Ostschweizer CEO: «Hoher Diesel-Preis ist Gift für die Wirtschaft»
Benzin, Diesel und Heizöl sind derzeit deutlich teurer. Ramon Werner, CEO der Ostschweizer Halter Energie, erklärt die aktuelle Marktlage.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Benzinpreise schiessen in die Höhe – dasselbe gilt für Diesel und Heizöl.
- Wer den Tank im Auto oder Haus füllt, muss dafür mehr hinblättern als noch zu Jahresbeginn.
- Der CEO von Halter Energie, Ramon Werner, gibt eine Experteneinschätzung.
Wie vergangene Woche bekannt wurde, haben sich Vertreter des Irans und der USA nach längerer Pause zu Gesprächen getroffen. Dies allein vermag die Märkte noch nicht zu beruhigen. Zu vielfältig sind die Faktoren, die derzeit auf den Handel einwirken.
Redaktion: Ramon Werner, Sie beliefern in der Ostschweiz einen namhaften Teil der Tankstellen. Ist an den Zapfsäulen eine Zurückhaltung spürbar?
Ramon Werner: Kurzfristig ist aufgrund der hohen Preise kein Rückgang spürbar, weil viele das Auto brauchen und nicht darauf verzichten können. Längerfristig, bei der nächsten Kaufentscheidung, spielt das aber schon eine Rolle: Da wird dann auf Autos mit weniger Verbrauch oder andere Technologien gesetzt.
Redaktion: Der Bund hat beschlossen, einen Teil der Pflichtlager freizugeben. Können Sie uns etwas dazu sagen, wie die Lagerbestände in Ihrem eigenen Unternehmen aussehen?
Werner: Das Wichtigste vorweg: Die Versorgung der Schweiz ist sichergestellt und wir selbst hatten genug Treibstoffe an Lager. Da aber die einzige Inland-Raffinerie in Cressier zusätzlich zu einer angespannten Versorgungslage ausgefallen ist, hat der Bund temporär Pflichtlager freigegeben. Zwischenzeitlich produziert aber Cressier wieder und es gibt keine Freigabe mehr.

Redaktion: In den meisten Nachbarländern wurden auf politischer Ebene Massnahmen ergriffen, um die Verbraucher zu entlasten. Was ist davon aus Ihrer Sicht zu halten?
Werner: Die Preise sind wirklich enorm hoch und jede Entlastung hilft unseren Kundinnen und Kunden. Zusätzlich wird das Problem verschärft, weil wir auf die Mineralölsteuer auch noch Mehrwertsteuer bezahlen. Mit anderen Worten: Je höher die Preise, desto mehr Steuern bezahlen wir. Da wäre eine Entlastung schon willkommen.
Redaktion: Welche hauptsächlichen Faktoren sind für die aktuellen Preissteigerungen verantwortlich?
Werner: Es gibt drei Hauptfaktoren: Erstens der Irankrieg: Vor dem Krieg lag der Ölpreis im Januar 2026 bei unter 58 USD pro Barrel – heute bei über 100 USD. Das sind 25 bis 30 Rappen mehr pro Liter.
Zweitens der Transport: Die Schifffahrt auf dem Rhein ist aufgrund der historisch tiefen Wasserstände praktisch zum Erliegen gekommen. Normalerweise ist für die Schiffsfracht mit 1 Rappen pro Liter zu rechnen. Heute sind es 15 bis 18 Rappen pro Liter.
Die alternativen Transportwege sind wesentlich teurer. Drittens die Produktionskosten: Die Raffineriemargen sind zurzeit aufgrund der knappen Versorgung sehr hoch. In Summe gibt das diese toxische Situation, die für unsere Kundschaft und uns sehr schlecht ist. Gewinner gibt es in der Schweiz keine – nur bei den Produzenten.
Redaktion: Bereits zu Beginn des Ukrainekriegs haben die Spritpreise in kurzer Zeit stark angezogen. Was ist dieses Mal anders?
Werner: Beim Ukrainekrieg war es ein kurzer Schock mit sehr hohen Preisanstiegen. Es wurde aber bald klar, dass die Versorgung anders sichergestellt werden kann. Jetzt kommt zusätzlich zum Ukrainekrieg noch der Irankrieg, also ein weiterer Engpass, der die Preise nach oben schiessen lässt. Hinzu kommen die hohen Frachtkosten aufgrund des ausbleibenden Regens.

Redaktion: Was müsste geschehen, damit eine nachhaltige Preisreduktion möglich wäre?
Werner: Wenn es keine Lösung im Irankrieg gibt, dann wird der Ölpreis auch länger so hoch bleiben. Eine leichte Entspannung würde Regen bringen. Viel Regen – damit wir wieder Treibstoffe über den Rhein in grossem Umfang einführen können.
Redaktion: An den Tankstellen sind in kurzer Distanz teilweise beträchtliche Preisdifferenzen zu beobachten. Wo liegen die Gründe für diese Unterschiede?
Werner: Das ist der Wettbewerb. Wenn eine Tankstelle tiefe Preise macht, dann müssen alle Anbieter in der Nähe auch auf diesen Preis nachziehen, sonst verlieren sie Kunden.
Oftmals sind das aber Tankstellenbetreiber, die noch andere Einkommensquellen haben und nicht nur vom Treibstoff leben. Wenn wir den günstigsten Preis überall in der Schweiz anbieten müssten, dann könnten wir unsere Löhne, Mieten und Kosten nicht mehr bezahlen.
Redaktion: Die Dieselpreise haben besonders stark angezogen, was die Transportbranche besonders stark zu spüren bekommt. Muss man damit rechnen, dass sich diese Entwicklung auf Konsumgüter und Lebensmittel auswirken wird?
Werner: Ja, ein hoher Dieselpreis ist Gift für die Wirtschaft, für uns als Tankstellenbetreiber und für die Konsumenten. Je länger die Preise hoch sind, desto eher werden sich die Kosten auch auf andere Güter übertragen. Auch deshalb hoffe ich sehr auf Regen und eine Entspannung im Iran.
Redaktion: Auch Heizöl hat sich massiv verteuert. Gelten hier dieselben Regeln der Preisbildung?
Werner: Grundsätzlich gelten die gleichen Faktoren. Es ist nur so, dass die Kunden und Kundinnen mehr Spielraum mit der Bestellung haben. Gerade im Sommer brauchen viele wenig oder kein Heizöl, und es wird mit einer Bestellung gewartet.
Wir hatten im August einen Bestellrückgang von 75 Prozent gegenüber einem normalen Monat. Das hat aber auch zur Folge, dass es zu Lieferengpässen kommen kann, wenn dann plötzlich alle bestellen.
Redaktion: Heizöl ist nach wie vor ein wichtiger Energieträger. Was würden Sie jemandem raten, der im bevorstehenden Halbjahr vor dem Entscheid steht, seinen Heizöltank füllen zu müssen?
Werner: Abwarten oder eher schnell handeln? Das ist eine sehr schwierige Frage, weil die Preisentwicklung vom Krieg im Iran und vom Regen abhängt – beides ist nicht vorherzusagen.
Ich persönlich würde aber so viel bestellen, dass es für die nächsten sechs Monate reicht. Das gibt Flexibilität. Es ist besser, etwas Heizöl zu haben, als leerzulaufen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.












