Prämien-Hammer: «412 Franken pro Monat sind sehr viel Geld»
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider gibt die Krankenkassenprämien 2027 bekannt. Es zeigt sich: Der bereits erwartete Anstieg von fünf Prozent wird Tatsache.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Krankenkassenprämien werden auch im nächsten Jahr steigen.
- Dies durchschnittlich um fünf Prozent.
- Bundesrätin Baume-Schneider und BAG-Direktorin Anne Lévy erklären den Anstieg.
Die Krankenkassenprämien belasten das Budget der Schweizer zunehmend.
Immer mehr Familien könnten angesichts der stetig steigenden Krankenkassenprämien und der Teuerung kein Geld mehr zur Seite legen.
Und nun wird es noch dicker: Die mittlere Krankenkassenprämie wird im Jahr 2027 412 Franken pro Monat betragen. Im Vergleich zu 2026 entspricht dies einem Anstieg von 5,0 Prozent – also 19.70 Franken.

Dies gab Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider heute Nachmittag vor den Medien bekannt und räumte ein: «412 Franken pro Monat sind sehr viel Geld.»
Für Erwachsene steigt die monatliche Prämie gemäss Anne Lévy, Direktorin des Bundesamt für Gesundheit um 22.80 Franken auf 487.60 Franken.
Junge Erwachsene müssen neu durchschnittlich 15.40 Franken mehr und damit 338.80 Franken bezahlen. Bei Kindern steigt die Prämie gegenüber dem laufenden Jahr um 5.70 Franken auf 128.10 Franken. Am höchsten ist der prozentuale Anstieg im Kanton Jura mit 6,6 Prozent, am niedrigsten im Kanton Glarus mit 3 Prozent.
Alterung und Innovationen treiben Kosten nach oben
Die steigenden Krankenkassenprämien sind laut dem BAG eine direkte Folge der wachsenden Gesundheitskosten. Als Hauptgründe für die Kostenzunahme gelten die Alterung der Bevölkerung, medizinische Innovationen und die gestiegene Anzahl von Behandlungen: Es werden mehr Gesundheitsleistungen angeboten und in Anspruch genommen.
«In der Schweiz haben alle Anspruch auf ein qualitativ hochstehendes Gesundheitswesen», so Baume-Schneider. Und das habe seinen Preis.
Den Menschen in der Schweiz stehe eine breite Palette von pluridisziplinären Leistungen von hoher Qualität zur Verfügung.

Die Zahl der medizinischen Behandlungen pro Patient sei seit gut zehn Jahren im Steigen. Das sei der Hauptgrund für den Prämienanstieg.
Patientinnen und Patienten würden zudem von einem ausgeweiteten Leistungskatalog profitieren. Dass die Krankenkassen mehr Therapien finanzierten, führe zu zusätzlichen Kosten, sagte Baume-Schneider.
Doch es gebe auch unbeabsichtigte Kosten. Einer der Gründe dafür seien private Spitex-Organisationen, die pflegende Angehörige einstellten und die Krankenkassen respektive Kantone und Gemeinden dafür bezahlen liessen.
Der Bundesrat wolle Anfang Jahr Massnahmen vorlegen, um diese Fehlanreize zu beseitigen.
Ärzte nützen Lücken aus
Auch im neuen Tarifsystem würden Lücken ausgenutzt, stellte Baume-Schneider fest. Es komme vor, dass Ärztinnen und Ärzte Patienten zwei Mal aufbieten würden, um doppelt abrechnen zu können. «Ich erwarte von den Tarifpartnern, dass sie das rasch korrigieren.»
Sie kritisiert zudem, dass Arztpraxen, Spitäler und Apotheken Vorteile beim Einkauf von Medikamenten trotz gesetzlicher Verpflichtung nicht immer an Krankenkassen weitergeben. «Zum Schaden der Prämienzahlenden», so die Gesundheitsministerin. Die Nicht-Weitergabe der Rabatte hatte die Eidgenössische Finanzkontrolle vor Kurzem in einem Prüfbericht gerügt.
Neue Lösungen erwartet Baume-Schneider auch von den regelmässig an Rundtischgesprächen versammelten Akteuren des Gesundheitswesens. Das von einer sozialen Versicherung finanzierte Gesundheitswesen sei nicht der Ort, um Gewinne zu maximieren.

BAG-Direktorin Anne Lévy betonte: «Dank des medizinischen Fortschritts können heute mehr Leistungen ambulant erfolgen – also ohne Übernachtung im Spital.» Dies sei wünschenswert, weil dies günstiger sei. Zudem werde so das Risiko einer Ansteckung im Spital gesenkt.
Um das Kostenwachstum zu dämpfen, sind verschiedene Massnahmen aufgegleist.
So hat der Bundesrat – als Folge des indirekten Gegenvorschlags zur Kostenbremse-Initiative – neu die Kompetenz, Ziele für die Kostenentwicklung festzulegen. Ende 2026 wolle die Landesregierung erstmals Kostenziele für den Zeitraum von 2028 bis 2031 festlegen.
4,4 Prozent Prämienanstieg im aktuellen Jahr
Bereits letztes Jahr gab das BAG einen Prämienanstieg von durchschnittlich 4,4 Prozent für 2026 bekannt.
Gemäss dem BAG-Kostenmonitoring stiegen die Kosten in allen Leistungsarten. Jene der Spitex-Organisationen stiegen im vergangenen Jahr am stärksten: um 13 Prozent auf 173 Franken pro versicherte Person. Darauf folgten psychotherapeutische Leistungen durch Psychologinnen und Psychologen mit einem Plus von 9,8 Prozent auf 86 Franken pro versicherte Person.
Rechtzeitig kündigen
Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, alle Versicherten bis spätestens Ende Oktober schriftlich über ihre persönlichen neuen Prämien zu informieren.
Wer die Krankenkasse wechseln oder das Modell beziehungsweise die Franchise anpassen möchte, muss ein Kündigungsschreiben einreichen. Dies muss bis spätestens am letzten Arbeitstag im November bei der aktuellen Krankenkasse abgegeben werden.












