Missbrauchsfall in Aargau zeigt erschreckende Täterpsychologie
Der Missbrauchsfall um einen Aargauer Ex-Politiker zeigt, welch perfide Motive hinter sexueller Gewalt stecken können.

Der Missbrauchsfall zieht immer weitere Kreise. Die Aargauer Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe für den ehemaligen SVP-Grossrat.
Er soll mehrere Frauen mit K.-o.-Tropfen betäubt, missbraucht und die Taten gefilmt haben, berichtet «swissinfo.ch».
Ein Vorfall im September 2023 war Auslöser der Ermittlungen. Die Mutter der Minderjährigen habe den Beschuldigten während einer mutmasslichen Tat überrascht und die Polizei alarmiert. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Missbrauchsfall mit langer Anklageliste
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau wirft dem Beschuldigten mehrfache Vergewaltigung, Schändung, sexuelle Handlungen mit Kindern und versuchten Mord vor. Seine Taten soll er gefilmt haben, berichtet der «Tagesspiegel».
Die Opfer seien mehrfach in einen sehr lebensbedrohlichen Zustand versetzt worden. Dies berichtete zum Missbrauchsfall der Sprecher der Aargauer Staatsanwaltschaft, Adrian Schuler, schreibt das «SRF».
Die Verabreichung von K.-o.-Tropfen werte die Anklage als versuchten Mord, weil die Opfer hätten ersticken können.
Keine Tat ohne Motiv
Doch was treibt Männer zu solchen Verbrechen? Forensik-Experte Jérôme Endrass, tätig im Zürcher Justizvollzug, sieht nicht das eine erklärende Motiv, wie das «SRF» festhält.
Für manche Täter seien Missbrauchsvideos schlicht Tauschmaterial in Darknet-Gruppen. Für andere stehe das Festhalten der Taten im Vordergrund.
Laut Endrass gebe es bei Tätern auch eine ausgeprägte Sammelleidenschaft: «Den Tätern ist es wichtig, eine Art Trophäe zu besitzen. Sie gibt ihnen ein Gefühl der Kontrolle, der Dominanz, der Macht.»
Radikalisierung durch Internetforen
Viele Sexualstraftäter steigerten sich laut dem Experten über Jahre in extremere Gedankenwelten hinein.

Das geschehe besonders in Foren, in denen sogenannte Vergewaltigungsmythen verbreitet werden, berichtet das «SRF».
Endrass zufolge wäre es präventiv sinnvoll, solche Plattformen zu kontrollieren und aktiv gegen die Verharmlosung von Missbrauch vorzugehen. Der aktuelle Fall sei damit nur ein weiteres Beispiel für ein weitreichendes gesellschaftliches Problem.








