On-Chef sagt: «Die Woche hat 80 Stunden» - wirklich?

Vivian Balsiger
Vivian Balsiger

Zürich,

80-Stunden-Woche aus Leidenschaft? On-Chef Caspar Coppetti sorgt mit einem Satz für Aufsehen – und wirft einige Fragen auf.

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On-Chef Caspar Coppetti sagt, die Woche habe «80 Stunden». - SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • On-Chef Caspar Coppetti spricht in einem Interview von einer «80-Stunden-Woche».
  • Das Unternehmen setze auf Leistung, betont aber auch Erholung und flexible Arbeitszeiten.
  • Beim Sportartikelhersteller läuft es finanziell rund – der Umsatz steigt deutlich an.

Die 80-Stunden-Woche? Für die Chefs von On offenbar Realität.

Wer an der Spitze eines Milliarden-Unternehmens mitmischen will, muss liefern. Schlaf, Freizeit, Familie? Offenbar zweitrangig – zumindest im Top-Management.

On-Mitgründer und Co-CEO Caspar Coppetti steht offen und ehrlich zu seiner vollgepackten Woche und sagt schlicht: «Die Woche hat 80 Stunden.»

Ein Satz, der für Aufsehen sorgt.

Hintergrund: Coppetti und Mitgründer David Allemann haben Anfang Mai erneut gemeinsam die Rolle als Co-CEOs übernommen. Zusätzlich zum Präsidium des Verwaltungsrats.

Ganz neu ist die operative Veränderung jedoch nicht: Wirklich weg vom Tagesgeschäft waren die beiden nie.

Auf die Frage von «SRF», ob die Doppelrolle nun deutlich mehr Arbeit bedeute, grinst Coppetti nur und sagt trocken: «Die Woche hat 80 Stunden, das wissen wir ja alle.» Viel ändern werde sich deshalb nicht.

16 Stunden pro Tag?

Geht man von einer 5-Tage-Woche aus, würde das für den CEO 16 Stunden Arbeit pro Tag bedeuten. Eine gesunde Work-Life-Balance?

Nau.ch hakt nach und will mehr über die «80-Stunden-Woche» bei On wissen.

Mediensprecherin Karin Montani erklärt, ganz ernst könne man die Aussage von On-Chef Coppetti nicht nehmen: «Es handelte sich, wie das begleitende Grinsen unschwer erkennen lässt, um eine humorvolle und überspitzte Bemerkung.»

«Darin steckt ein Kern Wahrheit»

Ganz scherzhaft sei die Aussage aber nicht gewesen: «Dennoch steckt darin natürlich ein Kern Wahrheit», sagt Montani.

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Caspar Coppetti (l.) und David Allemann (m.) mit dem dritten On-Gründer Olivier Bernhard. - keystone

Die Führung eines global expandierenden, börsennotierten Unternehmens verlange der Geschäftsleitung ein «ausserordentlich hohes Engagement» ab. Das lasse sich nicht immer in klassischen 40-Stunden-Wochen messen.

Arbeiten bis zum Umfallen?

Bei On herrsche eine vom Spitzensport geprägte Kultur, erklärt die Sprecherin: «Höchstleistung erfordert vollen Einsatz.» Dieser sei jedoch «ohne die richtige Regeneration unmöglich».

Deshalb setze On laut eigenen Angaben stark auf Ausgleich – und zwar «über alle Stufen hinweg», wie Montani klarstellt: «Unter anderem stehen den Mitarbeitenden zahlreiche Sportmöglichkeiten direkt im Unternehmen zur Verfügung.»

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Roger Federer ist nicht nur Werbefigur, sondern an der Schuhmarke On beteiligt. - zVg

Auch Arbeitszeiten und Ferien seien für Mitarbeitende flexibel – natürlich «in Absprache mit ihren Vorgesetzten», so die Mediensprecherin.

Laut Montani kommt das gut an: «In jährlichen anonymen Umfragen äussert sich die überwältigende Mehrheit äusserst zufrieden mit der Work-Life Balance und der Vereinbarkeit von Sport und Arbeit.» Allein am Hauptsitz von On in Zürich arbeiten über 1000 Menschen.

80-Stunden-Woche aus «Leidenschaft»?

Coppettis «80-Stunden-Woche» zeugt offenbar von Herzblut: «Die Aussage von Caspar Coppetti bezog sich somit vielmehr auf die Leidenschaft und die Intensität, mit der wir alle bei On arbeiten.»

Und weniger auf eine mathematische Zeiterfassung, stellt die Mediensprecherin klar.

Gehst du deiner Arbeit auch leidenschaftlich nach?

Finanziell läuft es für On richtig rund: Zwischen Januar und März 2026 steigerte On den Umsatz um 15 Prozent auf 832 Millionen Franken. Währungsbereinigt lag das Wachstum sogar bei 26 Prozent – getragen von allen Regionen und Produktkategorien.

Roger Federer macht Marke beliebt

Auch Schweizer Tennis-Ikone Roger Federer mischte bei On kräftig mit: 2019 soll er rund 50 Millionen Franken in die Firma investiert haben. Zugleich wurde er zum prominenten Aushängeschild der Marke.

Gemeinsam mit weiteren Stars, etwa mit Hollywood-Star Zendaya, half er dabei, On weltweit bekannt zu machen. Und die Marke über mehrere Generationen hinweg zu positionieren.

Kommentare

User #1443 (nicht angemeldet)

Klingt nach Working Poor, kann man irgendwo spenden.

Luxy-1

Die Woche hat ja 168 Stunden, somit bleibt ja sicher noch genug Zeit für andere Dinge, wenn man denn seine Prioritäten so setzen möchte. Aber denkt Dran, Zeit kann man nicht kaufen.

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