Kriege und Krisen: Das macht die unsichere Weltlage mit Jugendlichen

Belinda Schwenter
Belinda Schwenter

Basel,

Globale Krisen, Klimawandel und die ständige Flut an Nachrichten auf Social Media belasten viele Jugendliche psychisch.

Psyche
Eine Expertin erklärt, wie sich die unsichere Weltlage auf die Psyche der jungen Menschen auswirkt. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die unsichere Weltlage belastet viele Jugendliche psychisch.
  • Soziale Medien verstärken deren Ängste oft zusätzlich.
  • Eine Expertin empfiehlt Eltern, Sorgen ernst zu nehmen und offen darüber zu sprechen.

Die Welt wirkt auf viele Jugendliche derzeit unsicherer denn je. Krieg in Europa und im Nahen Osten, politische Spannungen und wirtschaftliche Sorgen prägen den Alltag. Gerade über die sozialen Medien bekommen junge Menschen davon mit.

Doch wie wirken sich diese Faktoren auf die psychische Gesundheit bei Jugendlichen aus? Nau.ch hat bei Ines Mürner-Lavanchy nachgefragt. Sie ist Professorin an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel und Expertin im Bereich der Jugendpsychologie.

«Ja, es gibt Hinweise darauf, dass viele Jugendliche derzeit stärker verunsichert sind», sagt Mürner-Lavanchy.

Bereits während der Corona-Pandemie hatten Studien gezeigt, dass Angstzustände, depressive Symptome und das allgemeine Unwohlsein bei Jugendlichen zugenommen haben. Gründe waren unter anderem soziale Isolation und Schulschliessungen.

Hinzu komme die Klimakrise, sagt Mürner-Lavanchy. Viele Jugendliche berichten demnach über sogenannte «Klimaangst». Dies sei verbunden mit Sorgen um die eigene Zukunft und dem Gefühl, politisch nicht ausreichend gehört zu werden.

Auch Kriege und politische Unsicherheit hätten Auswirkungen. Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeige: Pandemie-, Klima- und kriegsbezogene Sorgen gehen jeweils mit mehr Angst und geringerer Lebensqualität bei Jugendlichen einher.

«Insgesamt sprechen viele Befunde von einem ‹angstauslösenden Umfeld›, geprägt durch globale Krisen», erklärt die Psychologin. Wichtig sei aber: «Nicht alle Jugendlichen sind gleich stark betroffen.»

Mehr psychische Probleme – oder mehr Sensibilität?

Internationale Studien zeigen seit Jahren einen deutlichen Anstieg psychischer Probleme bei jungen Menschen. Laut der «Lancet Psychiatry Commission on Youth Mental Health» haben psychische Erkrankungen bei Jugendlichen in vielen Ländern zugenommen.

Als Beispiel nennt Mürner-Lavanchy Australien. Dort sei die Häufigkeit psychischer Erkrankungen bei 16- bis 24-Jährigen seit 2007 um fast 50 Prozent gestiegen.

Belastet dich die unsichere Weltlage psychisch?

In der Forschung werde jedoch auch diskutiert, ob der Anstieg damit zusammenhänge, dass heute offener über psychische Probleme gesprochen werde. Durch mehr Aufklärung und weniger Stigmatisierung würden Jugendliche Symptome eher benennen und Hilfe suchen.

Die aktuelle Forschungslage lasse diesbezüglich jedoch keine eindeutige Schlussfolgerung zu.

Soziale Medien verstärken Krisengefühle

Eine zentrale Rolle spielen soziale Netzwerke wie Instagram, TikTok und Co. Für viele Jugendliche sind sie heute die wichtigsten Nachrichtenquellen.

Problematisch sei dabei, dass Krisenmeldungen dort oft emotionaler, schneller und wiederholt verbreitet würden als in klassischen Medien, so die Expertin.

Soziale Medien
Viele junge Menschen informieren sich auf den sozialen Medien über das Weltgeschehen. - keystone

Internationale Studien zeigen, dass die häufige Konfrontation mit Inhalten zu Krieg oder Klimawandel emotionale Belastungen verstärken kann. Gleichzeitig kann eine hohe Nutzung sozialer Medien auch dazu führen, dass Bedrohungen stärker wahrgenommen werden.

Nur negativ seien soziale Netzwerke aber nicht, sagt Mürner-Lavanchy. «Jugendliche nutzen sie gezielt, um Informationen zu finden, soziale Kontakte zu pflegen oder Unterstützung zu erhalten.» Dies könne mit höherem Wohlbefinden verbunden sein.

«Sorgen ernst nehmen»

Eltern und Bezugspersonen empfiehlt die Psychologin vor allem eines: Zuhören.

«Kinder und Jugendliche sollten mit ihren Sorgen und Ängsten ernst genommen werden», sagt Mürner-Lavanchy. Schwierige Themen anzusprechen und offen darüber zu reden, sei wichtig, auch wenn diese Themen Erwachsene selbst belasten.

Gleichzeitig braucht es bewusst Zeiten ohne Krisenmeldungen und soziale Medien. Jugendliche sollten ermutigt werden, Freizeitaktivitäten nachzugehen, die nichts mit digitalen Plattformen zu tun haben.

Eltern kind
Eltern sollten die Sorgen ihrer Kinder ernst nehmen. - keystone

Hilfreich könne auch sein, Jugendlichen zu vermitteln, dass sie mit ihren Gefühlen nicht allein sind. «Auch andere Jugendliche und Erwachsene leiden unter den globalen Ereignissen», so Mürner-Lavanchy.

Wenn die Belastung zu gross werde und im familiären Umfeld nicht mehr aufgefangen werden könne, sei professionelle Hilfe wichtig. Auch Beratungsstellen könnten in einer solchen Situation unterstützen.

Kommentare

User #2172 (nicht angemeldet)

Frage und mit uns Älteren? Wir leiden auch an der Unsicheren-Lage🤔

User #4573 (nicht angemeldet)

Social Media komplett abschalten, ab und zu ein Blick in die Nachrichten reicht da die Politiker sowieso alles verlaueren.

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