KI übersetzt Deutsche Notrufe – Schweizer winken ab
In Deutschland wird in Leitstellen KI eingesetzt, um Notrufe in Fremdsprachen in Echtzeit zu übersetzen. In der Schweiz setzt man noch auf das Personal.

Das Wichtigste in Kürze
- In Deutschland übersetzen einzelne Leitstellen Notrufe bereits mithilfe von KI in Echtzeit.
- Schweizer Notrufzentralen setzen weiterhin auf geschulte Mitarbeitende statt auf KI-Übersetzung.
- Kantone organisieren ihre Notrufzentralen selbst – Neuerungen können unterschiedlich schnell kommen.
Wer einen Notfall hat und den Notruf wählt, steckt meist in einer stressigen Situation. Es ist wichtig, dass so schnell wie möglich Hilfe kommt – jede Sekunde zählt.
Doch was ist, wenn die Person in der Notrufzentrale wegen einer Sprachbarriere nicht versteht, was passiert ist?
In Deutschland haben genau darum mehrere Notrufzentralen und Leitstellen aufgerüstet. Sie setzen Künstliche Intelligenz zur Übersetzung von Notrufen ein. So können Anrufende ihren Notfall in ihrer Muttersprache schildern. Und die KI übersetzt die Aussagen in Echtzeit für die Einsatzkräfte.
Und in der Schweiz?
Die Kantonspolizeien Bern, Zürich und Luzern erklären auf Anfrage von Nau.ch: Man vertraut auf das Personal. KI zur Übersetzung ist in ihren Zentralen im Moment kein Thema.
Verständigung trotz Sprachbarrieren möglich
Die Mitarbeitenden in den Notrufzentralen seien geschult und routiniert. In der Regel sprechen sie Deutsch und Englisch. Häufig kommen Französisch oder Italienisch hinzu. Und sie bleiben auch ruhig, wenn sie nicht auf Anhieb alles verstehen.
Von der Kantonspolizei Luzern heisst es: «In der Praxis zeigt sich, dass trotz sprachlicher Barrieren in der Regel eine Verständigung möglich ist.»
Zudem gebe es in Luzern eine interne Übersicht über die Sprachkenntnisse der Mitarbeitenden. Bei Bedarf könne so eine Person mit den passenden Kenntnissen telefonisch beigezogen werden.
Auch die Kantonspolizei Zürich bestätigt: «Bei fremdsprachigen Anrufenden gelingt es in der Regel, sich so weit zu verständigen, dass das Anliegen geklärt werden kann.»
Im Zweifelsfall kontrolliert Polizei
Und wenn eine sprachliche Verständigung trotzdem scheitert? Die Kantonspolizei Bern erklärt: «Im Zweifelsfall werden die Einsatzmittel an den durch das Mobiltelefon angegebenen Einsatzort geschickt.»
Heisst: Polizistinnen oder Polizisten kontrollieren die Situation direkt vor Ort.
Seit Juli 2022 müssen bei Notrufen über Mobilfunk genauere Standortinformationen übermittelt werden als früher. Das schreibt das Bundesamt für Kommunikation auf seiner Website.
Die Kantonspolizei Bern lässt offen, ob KI künftig eine Rolle spielen könnte. Ihr Sprecher sagt: «Wir prüfen fortlaufend verschiedene technologische Möglichkeiten und führen gegebenenfalls erste Abklärungen durch.» Diese befänden sich aber noch in einem frühen Stadium.
Auch rechtliche Fragen seien noch offen. Der Einsatz von KI im Notfallbereich wirft Datenschutz-Fragen auf. Diese müssen erst geklärt werden, bevor neue Technologien eingesetzt werden.
Das Schweizer Notrufsystem steht unter kantonaler Hoheit. Das bedeutet: Jeder Kanton organisiert seine Notrufzentrale selbst. Deshalb können technologische Neuerungen von Kanton zu Kanton unterschiedlich schnell eingeführt werden.













