Projekt in Basel: Wird so das Parkplatz-Problem gelöst?
Am Tag von Pendlerinnen und Pendlern, nachts von Anwohnenden: Private Parkplätze sollen in Basel-Stadt effizienter genutzt werden. Ein Experte schätzt ein.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit Anfang Jahr laufen im Kanton Basel-Stadt vier Parkplatz-Projekte.
- Private Felder sollen temporär sowohl Pendlern als auch Anwohnenden geöffnet werden.
- Diese Idee der Mehrfachnutzung bewertet ein Quartierverein positiv.
- Ein Experte ordnet gegenüber Nau.ch ein.
Parkplätze haben besonders in grossen Städten keinen guten Stand. Da sie viel Platz benötigen und die Menschen eigentlich dazu motiviert werden, sich anderweitig fortzubewegen, setzt der Rotstift oft genau hier an.
Dabei bleibt trotz allen Bemühungen die Nachfrage nach Parkiermöglichkeiten hoch. Im Kanton Basel-Stadt versucht man nun, neue Wege zu gehen und den Bedarf an öffentlichen Parkfeldern zu reduzieren.
Und so soll es gehen: Im Fokus stehen private Parkplätze – das Zauberwort ist die «Mehrfachnutzung». «Firmen oder Privatpersonen stellen ihre Parkplätze dann zur Verfügung, wenn sie diese selbst nicht benötigen», schreibt der Kanton in einer Medienmitteilung.
Vier Projekte in Betrieb
Der Gedanke dahinter ist simpel. Verkehrsexperte Alexander Erath von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) erklärt auf Nau.ch-Anfrage: «So können beispielsweise Autos von Anwohnenden nachts auf Parkplätzen eines Supermarkts oder eines Bürogebäudes abgestellt werden.»
Seit Anfang Jahr befinden sich vier solcher Projekte in Betrieb – in den Quartieren Gundeldingen und St. Alban. An der Hochstrasse 16 werden rund 50 Tiefgaragenplätze von PSP Swiss Property zur Verfügung gestellt.

Die Firmen-Parkplätze der Lonza AG auf dem Lindenhofareal sind nachts und am Wochenende für Anwohnende geöffnet. Weitere Standorte gibt es in der St. Alban-Vorstadt beim goldenen Löwen sowie in der Dornacherstrasse 8/10.

Dazu schreibt der Kanton: «Da unter anderem zugunsten von mehr Stadtgrün oder besseren Veloverbindungen laufend öffentliche Parkplätze entfallen, bieten diese privaten Parkiermöglichkeiten eine gute Alternative.»
Durch Mehrfachnutzung weniger Suchverkehr?
Der Neutrale Quartierverein St. Alban-Gellert ist der Idee nicht abgeneigt: «Wir begrüssen jede Möglichkeit, parkierte Autos aus dem öffentlichen Strassenraum zu entfernen», sagt Beata Wackernagel gegenüber Nau.ch. Sie ist die Präsidentin des Quartiervereins.
Es bestehe die Hoffnung, dass so der Parkplatz-Suchverkehr in den Quartieren vermindert werden kann. Wenngleich es gemäss Wackernagel in der Vergangenheit keine grossen Engpässe gab.
«Dem Parkplatzabbau ging oft eine Baustelle voraus. So mussten sich die Anwohnerinnen und Anwohner während dieser Zeit eine neue Parkiermöglichkeit suchen.» Am Ende der Baustelle waren die Parkfelder wieder da, wenn auch weniger. Die geringere Anzahl sei dann aber nicht so sehr aufgefallen.

Es gibt auch noch weitere Massnahmen, die der Quartiervereins-Präsidentin vorschweben. Sie findet, dass Parkkarten nicht «zu günstig» sein sollten, sodass sich Lenkerinnen und Lenker eher für eine Miete entscheiden.
«So könnten Parkplätze im öffentlichen Strassenraum vor allem für das Kurzzeitparken bei Geschäften, zur Anlieferung oder für Handwerksbetriebe genutzt werden.»
Inwiefern das Angebot bisher angenommen wird, dazu kann Wackernagel noch keine Angaben machen. Selbst habe sie bisher noch keine Rückmeldung zu dem Projekt bekommen.
Verkehrsexperte Erath sieht das Projekt ebenso positiv. Wenn Autos Anwohnender auf privaten Plätzen nachts abgestellt werden, sinke der Druck auf die blaue Zone. Diese weise zu dieser Zeit die höchste Belegung auf.

Im Optimalfall könnten Strassenparkplätze entfernt werden, ohne mehr Suchverkehr zu verursachen. «So entsteht neuer Platz für Begrünung, Veloinfrastruktur und Sitzbänke», sagt Erath.
Trotzdem braucht es mehr
Der Experte stellt aber auch klar: Für eine nachhaltige Verbesserung der Situation genüge eine solche Massnahme allein nicht.
Mehr und vielfältigere Carsharing-Angebote würden ebenso helfen, schlägt Erath als Beispiel vor. Genauso wie dynamische Preisstrukturen. Diese führen bei hoher Nachfrage und kleinerem Angebot zu höheren Parkgebühren. Eine weitere Förderung des Veloverkehrs sowie des ÖV brauche es auch.
Setzen Menschen weiter aufs Auto?
Vermittelt werden die neuen Parkmöglichkeiten über die Plattformen «Share.P» und «Parcandi». Über diese Apps können schon jetzt schweizweit zahlreiche private Parkfelder temporär genutzt werden.
In einem Forschungsprojekt konnte Alexander Erath mit seinem Fachbereich aufzeigen, dass dieses Modell aber auch Nebeneffekte mit sich bringen kann. Einer dieser ist aus Sicht der Städte wohl weniger erfreulich: Die neue Verfügbarkeit könnte dazu motivieren, weiter auf das Auto zu setzen.

Bisher galt die Vermietung privater Parkplätze noch als rechtlicher Graubereich. Die Baubewilligung sieht eigentlich nicht vor, dass ein Parkfeld mehrfach und für unterschiedliche Zwecke eingesetzt wird, sagt Erath.
Nun aber arbeitet ein Kanton aktiv mit solchen Parkplatzvermittlern zusammen. Ein Novum. Gemäss Mitteilung sollen die Projekte nun zwei Jahre beobachtet und die Wirkung ausgewertet werden.








