«Höchst einseitig»: ZHAW-Studis wehren sich nach Parmelin-Auftritt
Nach einem Podium mit Guy Parmelin kritisieren Studierende die ZHAW. Die Hochschule nimmt die Einwände ernst und bietet ein Gespräch an.

Das Wichtigste in Kürze
- Studierende kritisieren ein Podium an der ZHAW mit Bundesrat Guy Parmelin als einseitig.
- Insbesondere habe eine Gegenstimme zur Kriegsmaterialgesetz-Revision gefehlt.
- Die ZHAW nimmt die Kritik ernst und bietet den Studierenden ein Gespräch an.
Ein ausgebuchter Saal, ein Referat von Bundespräsident Guy Parmelin und eine Diskussion über die Sicherheit der Schweiz: Das International Business Podium an der ZHAW in Winterthur ist vergangene Woche auf grosses Interesse gestossen.
Doch nicht alle verliessen die Veranstaltung zufrieden. Neun Studierende haben sich im Nachgang in einem offenen Brief an die Hochschulleitung gewandt. Ihr Vorwurf: Auf dem Podium sei zu wenig Platz für unterschiedliche Meinungen gewesen.
Als «höchst einseitig» bezeichnen sie den Anlass, den die ZHAW gemeinsam mit dem Industrieverband Swissmem durchgeführt hatte. Die Auswahl der Podiumsgäste kritisieren sie ebenso wie die Moderation.
Studierende vermissen Gegenstimme
Konkret stören sich die Studierenden an der Diskussion über die bevorstehende Abstimmung zur Revision des Kriegsmaterialgesetzes. Bundespräsident Parmelin habe in seiner Rede für die Vorlage geworben, schreiben sie im Brief.
Auch Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher habe die Studierenden zu einem Ja aufgerufen. Seiner Position sei aber keine Gegenstimme gegenübergestellt worden.

«Daher verlief das Podium sehr einseitig», schreiben die Studierenden auf Anfrage von Nau.ch. Im offenen Brief bezeichnen sie die fehlende Gegenposition als «schweren Fehler» der Organisatoren.
Zudem kritisieren sie, dass das Publikum keine Fragen stellen konnte. Nach dem Podium habe sich deshalb ein Besucher erhoben und das Wort ergriffen. Er habe die politische Einseitigkeit der Veranstaltung bemängelt.
Die Studierenden fordern von der ZHAW eine Stellungnahme. Künftig sollen an Podien unterschiedliche Meinungen und Perspektiven vertreten sein.
Fragen waren laut ZHAW per QR-Code möglich
Die ZHAW nimmt die Kritik ernst. «Wir legen grossen Wert auf eine offene Diskussionskultur und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen.» Das teilt die Hochschule auf Anfrage von Nau.ch mit.
Das Podium habe sich mit den sicherheitspolitischen Herausforderungen der Schweiz im europäischen Kontext befasst. Dabei seien auch wirtschaftliche und technologische Fragen zur Sprache gekommen.
Ziel sei es gewesen, die Entwicklungen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Neben Bundespräsident Parmelin seien Vertreter aus Wirtschaft und Forschung sowie eine europäische Perspektive vertreten gewesen.
Bei den Fragen aus dem Publikum widerspricht die ZHAW den Studierenden: Besucherinnen und Besucher hätten diese über einen QR-Code einreichen können. Einige davon seien während der Diskussion aufgegriffen worden.
Weiter erklärt die Hochschule: «Eine offene Fragerunde war aufgrund des engen Zeitrahmens nicht vorgesehen und entsprechend im Programm auch nicht angekündigt.»
Die Moderation habe eine erfahrene NZZ-Journalistin mit ausgewiesener Expertise in Sicherheitspolitik übernommen, hält die Hochschule fest. Rund 330 Personen besuchten den Anlass.
Die ZHAW will nun auf die Anliegen der Studierenden eingehen. Sie hat den Unterzeichnenden einen persönlichen Austausch angeboten.











