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    «Notstand»: Unia prangert Zustände auf dem Bau während Hitze an

    Keystone-SDA
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    Obwalden,

    Hitzefalle Baustelle: Bauarbeiter schuften bei bis zu 39 Grad – Schutzregeln werden vielerorts ignoriert. Die Gewerkschaft Unia will jetzt durchgreifen.

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    Arbeitende haben diesen Sommer auf den Baustellen unter der extremen Hitze gelitten. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Auf vielen Baustellen werden laut Unia die Schutzregeln bei grosser Hitze nicht eingehalten.
    • Zwei Drittel der Bauarbeiter haben keine angepassten Arbeitszeiten, und über 80 Prozent bekommen keine regelmässigen Kühlpausen.
    • Unia fordert mehr Kontrollen und strengere Massnahmen zum Schutz der Bauarbeiter.

    Die zunehmend intensiven Hitzeperioden sind laut der Gewerkschaft Unia auf den Baustellen eine akute Gefahr. Eine aktuelle Umfrage bei Bauarbeitern zeige «ein erschreckendes Ausmass an Verstössen gegen die Schutzmassnahmen».

    Nötig seien nun klare und verbindliche Schutzmassnahmen. Die Gesundheit von rund 100’000 Arbeitnehmenden auf den Baustellen stehe auf dem Spiel.

    «Wohl niemand hat die Hitzewellen der letzten drei Monate stärker gespürt als die Bauarbeiter. Von oben brennt die Sonne und von unten kocht der Asphalt und das von früh bis spät.» So beschrieb Chris Kelley, Co-Leiter Sektor Bau der Gewerkschaft Unia, am Montag an einer Medienkonferenz in Bern die Lage auf den Baustellen.

    Gemäss Arbeitsgesetz ist der Arbeitgeber für den Gesundheitsschutz der Beschäftigten verantwortlich. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) hat entsprechende Schutzvorkehrungen zur Arbeit bei Hitze erarbeitet. Diese umfassen unter anderem mehr Pausen, Bereitstellung von Trinkwasser sowie Anpassungen bei Arbeitszeiten und Arbeitsorganisation.

    Ungenügender Schutz

    Als sinnvoll, aber angesichts der Intensität der heutigen Hitzewellen ungenügend, werden diese von der Gewerkschaft beurteilt. Es brauche jetzt «Taten statt bloss Worte, um die Gesundheit der Bauarbeiter zu schützen», forderten die Unia-Verantwortlichen. Denn eine Unia-Umfrage vom Juli bei rund 1000 Bauarbeitern aus verschiedenen Landesteilen habe «ein erschreckendes Ausmass an Verstössen gegen die Schutzmassnahmen» gezeigt.

    kühlpausen
    Über 80 Prozent der Baustellen machen ab 33 Grad keine regelmässigen Kühlpausen. - keystone

    Bei zwei Dritteln der Bauarbeiter gab es keine Anpassung der Arbeitszeiten. Selbst bei 39 Grad arbeiteten die allermeisten den ganzen Tag. Auf mehr als 80 Prozent der Baustellen gab es keine regelmässigen Kühlpausen ab 33 Grad wie von der Suva vorgesehen. Und nur jede dritte Baustelle verfügte über einen kühlen Pausenort. Jeder sechste Bauarbeiter gab zudem an, am Arbeitsplatz bereits ohnmächtig geworden zu sein oder miterlebt zu haben, wie ein Kollege zusammengebrochen ist.

    «Es gibt offensichtlich ein Problem mit der Um- und Durchsetzung der Schutzmassnahmen», erklärte Simon Constantin von der Sektorleitung Bau. Es gebe weder effektive Kontrollen noch Sanktionsmöglichkeiten bei Verstössen. Das habe Unia Wallis auch bei einer systematischen Erfassung der Massnahmen auf Baustellen im Kanton festgestellt.

    Klare Forderungen

    Nico Lutz von der Unia-Geschäftsleitung verwies auf die «vielversprechende Einigung der Sozialpartner» von 2024. Nach dieser sollten schwere und unbeschattete Arbeiten im Freien ab 33 Grad eingestellt werden. Bei einer Arbeitseinstellung sollten Bautermine entsprechend ohne Konventionalstrafe verlängert werden.

    Während der Nationalrat eine entsprechende Motion angenommen hat, ist diese aktuell im Ständerat hängig. Bisher sei es nicht gelungen, diese Regeln verbindlich festzulegen. Dies trotz eines breiten Konsenses, dass die heutigen Schutzbestimmungen nicht ausreichten, beklagte Lutz.

    Die Unia fordert daher eine verbindliche Verankerung der 33-Grad-Regel in der Bauarbeitenverordnung. Schwere Arbeiten im Freien sollen danach ab 33 Grad grundsätzlich unterbrochen werden, ausser es sind pro Stunde 15 Minuten Pause an einem gekühlten Ort möglich. Diese gesundheitsbedingten Ausgleichspausen sollen als Arbeitszeit gelten.

    Die Suva ist laut der Gewerkschaft das Vollzugsorgan dieser Verordnung. Könne sie deren Durchsetzung nicht sicherstellen, müsse eine andere Stelle (z.B. Kantone, Sozialpartner) mit den Kontrollen beauftragt werden, erklärte Lutz.

    Die Schlechtwetterentschädigung, die für längere Ausfälle im Winter konzipiert worden ist, ist laut Lutz für die zunehmend häufigen und kürzeren hitzebedingten Arbeitsausfälle nicht geeignet. Sie müsse daher an die heutige Realität angepasst werden.

    Hast du diesen Sommer bei der Arbeit unter der Hitze gelitten?

    Positiv überrascht zeigte sich Lutz vom Ergebnis einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage von «20 Minuten» und Tamedia bei 12’780 Personen aus der ganzen Schweiz. 81 Prozent der Befragten sprachen sich dabei für Hitzefrei für Bauarbeiter ab 33 Grad aus.

    Baumeister sehen Bauherren in der Pflicht

    Man nehme den Schutz der Arbeitnehmenden bei Hitze «sehr ernst», teilte der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Es seien aber auch die Bauherren gefordert, ihren Beitrag zu leisten und bei Hitzewellen die notwendige Flexibilität zu ermöglichen.

    Bereits heute würden Baustellen möglichst so organisiert, dass Mitarbeitende während Hitzeperioden bestmöglich geschützt seien. Es brauche «praxistaugliche Lösungen». Zwei besonders wirksame Massnahmen aus Sicht des SBV sind flexible Arbeits- und Bauzeiten während Hitzeperioden sowie der Verzicht auf Konventionalstrafen bei hitzebedingten Verzögerungen.

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    Kommentare

    User #4657 (nicht angemeldet)

    Keder sechste wurde bereits ohnmächtig oder hat Kollegen gesehen. Was soll diese undifferenzierte Aussage. Einer wird Ohnmächtig und die ganze Belegschfaft erfährt davon. Solche Aussagen sind bewusste Irreführung der Leser.

    User #1446 (nicht angemeldet)

    Mein Bruder hat in den 70 er Jahren als Hilfsarbeiter in einer Zinkerei gearbeitet. Er war damals noch Student. Schwefelsaeure Damp, ohne Schutzmaske, neun Stunden pro Tag und zwei Wochen Ferien. Und auch manche perversen oder alkoholiker Kollegen. Trotzdem kritisieren manche UNIA, und behaupten sogar, dass alles frueher besser war....

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