Nach Likör-«Sauerei»: Feinkost-Laden verbietet Rucksäcke am Rücken
Ein Rucksack blieb an einem Zapfhahn hängen – und zack riss der Kunde einen Kaffeelikör mit. Nach einer «unheimlichen Sauerei» greift ein Berner Laden durch.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Berner Feinkostgeschäft «Vom Fass» kam es zu einem Likör-Malheur.
- Ein Rucksack verhedderte sich – ein Glasballon mit Likör fiel auf den Boden.
- Seither sollen die Kunden den Rucksack nicht mehr am Rücken tragen.
- Doch kaum einer hält sich an die neue Regel.
«Bitte beachten! Rucksäcke im Geschäft bitte in der Hand tragen – nicht auf dem Rücken.»
Seit wenigen Wochen hängt dieser Hinweis an der Tür des Feinkostgeschäfts «Vom Fass» in der Berner Altstadt.
Dort werden Öle, Essige, Weine, Whiskys und weitere Spirituosen offen verkauft. Kundinnen und Kunden können selbst entscheiden, welche Menge sie sich abfüllen lassen möchten.
Im ganzen Laden stehen Fässer und Glasballons mit den edlen Tropfen – und genau deshalb werden Rucksäcke zum Problem.
«Die Bändel und Henkel an Rucksäcken können schnell zum Verhängnis werden.» Das sagt Arianne Jöhr, Mitinhaberin «Vom Fass» Bern, zu Nau.ch.
«Unser Laden ist eng. Da reicht eine kurze Drehung – und schon ist es passiert», sagt sie.
Likör fällt wegen Rucksack aus Regal – «unheimliche Sauerei»
So kam es kürzlich denn auch zum Likör-Malheur.
«Ein Kunde blieb mit seinem Rucksack an einem Zapfhahn hängen. So riss er versehentlich einen Glasballon mit fünf Litern Kaffeelikör vom Regal. Das gab eine unheimliche Sauerei», schildert Jöhr die unschönen Szenen.

«Über eine ganze Woche lang klebte der Boden. Da konnte man noch so viel putzen – es half nichts», sagt sie.
Die Mitinhaberin betont, dass es nicht aus böser Absicht zum Missgeschick kam.
«Dem Kunden war es auch unangenehm. Er nahm den Schaden auf sich und schickte die Rechnung seiner Versicherung.»
Es war der erste Vorfall dieser Art. Doch: «Ich hatte schon lange damit gerechnet, dass es irgendwann passiert», sagt sie.
Um solche Zwischenfälle zu verhindern, hängt jetzt der Zettel am Eingang. Doch kaum jemand schenkt diesem Beachtung. «Es ist kein Verbot, sondern eine Bitte», erklärt sie.
«Fast jede und jeder hat einen Rucksack am Rücken. Wir müssen sie dann jeweils darauf hinweisen», sagt Jöhr.
Wem es zu mühsam ist, den Rucksack in der Hand rumschleppen zu müssen, könne diesen auch deponieren.
Geschäfte verbieten Rucksäcke wegen Langfingern
«Vom Fass» ist nicht der erste Laden mit einer Rucksack-Regel. Im vergangenen August berichtete Nau.ch über den Schuhladen Berger in Konolfingen BE.
Ein Mitarbeiter am Eingang empfängt die Kundschaft und weist Rucksack-Trägern den Weg zur Garderobe. Die Massnahme soll verhindern, dass jemand unbeachtet Schuhe im Rucksack mitgehen lässt.
Auch andere setzen auf diese Anti-Langfinger-Methode.
Schon 2009 setzte eine Volg-Filiale im Kanton Aargau auf ein Rucksackverbot. 2021 erteilte die Coop-Filiale in Täuffelen BE Jugendlichen Rucksackverbot im Laden. Auch eine Filiale der Migros-Tochter Voi verbot 2023 das Einkaufen mit eigenen Taschen.
Arianne Jöhr von «Vom Fass» erklärt, dass Diebstähle nicht der Grund für das Verbot von Rucksäcken auf dem Rücken seien. Doch auch dort seien Ladendiebstähle zunehmend ein Problem.
«Glücklicherweise sind die Kundinnen und Kunden meist nicht allein im Laden, sondern werden von uns beraten», sagt sie. «Doch kommen Kunden zu zweit oder als Gruppe in den Laden, können wir nicht über alles den Überblick behalten.»
Ladeninhaberin: «Diebstähle nehmen zu»
Die Folge: «Gerade unsere teuren Whiskys werden hie und da gestohlen. Solche Diebstähle nehmen leider zu.»
Die Unternehmerin schmerzt das sehr. «Die kleinen Läden in den Städten haben ohnehin seit Jahren zu kämpfen. Da ist jeder Diebstahl umso ärgerlicher.»
«Vom Fass» ist eine Firma aus Deutschland. Die 235 Geschäfte in zehn Ländern werden im Franchise-Modell betrieben.
Heisst: Die Inhaber jeder Filiale beziehen die Ware aus der Zentrale, arbeiten aber selbstständig. Entsprechend tragen sie auch das Risiko allein – so auch bei Ladendiebstählen.
















