Kranker Fuchs wohnt im Garten-Korb von Leserin
Kurioser Untermieter: Eine Nau.ch-Leserin hatte während Wochen immer wieder Besuch von einem Fuchs – in ihrem Garten!

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Nau.ch-Leserin aus dem Liebefeld BE wurde über Wochen von einem Fuchs besucht.
- Anfangs scheu, dann immer zutraulicher, machte es sich der Fuchs im Gartenkorb bequem.
- Es wird klar: Der Fuchs ist schwer krank – und muss von einem Wildhüter abgeholt werden.
Nicht schlecht gestaunt hat Nau.ch-Leserin Eveline F.* als sie morgens das Fenster öffnete und direkt einem Fuchs gegenüberstand.
Eine einmalige Begegnung, dachte sich die 42-Jährige. Doch Fehlanzeige: Der pelzige Besucher wollte gar nicht mehr aus ihrem Garten im Liebefeld BE verschwinden. Rund zehn Autominuten von der Berner Innenstadt entfernt!
Der aufdringliche Gast machte es sich schliesslich im Bast-Korb von Eveline bequem und hatte keine Absichten, diesen zu verlassen. Weder tagsüber noch nachts. Es ging so weit, dass Eveline nicht einmal mehr die Fensterläden öffnen konnte.
Doch schon bald fiel ihr auf: Dem sonst so scheuen Waldbewohner ging es gar nicht gut. Sein Fell war komplett verfilzt, an der Wirbelsäule wies er einen geschwürartigen Buckel auf, und bewegen mochte er sich kaum.
Verunsichert fragte Eveline ihre Nachbarin, eine Tierärztin. Diese riet, sofort den Wildhüter zu verständigen: Der Fuchs habe mit Sicherheit Milben, sei schwer krank und müsse erlöst werden.
Eveline handelte sofort – doch der Wildhüter liess auf sich warten. In der Zwischenzeit war der Fuchs bereits verschwunden. Erst drei Tage später konnte der Wildhüter das Tier abholen und erlösen.
Kranke Füchse bleiben oft am gleichen Ort
Wildtier-Biologin Sandra Gloor von der Meldeplattform «Wilde Nachbarn» bestätigt gegenüber Nau.ch: «Kranke Füchse sind oft weniger mobil und halten sich länger an einem Ort wie einem Garten auf.»
Wer einen Fuchs beobachtet, der sich immer am gleichen Ort aufhält oder krank aussieht, sollte Wildhüter oder die Jagdgesellschaft informieren. «Kranke Tiere, die an Räude oder Staupe leiden, müssen geschossen werden, da diese Krankheiten immer tödlich verlaufen.»
Füchse seien enorm anpassungsfähig und würden fast alles fressen. Deshalb fühlten sie sich in Siedlungsgebieten pudelwohl: «Sie fressen Abfälle wie Pizza- oder Sandwichreste, Fallobst, Regenwürmer und vieles mehr. Die Populationsdichte von Füchsen ist im Siedlungsraum höher als in ländlichen Gebieten.»

Dass ein Fuchs komplett seine Scheu verliere, sei jedoch sehr ungewöhnlich: «Ein gesunder Fuchs im Siedlungsraum ist etwas weniger scheu als ein Fuchs in ländlichen Gebieten. Aber er zieht sich zurück, wenn sich Menschen nähern.»
Ein Siedlungsfuchs ist also kein Einzelfall. Ihre natürliche Scheu verlieren die Tiere nur, wenn sie gefüttert werden.
«Sie werden nicht zahm, sondern eher dreist und aufdringlich. Das kann zu heiklen Situationen für den Fuchs oder den Menschen führen. Darum werden solche halbzahme Füchse von der Wildhut meist geschossen.»
Zutrauliche Füchse sind oft krank
Auch Caroline Frey, Tierärztin an der Universität Bern, bestätigt gegenüber Nau.ch: Krankheiten oder Parasiten können dazu führen, dass Füchse zutraulicher werden.
«Momentan leiden solche Füchse oft an Fuchsräude, eine Krankheit, die durch eine Grabmilbe ausgelöst wird.»
Typische Anzeichen seien verkrustetes Fell, Haarausfall und der sogenannte «Rattenschwanz»: «Die Krankheit schwächt die Tiere sehr. Sie haben keine Energie mehr zum Jagen und suchen daher die Nähe zu Siedlungen.» Die Krankheit könne tödlich enden.
Achtung, Ansteckungsgefahr für Menschen!
Brisant: «Die Räudemilben können auch Menschen und Haustiere befallen und dort eine stark juckende Hautkrankheit auslösen.» Übertragen würden sie meist durch direkten Kontakt – oder wenn Haustiere denselben Platz wie der kranke Fuchs nutzen.

Das Jagdinspektorat des Kantons Bern ist mit solchen Fällen bestens vertraut. Auf Anfrage von Nau.ch sagt ein Sprecher: «Kranke Wildtiere verlieren ihre Scheu, weil Krankheiten wie Räude oder Parasitenbefall sie schwächen und ihre natürlichen Überlebensinstinkte beeinträchtigen.»
Die Folge: «Sie werden apathisch und reagieren weniger auf Gefahren. So nehmen sie beispielsweise menschliche Nähe nicht mehr als Bedrohung wahr.»
Auch das Jagdinspektorat betont, wer einen kranken oder auffällig zutraulichen Fuchs entdeckt, sollte ihn umgehend beim Wildhüter melden: «Kranke und verletzte Füchse werden nach Möglichkeit durch die Wildhut von ihrem Leiden erlöst.»
*Name der Redaktion bekannt
















