Taucht der Goldschakal bereits mitten in der Stadt Bern auf?
Eine Tier-Beobachtung in einem Berner Wohnquartier: Wenn es kein Fuchs war, könnte es zumindest theoretisch ein Goldschakal gewesen sein.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Leserin meldet eine ungewöhnliche Tier-Beobachtung in der Stadt Bern.
- Gemäss der Beschreibung könnte es sich um einen Goldschakal gehandelt haben.
- Theoretisch sei dies möglich, sagt eine Wildtier-Expertin.
Ist das jetzt einer dieser Stadtfüchse? Es ist spätabends, als BärnerBär-Leserin Tanja S.* auf dem Heimweg mit dem Auto durch ein Berner Wohnquartier fährt. Bei einer hell erleuchteten Baustelle steht ein Tier.
Tanja S.* hält an und lässt die Scheibe herunter, wovon sich das Tier aber nicht gross beeindruckt zeigt. «Das ist kein Fuchs», ist Tanjas erster Gedanke – Grösse, Fellfarbe, der nicht sehr buschige Schwanz passen irgendwie nicht. «Es sah aus wie ein Bilderbuch-Wolf aus einem Rotkäppchen-Märchen», berichtet sie.
Goldschakal in Bern: Grundsätzlich möglich
Da ein Wolf wohl nicht in Betracht kommt, zeigt ihr die BärnerBär-Redaktion ein Bild eines Goldschakals.
Unter anderem infolge der milderen Temperaturen dehnt dieser sein Verbreitungsgebiet von Südosten her aus. Einzeltiere werden in den letzten Jahren immer wieder auch in der Schweiz gesichtet.
«Das ist es», freut sich Tanja, denn des Rätsels Lösung scheint gefunden.

Auch wenn das nächste Waldstück nur wenige hundert Meter entfernt ist: Das Stadtzentrum liegt nicht viel weiter weg. Ein Goldschakal mitten im Siedlungsgebiet?
«Grundsätzlich können Goldschakale fast überall auftauchen», sagt Ursula Sterrer von der Stiftung KORA, dem Kompetenzzentrum für Raubtierökologie und Wildtiermanagement. Sterrer ist für die Projektleitung Goldschakal verantwortlich. «In diesem Fall erscheint mir ein Fuchs aber wahrscheinlicher», schränkt Sterrer sogleich ein.
Bestätigter Nachweis schwierig
Denn die Unterscheidung sei sehr schwierig: «Eine sichere Bestimmung durch mich als Drittperson ist ohne Foto unmöglich.» Deshalb könne man bei Sichtbeobachtungen ohne Bild keine sichere Bestimmung machen.
KORA erhalte gar immer wieder Bilder von Füchsen, bei denen die meldenden Personen einen Goldschakal zu erkennen glaubten. Im vergangenen Jahr gab es im Kanton Bern lediglich zwei bestätigte Nachweise eines Goldschakals: In den Oberaargauer Gemeinden Ursenbach und Melchnau.
2024 gab es verschiedene Sichtungen im Kanton Bern. Ein Goldschakal konnte im Rahmen des Luchsmonitorings nahe des Brienzersees auch sicher bestätigt werden.

Ein Goldschakal-Männchen wiegt 11 bis 16 Kilogramm. Das ist etwa doppelt so schwer wie ein Fuchs und halb so schwer wie ein Wolf. Auch bei der Grösse reiht sich der Goldschakal zwischen Fuchs und Wolf ein.
Verhaltensregeln bei Goldschakal-Sichtung
Ob nun im Siedlungsgebiet oder im freien Feld: Trifft man auf einen Goldschakal, sollte man sich verhalten wie bei einem Fuchs oder allgemein bei Wildtieren, erklärt Ursula Sterrer. Das heisst: «Nicht nähern, das Tier nicht stressen und im Normalfall wird das Tier auch flüchten, sobald es den Menschen bemerkt.»
Und: «Wenn möglich versuchen, ein Foto zu machen, damit man es näher bestimmen kann», empfiehlt Sterrer. Meldungen können an Wildhüter oder an KORA gemacht werden.

Tanja S.* ist nach wie vor überzeugt, dass sie mitten in der Stadt Bern einen Goldschakal entdeckt hat. Sie nimmt sich vor, nächstes Mal ein Foto zu machen und ruft die Bevölkerung zur Mithilfe auf: «Haltet die Augen offen und schickt ganz viele Bilder an KORA!»
Das wäre ganz im Sinne des Goldschakal-Projekts, bestätigt Ursula Sterrer: «Besser einmal zu viel melden – es ist natürlich gut, wenn wir wissen, was die aktuelle Situation ist.»
* Name von der Redaktion geändert








