Magic Pass schreibt Rekord: Noch vollere Berge? Ski-Legende kontert
Die Ski-Saison endet. Magic Pass schreibt für nächste Saison einen Verkaufs-Rekord. Ein Experte erwartet Gedränge. Ski-Ikone Mike von Grünigen sieht's gelassen.

Das Wichtigste in Kürze
- Magic Pass will 400'000 Abos für die Saison 26/27 verkaufen – absoluter Rekord.
- Ein Experte warnt, dass es zu Gedränge kommen kann.
- Ski-Legende Mike von Grünigen ist heute Ski-Trainer in Schönried.
- «Es kann zu Wartezeiten kommen, aber was sind schon 15 Minuten im Leben», sagt er.
Magic Pass hat ein Jahr voller Rekorde hinter sich. 321'400 verkaufte Berg-Pässe in der Saison 25/26. So viele wie noch nie.
Eigentlich strebte man nun eine Stabilisierung der Abonnentenzahl an. Es kommt aber ganz anders.
Schon im ersten Monat der Verkaufs-Phase für die nächste Saison gingen bis Anfang April 341'000 Abos über den Tisch. Die Herausgeber rechnen plötzlich mit bis zu 400'000 verkauften Abos für die Saison 26/27, welche am 1. Mai beginnt.
Besorgte Skifahrer wegen vollen Pisten – Magic Pass widerspricht
Hört man sich um, sorgt dies bei Ski- und Wander-Fans für keine Freudensprünge. Die Sorge: Noch vollere Berge, noch vollere Pisten. Bereits jetzt habe sich der Magic-Pass-Verkaufsrekord bemerkbar gemacht, sagen viele.
Sébastien Travelletti, Direktor von Magic Pass, widerspricht gegenüber Nau.ch. «Jedes Skigebiet, ob mit oder ohne Magic Pass, verzeichnet an fünf bis zehn Tagen pro Winter einen hohen Andrang. Dieses Phänomen gab es bereits vor dem Magic Pass.»
Für die neue Saison rechne man mit sechs Tagen, an denen mehr als 70'000 Kunden gleichzeitig in Magic-Pass-Gebieten unterwegs seien. Der Magic Pass habe vor allem zu einer besseren Verteilung über den gesamten Winter geführt.
Experte warnt vor «Gedränge» und teuren Hotels
Mobilitäts-Experte Silvio Sticher von der Hochschule Luzern sieht die höhere Grundauslastung einerseits ebenfalls als Chance. Viele kleinere Skigebiete hätten eine Infrastruktur, die für ein grösseres Publikum ausgelegt sei.
Andererseits gibt es aber auch Risiken im Verkaufs-Rekord – etwa: «Crowding («Gedränge», Anm. d. Redaktion) nicht nur auf der Piste, sondern auch auf den Strassen zu den Skigebieten.»
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Durch Abo-Angebote wie den Magic Pass sei «klar zu erwarten, dass die Nachfrage insgesamt steigen wird». Das würden Erfahrungen aus dem Ausland zeigen. So habe etwa der Epic Pass zu einem Boom geführt.
Zudem warnt Sticher vor Preisanstiegen in Hotellerie und Gastronomie, die den günstigeren Skipässen entgegenwirken. «Diese Preisanstiege gelten selbstredend auch für Anwohnende und andere Personen, welche nicht zu den Magic Pass-Nutzenden gehören.»
Ski-Legende Mike von Grünigen: «Was sind schon fünfzehn Minuten...»
Zum Magic Pass gehört auch das Gebiet Gstaad. Dort ist die Schweizer Ski-Legende Mike von Grünigen (57) viel unterwegs. Der zweifache Riesenslalom-Weltmeister und 23-fache Weltcupsieger ist heute Ski-Trainer im Skiclub Schönried.

Angst vor den Rekord-Zahlen hat er nicht. «Seine» Region lebe vom Tourismus. Dank Magic Pass sei es gelungen, die «tote Zeit» im Januar und März zu stopfen und rentabel zu machen.
Zu den Sorgen der Skifahrer sagt er: «Vielleicht kann es sein, dass es an einzelnen Orten zu Wartezeiten kommt. Aber was sind schon zehn, fünfzehn Minuten im Leben...»
Auch für sich selbst gelte, dass man die persönlichen Interessen manchmal hinten anstellen müsse. Er sehe es als Chance. «Übrigens: In meiner Kindheit waren Wartezeiten an Bergbahnen die Regel», so von Grünigen.
Immer weniger Leute fahren im Alpenraum Ski
Magic Pass schreibt zwar einen Rekord-Verkauf. Tourismus-Forscher Romano Wyss unterstreicht aber: «Skier-Days, also die Anzahl verkaufter Skitage über den Alpenraum haben seit den 1990er-Jahren um circa einen Drittel abgenommen. Auch in der Schweiz.»
Insbesondere für kleinere Destinationen seien Angebote wie der Magic Pass eine willkommene Möglichkeit, um ihre Kundenbasis zu halten. Oder sogar leicht auszubauen. Zum Beispiel profitieren die Freiburger Voralpengebiete von mehr Skifahrern aus dem Raum Bern.
Bald 500'000 Magic-Pässe?
Ja, punktuelle Überlastungen von Pisten-Infrastrukturen gebe es, sagt Wyss. «Meiner Erfahrung nach sind diese aber eher auf den Ausbau von Zubringerbahnen als Angebote wie Magic Pass zurückzuführen.»
Die Sorgenfalten bei manchen Skifahrern bleiben mit Ausblick in die Zukunft dennoch. Magic Pass sieht seinen Aufstieg noch nicht als beendet.
«Wir schätzen, dass wir in der Schweiz mit einem grösseren Netzwerk ein Potenzial von etwa 500'000 Kunden haben», prognostiziert Travelletti.

















