Je besser es für die Pensionskasse im Vorjahr lief, umso schlechter laufen die Geschäfte im neuen Jahr. Die geopolitischen Spannungen wirken sich negativ aus.
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In den ersten vier Monaten des Jahres 2022 ging die Gesamtrendite um 4,7 Prozent zurück. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweizer Pensionskassen haben im 2021 ihre Kapitalreserve erneut ausbauen können.
  • In den ersten vier Monaten des Jahres 2022 ging die Gesamtrendite um 4,7 Prozent zurück.
  • Volatilitäten an der Börse und der Ukraine-Krieg beeinflussten die Pensionskassen negativ.

Die Schweizer Pensionskassen haben im vergangenen Jahr ihre Kapitalpolster erneut ausbauen können. Jedoch sind sie wegen der geopolitischen Spannungen und der Turbulenzen an den Kapitalmärkten schlecht ins neue Jahr gestartet.

Im vergangenen Jahr stieg der durchschnittliche Deckungsgrad auf 115,4 Prozent von 110,2 Prozent im Jahr zuvor. Dies ist der jährlich durchgeführten und am Mittwoch vorgestellten «Risiko Check-up-Studie» des Pensionskassenberaters Complementa zu entnehmen.

Deckungsgrad so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr

Damit ist der Wert so hoch wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Die durchschnittliche Verzinsung des Vorsorgekapitals der Arbeitnehmenden belief sich 2021 auf 3,5 Prozent.

2021 verbuchten Pensionskassen laut Complementa-Studie eine durchschnittliche Rendite von 8,3 Prozent. Doch in den ersten vier Monaten des Jahres 2022 ging die Gesamtrendite um 4,7 Prozent zurück. Damit verpuffte ein Teil des Vorjahresgewinns wieder. Und der durchschnittliche Deckungsgrad sank auf 109,2 Prozent per Ende April 2022.

Pensionskassen besitzen «Polster»

Nach guten Vorjahren seien die Reserven bei einem Grossteil der Pensionskassen aber gefüllt. Sollte sich die negative Performance weiter hinziehen oder verstärken, würde das aufgebaute «Polster» jedoch noch stärker beansprucht.

Der Deckungsgrad gibt dazu Auskunft, zu wie viele Prozent die Verpflichtungen einer Vorsorgeeinrichtung an einem bestimmten Stichtag mit Vermögenswerten gedeckt sind. Es geht also darum, in welchem Ausmass die Vorsorgeinstitute künftige Rentenzahlungen bedienen können.

Nicht alle Arbeitnehmenden profitieren

Im Jahr 2021 wurde das Vorsorgekapital der Arbeitnehmenden mit durchschnittlich 3,5 Prozent verzinst. Dies sei deutlich mehr, als die vom Bundesrat festgelegte BVG-Mindestverzinsung von 1,0 Prozent. Verzinsungen von über drei Prozent gab es letztmals 2003 und in den vorangehenden Jahren, wie Complementa weiter festhält.

Trotz der guten durchschnittlichen Performance ist die Streuung der gewährten Verzinsungen mit +1,0 bis 10,0 Prozent sehr breit. Nicht alle Arbeitnehmenden haben also in gleichem Mass vom guten Vorjahresergebnis profitiert.

Umwandlungssatz 2022 tiefer als im Vorjahr

Mit durchschnittlich 5,4 Prozent liege der Umwandlungssatz 2022 nochmals rund 0,1 Prozentpunkte tiefer als im Vorjahr. Die Pensionskassen entfernen sich damit weiter vom BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8 Prozent. Zudem planen die Pensionskassen für die kommenden Jahre weitere Senkungen.

Der BVG-Mindestumwandlungssatz trage weder der gestiegenen Lebenserwartung noch dem aktuellen Zinsniveau ausreichend Rechnung, schreibt Complementa. Der versicherungstechnisch korrekte Umwandlungssatz liege bei einem technischen Zins von 1,75 Prozent tiefer bei 4,8 Prozent.

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Der Umwandlungssatz soll bis ins Jahr 2027 auf 5,2 Prozent sinken. - Keystone

Der technische Zinssatz gibt Auskunft darüber, wie viel die Pensionskasse auf dem Deckungskapital der laufenden Rentenbezüger jährlich verdienen muss, damit die versprochenen Leistungen umverteilungsfrei gedeckt sind. Pensionskassen haben für die nächsten fünf Jahre bereits Reduktionen beschlossen, um dieser Umverteilung entgegenzuwirken. Dadurch dürfte der durchschnittliche Umwandlungssatz bis 2027 auf 5,2 Prozent sinken.

Die Pensionskassen müssten aktuell eine Rendite von mindestens 2,1 Prozent erwirtschaften, um den Deckungsgrad konstant zu halten, schätzt Complementa. Die Pensionskassen könnten mit dem aktuellen Anlagemix aber langfristig eine solche Rendite erzielen. Kurzfristige Schwankungen seien nie ausgeschlossen.

An der Studie haben 436 Pensionskassen mit insgesamt 780 Milliarden Franken an Vermögen teilgenommen.

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