Kita-Missbrauch: Verdachts-Meldungen schon zwei Jahre vor Anzeige
Ein Kita-Betreuer missbraucht jahrelang Kinder – obwohl es Jahre zuvor Warnungen gab. Hinweise wurden übersehen, Der Mann wurde sogar weiterempfohlen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Mami verdächtigte mutmasslichen Täter im Kita-Skandal bereits 2020 – ohne Konsequenzen
- Über Jahre missbrauchte der Betreuer mutmasslich 15 Kinder in Winterthur und Bern.
- Während der Ermittlungen fand er eine Neuanstellung – enttarnt wurde er erst durch Zufall.
Ein Kita-Mitarbeiter wird beschuldigt, über Jahre hinweg Kleinkinder in Winterthur ZH und Bern missbraucht zu haben.
Neue Recherchen der «NZZ am Sonntag» zeigen nun: Die Verantwortlichen erhielten bereits 2020 – zwei Jahre vor einer Anzeige – konkrete Hinweise auf verdächtiges Verhalten. Trotzdem konnten weitere Kinder zu Opfern werden.
Der mutmassliche Täter arbeitete als Betreuer in Kindertagesstätten in Winterthur und Bern. Laut Anklage missbrauchte er fünfzehn Kinder sexuell. Es ist einer der schwersten Missbrauchsskandale der jüngeren Schweizer Geschichte.
Mutter warnte bereits 2020
Im Oktober 2020 meldete sich laut der «NZZ am Sonntag» ein besorgtes Mami bei der Winterthurer Kita.
Ihre dreijährige Tochter hatte zu Hause erzählt: Der Mann ziehe sich Wickel-Handschuhe an, anschliessend gehe er in den Schlafsaal und «streichle» dort Kinder.
Die Mutter schöpfte sofort Verdacht und suchte das Gespräch mit einer Kita-Gruppenleiterin.
Gemäss der «NZZ» versprach die Kita-Mitarbeiterin dem Mami: Das Schutzkonzept werde nochmals besprochen. Zudem stelle man sicher, dass niemand alleine mit Kindern sei.
Lehrling erwischte ihn in flagranti
Zudem gab eine weitere unabhängige Meldung aus dem Personal.
Ein Lehrling überraschte den Mann im Schlafsaal in flagranti, wie er sich ungewöhnlich über ein Kind beugte. Er streichelte das Kind und schreckte hoch, als der Lehrling den Raum betrat.
Die Dachorganisation der Winterthurer Kita nennt diese Sachverhalte «völlig neu». Den heutigen Verantwortlichen seien sie «komplett unbekannt».
Ab August 2022 war der Mann in Winterthur krankgeschrieben, während die Ermittlungen liefen. Im Dezember 2022 verliess er die Kita.
Nahtloser Wechsel nach Bern
In der Kita-Mitteilung hiess es: «Wir haben ihn als Mitarbeiter sehr geschätzt und bedauern seinen Weggang. Wir danken ihm für seine engagierte Mitarbeit ganz herzlich.»
Trotz laufender Ermittlungen konnte der Täter, so die «NZZ» im März 2023 in eine Berner Kita wechseln. Die Berner Kita gibt an, dass sie von Winterthur telefonisch eine positive Referenz erhalten habe.
Der Täter wurde in Bern schliesslich nur durch Zufall erwischt. Er wurde beim Konsum von Kinderpornografie im Internet identifiziert.
Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Ermittler gespeicherte Videos von den Übergriffen in den Kitas.













