Stadt Zürich

Letztes Spiel vorbei: Ruhe in Frieden, Utogrund!

Max Kern
Max Kern

Zürich,

Abschied Nach 114 Jahren ist Schluss. Das Stadion Utogrund hat sein letztes Fussballspiel erlebt. Jetzt fahren die Bagger auf.

Utogrund
Bild mit Symbolkraft: Baukräne im Hintergrund umrahmen das letzte Spiel im alten Stadion Utogrund. - Max Kern

1830 Fans pilgern am letzten Samstag zur Dernière an der Ecke Dennler-/Albisriederstrasse. Wohl keiner von ihnen wird gewusst haben, dass der FC Zürich an dieser Stätte vor 102 Jahren in seinem damaligen Heimstadion den zweiten Meistertitel der Klubgeschichte feierte. Und dass im Utogrund am 27. Juni 1920 ein geschichtsträchtiges Länderspiel stattfand.

Die Schweiz empfing zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges Kriegsverlierer Deutschland. 8000 Fans zahlten Eintritt. Hunderte verfolgten den Match ausserhalb der Zäune, die jüngeren von ihnen standen auf ihren Fahrradrahmen, um ein paar Blicke zu erhaschen. Aus Protest gegen Deutschland boykottierten die welschen Klubs das Spiel.

Warst du mal an einem Spiel im Stadion Utogrund?

Der Basler Oskar Merkt, bei Servette Genf unter Vertrag, hielt sich nicht ans Verbot und wurde deshalb entlassen. Die Schweiz gewann dank Toren von Meyer (2), Afflerbach und Ramseyer mit 4:1. 106 Jahre später stehen sich im Utogrund in der ersten Runde des Schweizer Cups Zürich City SC aus der 2. Liga interregional und der Super-League-Absteiger FC Winterthur gegenüber. Die Uhr am Garderobengebäude ist offenbar schon an irgendeinem Tag vor dem Kickoff (17: 30 Uhr) um 17: 55 Uhr stehengeblieben.

Bratwürste gibt’s nur gegen Twint oder Kreditkartenbezahlung – willkommen im Jahr 2026. Der Bierstand – das dringt bis in die Speakerkabine vor – hat zwischenzeitlich keinen Strom. Gejubelt wird trotzdem. Der Unterklassige geht in der 22. Minute dank einem Kopfball von Renato Spahiou mit 1:0 in Front.

Zürich City
Ein letztes Handshake auf dem ehrwürdigen Rasen: Die Spieler des FC Winterthur und des Zürich City SC verabschieden sich voneinander und vom Schiedsrichtergespann um Desirée Blondi (in schwarz mit Dutt). - Max Kern

Gleich nach dem Hydration Break – das gab’s im Utogrund 1920 mit Bestimmtheit noch nicht – gleicht der Elsässer Brian Beyer für «Winti» aus. Nach einem Traumpass des ehemaligen Schweizer Nati-Spielers Luca Zuffi (sein Vater Dario sitzt als Co-Trainer auf der FCW-Bank) erhöht Elias Maluvunu auf 2:1 für den Favoriten. In der Nachspielzeit langt nochmals Beyer zu. 3:1 endet das letzte Spiel im ehrwürdigen Utogrund.

Um 19: 22 Uhr pfeift Schiedsrichterin Desirée Blanco die Dernière ab. Der Himmel weint ein paar wenige Tränen.

Instandsetzung bis 2031

Übrigens: Der Name Utogrund leitet sich aus «Uto» (für den Hausberg Üetliberg) und «Ground», dem englischen Wort für Spielfeld, ab. Bald fahren auf der Anlage Utogrund die Bagger vor. Das Zürcher Stimmvolk hat den Ausführungskredit von 138 Millionen mit 78,32 Prozent Ja-Stimmen bewilligt.

Die Stadt schreibt zum Projekt: «Das bestehende Schulhaus aus den 1940er-Jahren kommt mit Platz für sieben Klassen an seine Kapazitätsgrenzen. Aus diesem Grund soll mit einem Ersatzneubau der Schulanlage Utogrund Schulraum für 18 Primarklassen im Tagesschulbetrieb geschaffen werden. Der Ersatzneubau soll neben Unterrichts- und Verpflegungsräumen auch Räume für die Musikschule Konservatorium Zürich sowie eine Doppelsporthalle umfassen, die an den Abenden sowie am Wochenende auch dem Vereinssport dient. Ergänzend zur neuen Schulanlage wird auch die Sportanlage Utogrund instandgesetzt: Das Rasenspielfeld, die Leichtathletikanlage sowie die Zuschauertribüne werden erneuert.» 2031 soll die Bauzeit beendet sein.

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

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