaft. Für allfällige andere Bewirtschaftungsformen müsste die Situation neu beurteilt werden.
Kompromiss zwischen Schutz und Nutzen
Das VBS wird in Mitholz nicht «bis zur letzten Patrone» alles räumen. Es wird die Rückstände soweit aus dem Boden entfernen, dass eine Gras- und Weidewirtschaft ohne Gefahr möglich ist.
Der Preis für eine Vollräumung wäre unangemessen, zudem würden Umweltschäden hinterlassen, so Götschi. Der Kompromiss zwischen Sicherheit und Nutzung werde von der Bevölkerung getragen.
Mit der heutigen Technik kann die Munition bis in rund dreissig Zentimeter Tiefe zuverlässig gefunden und entfernt werden. Was tiefer im Boden steckt, bleibt zurück.
Müssten auch diese Rückstände entfernt werden, müssten teilweise mehrere Meter Boden abgetragen und gewaschen werden.
Entsprechend ginge die Humusschicht verloren. Ein Umstand, auf den auch die eidgenössische Finanzkommission im vergangenen März hinwies.
Im Dezember 1947 kam es im ehemaligen Munitionslager der Armee in einer Fluh bei Mitholz zu gewaltigen Explosionen. Neun Menschen kamen ums Leben. Hunderte Tonnen Sprengstoff blieben in den Trümmern der Anlage zurück.
Von diesen Munitionsrückständen geht ein höheres Explosionsrisiko aus, als früher angenommen wurde. Für die Räumung des Munitionslagers bewilligten die eidgenössischen Räte im September 2023 einen Kredit von 2,59 Milliarden Franken.

















