Winterthur

    Hagel-Sturm: Winterthurer Winzer verloren 70 Prozent ihrer Trauben

    Vor einer Woche verwüstet ein Unwetter die Region Winterthur und hinterlässt Schäden in Millionenhöhe. Hart getroffen hat es auch die Winzer.

    Bild der Zerstörung aus den Rebbergen von Rutishauser Divino.
    Bild der Zerstörung aus den Rebbergen von Rutishauser Divino. - zVg

    Es kam mit voller Wucht: Golfballgrosse Hagelkörner, heftige Sturmböen und sintflutartiger Regen zogen am Freitagmorgen aus Westen über den Kanton Zürich. Besonders hart traf es das Zürcher Unterland und die Region Winterthur.

    Die Bilanz ist verheerend: Nach einer Schätzung der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich dürften am Ende mehr als 2000 Schadenmeldungen auf dem Tisch liegen. Die Schadensumme wird auf 30 Millionen Franken geschätzt.

    Neben schweren Schäden an Gebäudehüllen wurden auch Personen verletzt. Mehrere Schulkinder wurden in der 10-Uhr-Pause von den Hagelkörnern getroffen. Sie erlitten Platzwunden am Kopf sowie Prellungen an Schultern, Rücken, Armen und Beinen.

    Es hagelte golfballgrosse Körner nieder.
    Es hagelte golfballgrosse Körner nieder. - zVg

    In Seuzach wurden durch den Hagel rund 40 Personen, mehrheitlich Kinder, verletzt, wie die Gemeinde mitteilte. Beim Kantonsspital Winterthur wurden im Zusammenhang mit dem Hagel rund 60 Personen behandelt, wie das Onlinemagazin wnti schreibt.

    «Die meisten Personen erlitten Wunden, die genäht werden mussten, einzelne erlitten auch Gehirnerschütterungen oder Knochenbrüche durch Stürze», wird die KSW-Medienstelle zitiert.

    Noternte bei den Winzern

    Den Winzern blutet das Herz. Hart getroffen hat es Winzer Francesco Vitali, der neben dem Schloss Wart einen kleinen Rebberg betreibt.

    «Ich weiss nicht, wie ich das in Worte schreiben kann, aber ich bin buchstäblich unter Schock. So etwas habe ich noch nie erlebt», schreibt er in einem Aufruf an helfende Hände. Kurzfristig hat er eine Noternte ins Leben gerufen, zwei Wochen früher als geplant.

    Winzer Jürg Schönenberger mit seinem Helfer-Team bei der Noternte.
    Winzer Jürg Schönenberger mit seinem Helfer-Team bei der Noternte. - zVg

    Vom Unwetter überrascht wurden auch die Weinproduzenten von Rutishauser Divino. «Die Schäden sind massiv», sagt Jürg Schönenberger, Leiter Kulturen bei Rutishauser.

    Besonders arg getroffen hat es die Reben in Bülach, Wülflingen, Neftenbach oder bei der Mörsburg, wo einige Traubenproduzenten den Verlust von 70 Prozent ihrer Trauben beklagen.

    Um die Trauben zu retten, rief Rutishauser Divino wenige Minuten nach dem Unwetter zur Noternte. Ein Kraftakt für die Winzer: Zusätzliche Mitarbeitende wurden mobilisiert, Produktionsanlagen vorbereitet und die gesamte Anlieferungslogistik organisiert.

    Was unter normalen Umständen über Tage geplant wird, musste innert kürzester Zeit umgesetzt werden. «Die Solidarität der Bauern untereinander und der Helfer war gewaltig», sagt Schönenberger.

    Hat dich der Hagelsturm ebenfalls getroffen?

    Da beschädigte Trauben rasch an Qualität verlieren, musste es schnell gehen, und so nahm Rutishauser Divino bereits am Samstag 88 Tonnen Trauben entgegen. Am Sonntag folgten weitere 56 Tonnen.

    Ein Ausnahmezustand. «Dass wir am Samstag und Sonntag die Kellerei in Winterthur öffnen, gabs in den letzten 36 Jahren noch nie.»

    Weil Lkw am Sonntag nicht fahren dürfen, brachten die Bauern die Trauben in kleineren Bussen oder mit dem Traktor zur Kellerei.

    Winzern blutet das Herz
    Golfballgrosse Hagelkörner, heftige Sturmböen und sintflutartiger Regen zogen am Freitagmorgen aus Westen über den Kanton Zürich. - zVg

    Die vorgezogene Ernte hat kaum Einfluss auf die Qualität. «Die Trauben waren reif, die Ernte wäre für Montag geplant gewesen», so Schönenberger. Allerdings wird die Menge in diesem Jahr geringer ausfallen.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.

    Kommentare

    User #1887 (nicht angemeldet)

    Und war ja nicht das erste mal in den tausend jahren das es hagelt.

    User #2347 (nicht angemeldet)

    Das tut mir sehr leid für die Rebbauern, die viel Zeit und Geld investiert haben...

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