Nach Fall Tamy Glauser – weiteres Model erlebt Racial Profiling
Tamy Glauser spielte nach der angeblichen Attacke einer Security-Frau auf ihr Aussehen an. Model David Beer macht im ÖV oft Erfahrungen mit Racial Profiling.

Das Wichtigste in Kürze
- «Situationen mit Racial Profiling habe ich am Bahnhof über die Jahre immer wieder erlebt», sagt Model David Beer.
- Ist er mit weissen Freundinnen unterwegs, erlebt er dagegen kaum solche Kontrollen.
- Racial Profiling ist laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus eine verbreitete Praxis.
Model Tamy Glauser macht ihr Äusseres für die Attacke einer Angestellten der SBB-Security verantwortlich. Sie sei es leid, bewertet zu werden, «nur weil ich aussehe, wie ich aussehe», sagt die 41-Jährige.
Im August sorgte Glauser mit Gewaltvorwürfen gegen die Angestellte für Schlagzeilen. Diese soll sie wegen eines Vorfalls am Hauptbahnhof Zürich zu Unrecht verdächtigt haben und handgreiflich geworden sein.
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Glauser hat nigerianische Wurzeln. Mit ihrer Aussage stellt sie den Vorwurf von Racial Profiling in den Raum. Im Falle von Racial Profiling hätte die Angestellte sie zum Beispiel aufgrund ihrer Hautfarbe automatisch für eine Tat verdächtigt.
Ob sich Glauser konkret auf Racial Profiling bezieht, hat sie auf Anfrage nicht beantwortet. Klar ist aber: Racial Profiling ist in der Schweiz keine Seltenheit.
«Nannten keinen konkreten Grund»
«Situationen mit Racial Profiling habe ich am Bahnhof über die Jahre immer wieder erlebt», sagt Model David Beer zu Nau.ch. Die Mutter des 26-Jährigen stammt aus Mosambik, der Vater ist Schweizer.
Als Jugendlicher habe er in Aarau das zehnte Schuljahr besucht und sei am Bahnhof mehrfach kontrolliert worden, sagt Beer. Auffällig sei für ihn schon damals eine Tatsache gewesen: «Solche Kontrollen kamen vor allem dann vor, wenn ich mit dunkelhäutigen Freundinnen und Freunden unterwegs war.» Wenn er mit weissen Freundinnen unterwegs sei, werde er dagegen praktisch nie kontrolliert.
Ähnliche Situationen hat Beer später auch in Zürich erlebt – sowohl am Hauptbahnhof als auch in der Stadt.
Er habe manchmal nach dem konkreten Grund für die Kontrolle gefragt. «Dann hiess es meistens lediglich, es handle sich um eine ‹allgemeine Personenkontrolle›». Manchmal fragte er auch nach, ob seine Gruppe aufgefallen sei oder es einen bestimmten Anlass für die Kontrolle gebe. «In der Regel nannten die Securitys keinen konkreten Grund.»
Überraschte Reaktionen
Die Kontrollen wollte David Beer aber nicht gleich auf seine Hautfarbe zurückführen.
«Ich möchte niemandem pauschal Rassismus unterstellen», sagt er. Er könne die Motivation einer einzelnen Polizistin, eines einzelnen Polizisten oder einer anderen Person nicht kennen.
Die Erfahrungen seiner weissen Freundinnen und Freunde liessen aber Zweifel aufkommen. «Sehr viele sagen mir, dass sie noch nie einfach so von der Polizei oder von Securitys kontrolliert wurden.» Teilweise könnten sie kaum glauben, wenn er ihnen erzähle, wie häufig ihm das bereits passiert sei.
Racial Profiling sei eine weit verbreitete Praxis
Im Sicherheitsbereich registriert der aktuelle Bericht des Beratungsnetzes für Rassismusopfer 120 Beratungsfälle. Im öffentlichen Verkehr sind es 50 Fälle.
«Bei insgesamt 1245 verzeichneten Beratungsfällen betreffen damit mehr als zehn Prozent der Fälle einen dieser Lebensbereiche», sagt Alma Wiecken. Sie ist Geschäftsführerin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR). «Bei wievielen dieser Fälle es sich aber um Racial Profiling handelt, ist nicht bekannt.» Die EKR führe keine Statistik über Racial Profiling.
Racial Profiling ist laut Wiecken in der Schweiz jedoch eine verbreitete Praxis. «Wir bekommen regelmässig Beschwerden von Personen, die berichten, aufgrund von äusseren Merkmalen kontrolliert oder anders behandelt worden zu sein.» Die Vorfälle ereigneten sich im ÖV oder an Flughäfen.
Es brauche klare Vorgaben
Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus GRA nimmt die ÖV-Betriebe in die Pflicht. «Entscheidend ist, dass die SBB und weitere ÖV-Verbände klare Vorgaben, regelmässige Schulungen und niederschwellige Meldewege sicherstellen.» Dies sagt GRA-Geschäftsleiter Philip Bessermann.

Diskriminierende Vorfälle seien in diesem Kontext kein neues Phänomen, sagt er. «Kontrollsituationen sind zudem mit einem Machtgefälle verbunden.» Konflikte könnten von beiden Seiten ausgehen. «Rassistische Zuschreibungen treffen jedoch in erster Linie Personen, die aufgrund äusserer Merkmale wahrgenommen werden.»
David Beer glaubt nicht, dass Securitys Personen bewusst wegen ihrer Hautfarbe kontrollieren. «Ich kann mir vorstellen, dass solche Entscheidungen teilweise unbewusst getroffen werden», sagt er.
Genau darin liege ein Teil des Problems. «Es braucht deshalb vor allem mehr Bewusstsein und Selbstreflexion.» Polizei und Sicherheitsdienste sollten immer wieder ihre Kriterien für die Auswahl der Personenkontrollen kritisch hinterfragen.
Sensibilisierung findet statt
Die SBB stellt klar, dass sie jegliche Form von rassistischer Diskriminierung oder Kontrollen aufgrund der Hautfarbe strikt ablehne. «Kontrollen haben sich an objektiven Kriterien zu orientieren», sagt Mediensprecherin Mara Zenhäusern. Kundinnen und Kunden, die sich unwohl fühlten, können sich jederzeit an den Kundendienst wenden.

Das Bahnunternehmen hat bereits Massnahmen gegen Racial Profiling getroffen.
«Die Mitarbeitenden des Sicherheitspersonals und der Transportpolizei sind geschult und werden für diese Themen regelmässig sensibilisiert», sagt Zenhäusern. Zudem verpflichte der Verhaltenskodex der SBB alle Mitarbeitenden zu fairem, respektvollem und korrektem Verhalten.
«Diskriminierung wird von der SBB nicht toleriert.» Ihre Richtlinien und Verfahren widersprächen klar und deutlich dem Racial Profiling.

















