Neue Angriffe auf Saudi-Öl: Sprit wird noch teurer
Im Nahen Osten treffen neue Angriffe wichtige Handelsrouten für saudisches Öl. Schweizer Autofahrer dürften das bald an der Zapfsäule zu spüren bekommen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die neusten Entwicklungen im Nahen Osten lassen die internationalen Öl-Preise in die Höhe schiessen.
- In der Schweiz dürften als Folge davon die Treibstoffpreise ebenfalls steigen.
- Diesel dürfte «um ein paar Rappen teurer werden», ein Anstieg des Benzinpreises ist ebenfalls «wahrscheinlich».
Die Lage im Nahen Osten spitzt sich weiter zu: Zuletzt wurden vermehrt für saudisches Öl wichtige Transportrouten angegriffen. Hinzu kommen neue Angriffe der Huthi-Milizen im Jemen.
Bei einem Drohnenangriff wurde zudem die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien derart beschädigt, dass sie für mehrere Wochen grösstenteils ausser Betrieb bleibt.
Sie ist deshalb wichtig, weil sie die Strasse von Hormus umgeht. Durch die Pipeline fliessen laut «Focus» vier bis fünf Prozent des weltweiten täglichen Ölangebots.
Diese Entwicklungen haben Folgen für Ölpreise. Die für Europa wichtige Nordsee-Ölsorte Brent kostete am Montagmorgen 107.60 Dollar pro Barrel.
Eine deutliche Steigerung: Anfang Juli waren es noch 71.60 Dollar, ein Monat später 90.10 Dollar und zuletzt am 1. September 94.70 Dollar.
Was heisst das für Schweizer Autofahrerinnen und -fahrer?
Praktisch keine Importe aus Saudi-Arabien
Marco Wölfli vom Verkehrsclub TCS hält auf Anfrage zunächst einmal fest: «Die Schweiz importiert kein oder praktisch kein Rohöl aus Saudi-Arabien.»
Vergangenes Jahr habe die Schweiz 50 Prozent aus den USA und 35 Prozent aus Nigeria importiert. Die restlichen 15 Prozent hätten sich auf weitere Länder mit kleinen Anteilen verteilt.
Und: «Benzin kommt hauptsächlich aus Deutschland. Andere Herkunftsländer sind die Niederlande, Frankreich und Italien.»
Bei der letzten TCS-Erhebung vom Freitag sei der Durchschnittspreis in der Schweiz bei 2.05 Franken pro Liter für Bleifrei 95 gelegen. Und bei 2.30 Franken pro Liter für Diesel.
Diesel dürfte «um ein paar Rappen teurer werden»
Auswirkungen auf die Preise in der Schweiz haben die Entwicklungen trotzdem.
«An den Börsen ist der Dieselpreis in den letzten Tagen noch einmal gestiegen, beim Benzin war kein Preisanstieg zu bemerken. Das bedeutet, dass Diesel diese Woche wahrscheinlich noch einmal um ein paar Rappen teurer wird», erklärt Wölfli.
Laut Andreas Flütsch, CEO der Migrol AG, hat Saudi-Arabien einen wichtigen Einfluss auf die internationalen Märkte.
Er erklärt auf Anfrage: Für die Versorgung der Schweiz sei nicht die Herkunft einzelner Ölmengen entscheidend, sondern die Situation auf den internationalen Rohöl- und Produktmärkten insgesamt.
«Veränderungen bei Angebot, Nachfrage oder Transportwegen wirken sich auf die internationalen Rohstoffmärkte und deshalb auch auf die Schweiz aus.»
Auch Benzinpreis-Anstieg ist «wahrscheinlich»
Werden die Benzinpreise also auch steigen?
«Ja, das ist möglich und leider auch wahrscheinlich aufgrund der neusten Entwicklungen in Jemen», sagt Flütsch. Hinzu kämen mögliche Einschränkungen der Transportwege im Roten Meer. «Die internationalen Märkte reagieren derzeit sensibel auf die Entwicklungen im Nahen Osten.»
Angriffe auf wichtige Transport- und Versorgungsrouten könnten zu höheren Rohöl- und Beschaffungspreisen führen.
«Ob und in welchem Ausmass sich dies an den Schweizer Tankstellen bemerkbar macht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Darunter die weitere geopolitische Entwicklung, die Versorgungslage auf den internationalen Märkten sowie die Nachfrageentwicklung.»

Matthias Hübscher von der Volenergy AG (betreibt über 700 Tankstellen in der Schweiz) hält ebenfalls fest: «Wenn es um die Preisentwicklung geht, ist der internationale Handel auf jeden Fall für die Schweiz genauso massgebend.»
Und auch Ueli Bamert von Avenergy Suisse, das die Interessen der Treibstoff-Importeure vertritt, bestätigt das: Krisen wie der Irankrieg hätten sehr wohl einen Einfluss auf unseren Markt, da der Ölpreis global gehandelt werde.
Und: «Steigt der Ölpreis, steigen in der Regel auch die Zapfsäulenpreise. Ein weiterer Anstieg ist also durchaus möglich.»
Sorgen bereitet Hübscher von Volenergy zudem der weiterhin tiefe Rheinpegel. Deswegen müsse andauernd mit hohen Transportkosten gerechnet werden.
«Ich befürchte, dass dies kurzfristig nicht zu grösseren Preissenkungen führen wird», sagt Hübscher.













