Der stolze Besitzer zweier Quartierstrassen in Roggwil BE, Jonas Lauwiner, plant ein Jahr nach seiner Aneignung, die Strassen als Panzerstrecke zu nutzen.
Jonas Lauwiner im Interview in Roggwil BE. Was hat sich in einem Jahr verändert? - Nau.ch/Nico Leuthold

Das Wichtigste in Kürze

  • Jonas Lauwiner plant das weitere Vorgehen in seinen Strassen in Roggwil BE.
  • Der «König von Burgdorf» denkt an neue Parkplätze – oder eine Panzer-Teststrecke.
  • Die Gemeinde plant nicht, die Strassen «zurückzuerobern».
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Der selbst ernannte «König von Burgdorf» schaut in seinem Quartier nach dem Rechten. Vor einem Jahr gelang es dem 28-Jährigen, für rund 50 Franken zwei besitzlose Quartierstrassen in Roggwil BE zu erwerben. Und so den Anspruch beim Grundbuch anzumelden. Nun schaut er sich erstmals seine Errungenschaft an.

Aber nicht einfach so – Jonas Lauwiner brettert mit seinem Panzer durch das Gebiet. Sein Ziel: die Qualität der Quartierstrasse zu überprüfen.

Lauwiner drohte vor einem Jahr den Anwohnern seiner Strasse, einen Stundensatz von rund 80 Franken für den Unterhalt zu verlangen. Denn jeder Anwohner hatte bei seiner Grundstücksübernahme einen Vertrag des Wegrechts unterschrieben, der dazu berechtigt, Unterhaltskosten für diese Strassen zu verlangen. Damals hatte Lauwiner noch keinen direkten Kontakt mit den Grundstückbesitzern des Sonnenwegs aufgenommen.

Könnte der Sonnenweg bald «Lauwinerstrasse» heissen? Jonas Lauwiner gehen die Ideen nicht aus. - Nau.ch/Nico Leuthold

Der «König von Burgdorf» schlug der Gemeinde vergangenes Jahr auch einen Deal vor. Er wollte der Gemeinde die Strasse schenken – sofern sie nach seinem Familiennamen benannt wird. Dann würde sie in Zukunft «Lauwinerstrasse» heissen. Andernfalls verlange er für den Erwerb des Sonnenwegs 120'000 Franken.

Eine private Panzerstrecke, die es in sich hat

Nun tüftelt der «König» einen Plan aus, wie er noch weiteren Profit aus den Strassen schlagen könnte. Ein Vorschlag sei, Parkplätze bauen zu lassen. «Im schlimmsten Fall kann ich die Strassen immer noch als Panzer-Teststrecke nutzen», fällt dem einfallsreichen Projektplaner ein. Schon jetzt bewacht er seine Strassen mit seinem persönlichen Panzer und fühlt sich in seiner Mission bestätigt.

Das Gefährt ist ein aus Deutschland importierter amphibischer Spähpanzerwagen. Und der braucht Platz: 5,5 Meter ist er lang und 2,35 Meter breit.

Auf seiner Mission steht ihm so gut wie nichts im Weg. Über angebrachte Warnhinweise für Katzen kann Jonas Lauwiner nur lachen und bemerkt augenzwinkernd: «Schön, dass mich die Bewohner vor Katzen warnen wollen. Doch meinem Panzer macht das nichts aus.»

Hättest du Freude an einer Strasse mit deinem Namen?

Bis jetzt habe der «König» nur einen Brief eines Anwohners erhalten. Dieser beschwerte sich aber nicht etwa bei ihm, sondern versuchte, einen ganz besonderen Deal auszuhandeln.

Der Anwohner bot Lauwiner demnach an, eine Fahne seines «Reichs» bei sich aufzuhängen. Und so im Gegenzug die 80 Franken pro Stunde an Strassenkosten umgehen zu können. Doch der Deal platzte. Denn dem geschäftstüchtigen Businessmann Lauwiner ist Geld am Ende doch wichtiger als eine Fahne mit seiner Aufschrift.

Interview mit dem Gemeindepräsident Benjamin Kurt in Roggwi BE. - Nau.ch/Nico Leuthold

Und damit nicht genug. Jonas Lauwiner sieht es sogar vor, in Zukunft noch andere Strassen günstig erwerben zu können. Um sein «Königreich» noch weiter zu vergrössern.

Überaus euphorisch gibt der «König von Burgdorf» sein erstes Fazit: «Das Projekt, zwei Strassen zu übernehmen, hat sich auf jeden Fall für mich gelohnt. Das würde ich immer wieder machen. Das war einer der besten Deals in meinem Leben.»

Gemeinde will Strassen nicht zurückkaufen

Der Gemeinderat hat bisher nicht vorgesehen, die Strassen zurückzukaufen, erklärt Benjamin Kurt, Gemeindepräsident von Roggwil BE. «Falls es irgendwann zur Sanierung der Strassen kommen sollte, werden die Grundstückseigentümer einen Kostenteil übernehmen müssen», sagt er.

Kurt habe mittlerweile gelernt, dass das mit der Aneignung von Strassen funktioniere. Auch wenn es doch eher eine Ausnahme sei. Mittlerweile habe es in Roggwil aber keine herrenlosen Grundstücke mehr.

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