In Basel ist das inklusive Kulturfestival Wildwuchs am Donnerstag mit einem Reigen von Soloprojekten eröffnet worden. Trotz der Coronakrise setzt das Festival bis am 6. Juni konsequent auf Live-Events.
Coronakonforme Spielstätte im Rahmen des Festivals Wildwuchs in Basel.
Coronakonforme Spielstätte im Rahmen des Festivals Wildwuchs in Basel. - sda - Keystone/Dominique Spirgi

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Reithalle der Kaserne Basel steht eine kreisrunde geschlossene Arena, die an das Setting der einstigen Peep Shows erinnert.

Rund um den abgetrennten Innenraum finden in Nischen gegen 20 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz. Plexiglas-Scheiben geben den Blick in die Arenabühne frei. Dort hebt die junge Tänzerin Daria Wittwer zu einem akrobatischen Pas de deux mit einer Kiste ab.

Dieses Setting ist in höchstem Masse coronakonform. «Als wir das Festival planten, waren die Schutzmassnahmen noch sehr streng ausgelegt», sagt Festivalleiterin Gunda Zeeb. «Im März wussten wir gar nicht, ob überhaupt etwas stattfinden kann und wenn, dann nur unter strengen Abstandsregeln.»

Man habe aber trotzdem stets am Prinzip des Live-Events festgehalten, so Zeeb weiter. «Ein Festival, das auf Begegnungen zwischen nichtbehinderten und beeinträchtigten Menschen setzt, kann nicht in den virtuellen Raum ausweichen.»

Jetzt fällt das Festival just in die Übergangsphase zu den vom Bundesrat verkündeten weiteren Öffnungsschritten. Das führt dazu, dass der grosse Doppelabend mit der algerischen Tänzerin Laila White sowie Performerinnen und Performern der Zürcher Hochschule der Künste am Sonntag in der grossen Reithalle nur vor 50 Zuschauerinnen und Zuschauern stattfinden kann, während zu den weiteren Projekte ab Montag 100 Leute Einlass finden dürfen.

Das Festival Wildwuchs versteht sich als inklusive Veranstaltungsreihe. Das heisst, dass auf der Bühne und im Zuschauerraum Künstlerinnen und Künstler sowie Menschen ohne und mit Behinderung zusammengebracht werden sollen.

Festivalleiterin Zeeb legt den Begriff Behinderung weiträumig aus. So sind im Programm auch Projekte mit oder über Menschen zu finden, die sich nicht explizit körperlich oder geistig bedingt an den Rändern der Gesellschaft befinden - etwa Obdachlose, ehemalige Drogensüchtige oder Menschen, die sich in einer rassistischen Umgebung zurechtfinden müssen.

Letzteres zeigt sich zum Beispiel in der Installation «Stricken» von Magda Korsinsky. In sechs Videointerviews äussern sich afrodeutsche Frauen unter anderem zu den einmal mehr, ein anderes mal weniger angespannten Beziehungen zu ihren weissen Grossmüttern.

Das Festival Wildwuchs auf dem Basler Kasernenareal und im Theater Roxy in Birsfelden läuft bis am 6. Juni. Mit zum Programm gehören auch künstlerische Besuche in Behinderteneinrichtungen. Zudem kann man gewisse Performances zu sich nachhause einladen.

Mehr zum Thema:

Bundesrat Theater