Pool oder WC – wo soll die Schweiz jetzt Wasser sparen?
Die Schweiz schwitzt – und das Wasser wird knapp: Jetzt stellt sich die Frage: Pool füllen oder WC spülen?

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweiz kämpft mit Trockenheit – Bauern und Natur brauchen dringend mehr Wasser.
- Immer mehr Regionen rufen jetzt zum Wassersparen auf.
- Experten ordnen ein: Sollten wir beim WC oder beim Pool Wasser sparen?
Trocken, trockener, Sommer 2026.
In vielen Regionen der Schweiz herrscht Wasserknappheit. Gemeinden rufen die Bevölkerung zum Sparen auf. Kein Rasensprengen, kein Auto waschen – und private Pools sollen möglichst nicht mehr aufgefüllt werden.
Besonders gross ist die Sorge in der Landwirtschaft. Denn ohne Wasser wächst vielerorts nichts mehr.
«Gemüse wächst ohne Bewässerung nicht bei diesen Bedingungen. Wenn aus den Gewässern kein Wasser mehr bezogen werden kann, dann wird es schwierig und hat schmerzhafte finanzielle Folgen.»
Das erklärt Sandra Helfenstein, Mediensprecherin des Schweizer Bauernverbands auf Anfrage Nau.ch.
Doch das Bewässern kostet. «Die Bewässerung ist teuer und deshalb lohnt sich das nicht bei allen Kulturen, zudem ist sie nicht überall möglich.»
Die Hoffnung der Bauern sei deshalb «ein ausgedehnter Regen», so die Mediensprecherin.
Spülen wir das beste Wasser die Toilette runter?
Und Helfenstein weist auf einen oft übersehenen Punkt hin: «Fast ein Drittel des Wasserverbrauchs der Haushalte fällt für die Toilettenspülung an, notabene mit bestem Trinkwasser.»
Die Frage liegt auf der Hand: Verschwindet ausgerechnet dort das grösste Sparpotenzial im Abfluss?
Jojo Casanova, Mitgründer von Kompotoi, hätte die Lösung parat. Seine Kompost-WCs benötigen keinen einzigen Tropfen Wasser, wie er auf Anfrage von Nau.ch erklärt: «Eine klassische Toilettenspülung braucht pro Spülgang sechs bis neun Liter sauberes Trinkwasser. Ein Kompost-WC kommt komplett ohne Spülwasser aus.»
Stattdessen werden flüssige und feste Ausscheidungen getrennt und mit Sägemehl oder Holzspänen bedeckt. So entsteht auch kein unangenehmer Geruch.

Das System mache einen gewaltigen Unterschied: «Bei einem Vier-Personen-Haushalt mit rund vier bis fünf Toilettengängen pro Person und Tag sprechen wir von einer Einsparung im Bereich von 100 bis 150 Litern Trinkwasser pro Tag.»
Aufs Jahr gerechnet sind das mehrere zehntausend Liter Trinkwasser pro Haushalt.
Und der Grüsel-Faktor?
Viele dürften beim Gedanken an ein Kompost-WC aber erst einmal die Nase rümpfen. Casanova winkt jedoch ab: «Viele Menschen haben die Sorge, dass sie ihre Hinterlassenschaften in Kübeln selbst wegtragen müssten. Das wird in den allermeisten Fällen aber mit einer Kompostierung direkt vor Ort gelöst.»
Also sollen wasserlose Toiletten künftig an Schulen, in Businessparks oder an anderen stark frequentierten Orten zum Einsatz kommen?
Biologe und Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt kann sich das durchaus vorstellen, wie er gegenüber Nau.ch erklärt: «Natürlich sind auch Kompost-WCs ein Beitrag zum Sparen von Trinkwasser – Wenn man sie denn geschickt installieren kann.»

Ob solche Anlagen von der Politik gefördert werden sollen, müssten allerdings die Gemeinden entscheiden.
Der Nationalrat zeigt sich wegen der anhaltenden Trockenheit besorgt. Kürzlich veröffentlichte er auf Instagram ein Bild des Herbetswiler Waldes in seiner Wohngemeinde.
Dazu schreibt er: «Zum letzten und bisher einzigen Mal sah es 2003 so aus.»

Es habe damals Jahre gedauert, bis der Wald sich erholt habe. «Die nächsten Jahre sollte so etwas wie dieses Jahr also nicht passieren. Die Wahrscheinlichkeit ist leider aber gegeben – der Klimawandel lässt grüssen.»
Kommt jetzt das Pool-Verbot?
Für Müller-Altermatt ist klar: Wird Trinkwasser knapp, könnte das Auffüllen privater Pools verboten werden.
«Das Trinkwasser hat Vorrang. Und wenn es bei diesem knapp wird, muss das Neubefüllen der Pools untersagt werden.» Ob solche Verbote ausgesprochen werden, liege grundsätzlich bei den Gemeinden oder den Wasserversorgern, so der Nationalrat.
Christos Bräunle, Mediensprecher vom Fachverband für Wasser, Gas und Wärme (SVGW), ordnet die Zahlen gegenüber Nau.ch ein.
Die Wasserversorgungen würden jährlich knapp eine Milliarde Kubikmeter Trinkwasser bereitstellen. Rund die Hälfte davon gehe an Haushalte und Kleingewerbe.

«Von den 500 Millionen Kubikmetern Trinkwasser, das an Haushalte und Kleingewerbe geht, werden knapp 30 Prozent für die WC-Spülung verwendet. Schätzungsweise also rund 150 Millionen Kubikmeter jährlich.»
Das entspreche gut 15 Prozent des gesamten Trinkwasserverbrauchs.
Ist Pool-Stopp einfacher?
Trotzdem hält der Experte die Toilette nicht für den grössten Hebel: «Die Trinkwasserversorgung in der Schweiz kann nicht isoliert betrachtet, sondern muss im Kontext mit dem Abwasser gesehen werden.»
Kurzfristig lasse sich Wasser an anderer Stelle einfacher sparen. «Auf das Füllen des Swimmingpools, das Bewässern des Rasens oder das Waschen des Autos zu verzichten, scheinen effektivere und einfacher umzusetzende Massnahmen zu sein. Zumal Wasserknappheit in der Schweiz meist lokal begrenzt und in der Regel von beschränkter Dauer ist.»

















