Magic Pass boomt: Doch wie wird der Millionen-Kuchen verteilt?
Der Magic Pass verkauft so viele Abos wie noch nie. Direktor Sébastien Travelletti erklärt, welche Skigebiete wie viel vom Verkaufserlös erhalten.

Das Wichtigste in Kürze
- Magic Pass verkaufte in dieser Saison 321’400 Abos und wächst auf über 100 Wintergebiete.
- Wintererlöse fliessen über garantierte Beträge und Punkte pro Skitag an die Destinationen.
- Langfristig sieht Magic Pass ein Marktpotenzial von rund 500’000 Kunden.
Der Tarifverbund Magic Pass wächst weiterhin rasant: Nach einem Rekordjahr mit 321’400 verkauften Abos (+63 Prozent) wird das Netzwerk ab 2026/2027 auf über 100 Winterdestinationen erweitert.
Zum zehnjährigen Jubiläum führt Magic Pass zudem das Angebot «Magic Travel» ein: Abonnenten erhalten im Winter testweise fünf Tagesfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln von ihrem Wohnort in alle Magic-Pass-Skigebiete.
Mit dem aussergewöhnlichen Wachstum stellt sich auch die Frage: Wer bekommt eigentlich wie viel vom Verkaufskuchen ab?
So fliesst das Geld beim Magic Pass
Wie Magic-Pass-Direktor Sébastien Travelletti gegenüber Nau.ch festhält, erfolgt die Verteilung nach einem mehrstufigen System. Dabei gilt als Basis: Zehn Prozent der Einnahmen werden dem Sommer zugerechnet, 90 Prozent dem Winter.
Im Sommer wird jeder Besuch anhand des durchschnittlichen Ticketpreises bewertet, der im vorherigen Sommer vor Ort verlangt wurde, erklärt Travelletti.
Im Winter gibt es zunächst einen garantierten Betrag von rund 40 Millionen Franken für eine definierte Anzahl Skitage. Dies unabhängig von der effektiven Öffnungsdauer der Gebiete.
Weitere 76 Millionen Franken würden danach über die zusätzlichen Skitage verteilt. Dabei wird jeder Skitag mit Punkten bewertet, die auf dem Tageskartenpreis für Erwachsene der jeweiligen Destination basieren.
«Die Verteilung erfolgt nach der Anzahl der erzielten Punkte im Verhältnis zur Gesamtpunktzahl aller Reiseziele», so Travelletti.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen mit einer Tageskarte zu 70 Franken, das zusätzlich zur Garantie 100'000 Skitage erzielt, erhält sieben Millionen Punkte.
Wenn alle Mitglieder zusammen 140 Millionen Punkte sammeln, erzielt dieser Verein fünf Prozent der Punkte und erhält somit fünf Prozent der 76 Millionen Franken aus der zweiten Verteilung. Also 3,8 Millionen Franken zusätzlich zur Garantie.
«Deutlich breitere Verteilung der Gäste über Wintersaison»
Für viele Skigebiete ist der Magic Pass ein Segen, wie das Beispiel Gstaad BE zeigt.
Inna Feller, Sprecherin der Bergbahnen Destination Gstaad AG, hält gegenüber Nau.ch fest: «Seit dem Beitritt zum Magic Pass beobachten wir vor allem eine deutlich breitere Verteilung der Gäste über die gesamte Wintersaison.»
Früher habe sich die Nachfrage stark auf wenige Spitzentage konzentriert. Heute seien vor allem Randzeiten besser ausgelastet.
«Besonders vor Weihnachten, nach Silvester sowie an den vielen Wochentagen im Januar ist die Nachfrage spürbar gestiegen», sagt Feller.

Die Gästezahl sei mit dem Magic Pass im Durchschnitt um 36 Prozent gestiegen. Der Verkehrsertrag im Zeitraum November bis März liege nun bei rund 24 bis 25 Millionen Franken. «Das entspricht einem Plus von rund fünf Millionen Franken gegenüber der Vorsaison», so Feller.
Von der besseren Auslastung profitierten nicht nur die Bergbahnen, sondern auch Gastronomie sowie die Hotellerie und Parahotellerie.
Kein zusätzlicher Nutzen für GA-Besitzer
Neu beim Magic Pass ist auch die Integration des öffentlichen Verkehrs. Heisst konkret: Besitzer können im Winter fünfmal gratis von ihrem Wohnort nach Gstaad, Saas Fee, Leysin und in alle weiteren beigetretenen Skigebiete reisen.
Das Projekt wird laut Travelletti hauptsächlich vom Magic Pass und den beteiligten Bergbahnen finanziert. Ein Teil der Kosten werde vom ÖV im Rahmen einer bestehenden Standardlösung getragen.
Auch die Kantone Waadt und Wallis unterstützen das Pilotprojekt finanziell. Mit Bern, Freiburg, Luzern und Obwalden steht man zudem «in fortgeschrittenen Verhandlungen», so Travelletti. Ziel sei es, nach der Testphase ein dauerhaftes Angebot aufzubauen.
Doch nicht alle profitieren gleich stark vom neuen ÖV-Angebot. Besitzer eines Generalabonnements (GA) erhalten keinen Ausgleich, obwohl sie die fünf Gratisfahrten nicht zusätzlich nutzen können.
Magic Pass begründet dies mit dem Mobilitätsverhalten der Kundschaft. «Über 90 Prozent unserer Kunden nutzen das eigene Auto, um zu den Magic-Pass-Destinationen zu gelangen», erklärt Travelletti.
In einer Kundenumfrage hätten weniger als fünf Prozent der GA-Besitzer angegeben, den öffentlichen Verkehr für Freizeitaktivitäten zu nutzen.
Wachstum mit Grenzen: 500’000 Kunden als Maximum
Trotz des starken Verkaufswachstums sieht Magic Pass eine natürliche Obergrenze. Das nationale Potenzial liege bei maximal rund 500’000 Kunden.
Damit würde der Pass etwa 25 Prozent aller Skitage in der Schweiz abdecken. Heute liegt der Marktanteil mit 90 teilnehmenden Bergbahnen bei rund 16 Prozent.
«Daher müssten wir unser Destinationsnetzwerk um 50 Prozent auf 130 bis 140 Unternehmen erweitern, um dieses Potenzial auszuschöpfen», so Travelletti.












