Ostschweizer Rebwart: «Tolle Trauben trotz Trockenheit»
Am Wiler Rebberg beginnt die Traubenernte. Rebwart Martin Egli erklärt, wie Hitze und Trockenheit den Weinbau beeinflussen.

Der Himmel über dem Rebberg der Wiler Ortsgemeinde ist mit dunklen Wolken verhangen. Es ist ein kühler Spätsommermorgen, die Erde ist noch feucht vom Regen der vergangenen Nacht. Martin Egli, Rebwart der Ortsgemeinde Wil, eilt zwischen den Rebstöcken oberhalb der Bürgertrotte hin und her.
Er bewirtschaftet den Weinberg und organisiert freiwillige Helferinnen und Helfer für die Weinlese. Heute ist der erste Erntetag dieser Saison. «Wir sind zwei Wochen früher dran als gewohnt», sagt Egli.
Das habe mit den sehr warmen Wetterbedingungen der vergangenen Monate zu tun.
Hohe Traubenqualität
«Aufgrund des ungewöhnlich heissen und trockenen Sommers ist die Vegetation schon etwas weiter fortgeschritten», erklärt der Rebwart. Dies beeinflusse aber weder die Ernte, noch die Qualität des Weins negativ – im Gegenteil:
«Die Wurzeln der Reben sind so tief im Boden verankert, dass ihnen die extremen Wetterbedingungen nichts anhaben können. Wir haben dieses Jahr besonders schöne Trauben mit einem hohen Öchslegrad.»

Die Masseinheit ist gemäss Egli eines von vielen wichtigen Reifemerk- malen, das die Aromatik des Weins beeinflusst. Trotzdem gehöre zu einer guten Ernte auch immer eine Portion Glück.
Im Gegensatz zu den Weinregionen im Raum Zürich und Thurgau wurde die Äbtestadt von den heftigen Gewittern in der letzten Augustwoche verschont. «Das hätte zu markanten Einbussen geführt», weiss der Organisator der Wimmet am Wiler Rebberg.
Junge Rebstöcke entwickeln sich
Der Rebberg der Ortsgemeinde Wil hat eine Fläche von knapp zwei Hektaren. «Aus einem Kilogramm Trauben gibt es durchschnittlich sieben Deziliter Wein», erklärt er.
Aufgrund der Neupflanzungen in den vergangenen Jahren sind noch nicht alle Reben im Vollertrag. Einige der Reben seien noch jung, erklärt Egli.

In den ersten drei Jahren würden die Reben zurückgeschnitten, sodass sie noch keine Früchte tragen und im Boden gut anwurzeln können. Eine kräftige Rebe könne bis zu 50 Jahre alt werden, erklärt der Rebwart.
Abbruch bei Regen
Immer wieder reissen die Wolken auf und frühmorgendliche Sonnenstrahlen bringen das satte Grün der Reben zum Leuchten. «Wir haben Glück mit dem Wetter», sagt Martin Egli. «Bei Regen müssten wir die Ernte sofort abbrechen.»
Denn das Regenwasser an den Trauben wirke sich negativ auf die Qualität des Weins aus. Dazu komme, dass der Wimmet bei trockenem Wetter eine wesentlich angenehmere Angelegenheit sei als bei Regenwetter – ein wichtiges Kriterium, wenn man auf freiwillige Helferinnen und Helfer angewiesen sei.
Wimmet-Gruppenchat
An diesem Morgen haben über 20 Freiwillige mit angepackt. Darunter Ortsbürgerinnen und -bürger sowie andere Weinfreunde aus der Region. Der Wimmet-Gruppenchat zählt über hundert Mitglieder.

Darüber ist der Rebwart mehr als froh, denn bei der Weinlese braucht er einige Paare helfender Hände. «Um eine gleichbleibende Qualität der Produkte zu gewährleisten, müssen alle Trauben von derselben Sorte auch am selben Tag geerntet werden.»
Jedes Jahr fest im Kalender
Viele der Freiwilligen halten jedes Jahr einige Wochen für die Weinlese am Wiler Rebberg frei. Auch bei den beiden Ortsbürgerinnen Heidi Grögli und Cécile Solèr ist der Wimmet, wann immer möglich, fester Bestandteil der Jahresplanung. «Weil es Spass macht», sagen die beiden.

«Und weil wir den feinen Wein auch gerne trinken.» Mit den anderen Helferinnen und Helfern schneiden die zwei Damen die Trauben von den Reben und sammeln sie in einem der grossen Metallbottiche, die jeweils am Reihenende stehen.
Die abgelesenen Früchte werden dann in externen Kellereien entweder zu alkoholfreier Traubenschorle «Trubetau» oder zu Wein verarbeitet.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.








