Stadt Luzern

Kein Sitzplatz: US-Tourist platzt im Zug der Kragen

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Luzern,

Die Zentralbahn von Luzern nach Engelberg OW ist rappelvoll. Ein US-Tourist schimpft über die Schweiz, weil er die Fahrt stehend verbringen muss.

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In einem SRF-Dok lässt sich ein US-Tourist darüber aus, dass Passagiere trotz Ticket in der Zentralbahn keinen Sitzplatz haben. - SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Billett bietet im Schweizer ÖV keine Sitzplatzgarantie.
  • Die Schweiz sei das teuerste Land und im Zug müsse man stehen, schimpft ein US-Tourist.
  • Die Zentralbahn AG verteidigt das Sitzplatzangebot.

Das Ticket ist bezahlt – und alle Sitzplätze sind besetzt. Auf einigen Zugstrecken gehört der Sitzplatz-Frust zum Alltag der Pendlerinnen und Pendler. Besonders im Intercity zwischen Bern und Zürich fristen Passagiere die Fahrt zu Stosszeiten regelmässig stehend.

Darüber zu schimpfen, hat keinen Sinn. Denn: In der Schweiz gilt für Reisende mit gültigem Ticket lediglich die Transportpflicht. Anrecht auf einen Sitzplatz hat man nicht.

Einem amerikanischen Touristen platzt hingegen in der Zentralbahn der Kragen. Dies zeigt eine Szene im SRF-Dok «Überrannt – Overtourism in der Schweiz».

Er verbringt die Fahrt von Luzern nach Engelberg OW im Waggon mit den Veloabstellplätzen stehend. Ein anderer Tourist sitzt zwischen zwei Velos gepfercht im Waggon.

«Wir haben so viel bezahlt»

Ob es ihn nicht störe, hier sitzen zu müssen und keinen richtigen Sitzplatz zu haben. Dies fragt der Reporter den Mann zwischen den Velos. «Nein, nein, alles gut», antwortet dieser bescheiden.

Daraufhin mischt sich der Amerikaner ein. «Nein, nein. Er sagt, es gehe ihm gut, weil er nett ist», behauptet dieser. «Aber niemand möchte so sitzen.»

Die Schweiz sei das teuerste Land, schimpft er. «Wir haben so viel bezahlt und jetzt müssen wir so sitzen.»

Verstehst du den Frust des Touristen?

In den USA und anderen Ländern würden Tickets nur mit den Sitzplätzen verkauft, sagt der Tourist. «Nicht einfach so wie hier, wo jeder selber schauen muss, ob er einen Sitzplatz findet.» Zudem seien die Ticketpreise in der Schweiz dreimal höher als auf der ganzen Welt, doppelt er nach.

Reservation und Halbstundentakt

Der empörte Tourist ist keine Ausnahme. «Im Jahr 2025 sind 84 Rückmeldungen von Touristen zu den Sitzplätzen eingegangen», sagt Thomas Keiser auf Anfrage. Er ist Mediensprecher der Zentralbahn AG.

Keiser verteidigt aber das Sitzplatzangebot. Im gesamten Schweizer ÖV-Netz könne mit einem Billett ein beliebiger Zug oder ein beliebiges anderes Verkehrsmittel genutzt werden, sagt er.

Im Ausland sei das Billett dagegen in den meisten Fällen an eine Reservation gekoppelt. Gültig sei es nur für eine spezifische Verbindung.

Wer eine Sitzplatzgarantie wünsche, könne auf die Sitzplatzreservation zurückgreifen.

Mehr Waggons anzuhängen, kommt für die Zentralbahn nicht infrage. Thomas Keiser begründet dies mit der Länge der Perrons in den Bahnhöfen und Haltestellen.

Trotzdem ist Entspannung in Sicht. Aktuell fährt die Bahn stündlich von Luzern nach Engelberg. Ab dem Fahrplanwechsel 2026/2027 folgt ein Halbstundentakt. Keiser: «Das heisst, es gibt einen Zug mehr pro Stunde in beide Fahrtrichtungen.»

«Angebot noch weiter ausbauen»

Florian Eggli ist Fachmann Tourismus am Institut für Tourismus und Mobilität der Hochschule Luzern. Die Einführung einer Sitzplatzgarantie hält Eggli nicht für nötig.

Er verweist auf die Reservationsmöglichkeit. «Allenfalls braucht es eine deutlichere Kommunikation bei den internationalen Gästen, sollte dieses Problem öfters vorkommen.»

Eggli sieht Ausbaupotenzial.

Der öffentliche Verkehr sei in der Schweiz ein praktisches, bequemes und verlässliches Transportmittel und eine Tourismusattraktion zugleich, sagt er. «Viele internationale Reisende nutzen das gut ausgebaute Angebot und reisen beispielsweise mit dem Swiss Travel Pass durch die Schweiz.»

Das öffentliche Verkehrsangebot richte sich auch auf die Bedürfnisse dieser Reisenden aus, sagt Eggli. Es schaffe zusätzliche Ablageflächen für Gepäckstücke und schule das Personal entsprechend. «Prognosen versprechen eine weitere Zunahme dieser Reiseform, entsprechend gilt es, das Angebot noch weiter auszubauen.»

Kommentare

User #5645 (nicht angemeldet)

Stay at home say Yea. Donald J. Schlumpf

User #4665 (nicht angemeldet)

Die sehen sehr amerikanische aus 🤠

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